Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Das VVO-Kombiticket geht in seine 20. Saison
Dresden Lokales Das VVO-Kombiticket geht in seine 20. Saison
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:36 18.07.2018
Auch Besucher der Schlagernacht im Dynamo-Stadion, im Bild ist Sängerin Maria Voskania, konnten Mitte Juni dank Kombiticket mit Bus und Bahn anreisen.
Auch Besucher der Schlagernacht im Dynamo-Stadion, im Bild ist Sängerin Maria Voskania, konnten Mitte Juni dank Kombiticket mit Bus und Bahn anreisen. Quelle: Andreas Weihs
Anzeige
Dresden

Das Kombiticket geht in seine 20. Saison. 1999 vereinbarten die damals noch in Leuben gelegene Staatsoperette und die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB), dass ein Theaterticket am Veranstaltungstag auch als Fahrschein gilt. Diese Regelung gilt auch nach dem Umzug des Theaters ins Kraftwerk Mitte und geht mit Spielzeitbeginn 2018/19 in die Jubiläumssaison. 44 weitere Kombipartner hat der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), der bei den Vertragsverhandlungen den Hut aufhat, 2017 gefunden. Einnahmen über 1,6 Millionen Euro aus Kombiticket-Verkäufen verteilt der Verkehrsverbund jährlich an die 14 Verkehrsunternehmen im VVO-Gebiet.

Das ist wenig, wenn man diese Summe an den knapp 180 Millionen Euro Fahrgeldeinnahmen im vergangnen Jahr misst. Für den VVO lohnt sich der Aufwand dennoch, wie Sprecher Christian Schlemper sagt. „Da gibt es natürlich Vorteile für das Klima und den Verkehr, wenn insbesondere bei Großveranstaltungen Staus vermieden werden“, sagt er. Im mitten in der Stadt gelegenen Dynamo-Stadion müssen deswegen Veranstalter immer ein Kombiticket anbieten, egal ob Dynamo Dresden spielt oder zur Schlagernacht geladen wird. Für den VVO vor allem interessant ist jedoch, dass das Kombiticket von Nicht- oder Seltenfahrern genutzt wird. „Viele haben sich nach 1990 ein Auto gekauft und sind seither nicht mehr mit Bus und Bahn gefahren“, sagt Schlemper. Bei der Anreise mit dem Kombiticket bemerke so mancher überrascht, dass S-Bahnen inzwischen klimatisiert sind und die Zugänge in Straßenbahnen keine Stufen mehr haben.

180 000 Euro Einnahmen durch Kongresse

Viele der Kombitickets gehen auf Veranstalter zurück. „Klassisches Beispiel sind Kongresse im Kongresszentrum, deren Ausrichter es den Teilnehmern einfach machen wollen“, sagt Schlemper. 26 Kombitickets zu solchen Einzelveranstaltungen hat es 2017 gegeben, hinzu kommen acht Partner aus dem Tourismus, wozu Hotels in Dresden und Krippen oder die Sächsische Dampfschiffahrt zählen, und elf Saisonpartner. Zu ihnen gehören etwa der Kreuzchor, das Theater Junge Generation, die Volleyballdamen des Dresdner Sportclubs und Dynamo Dresden. Der Fußballverein allein ist für Einnahmen über eine halbe Million Euro verantwortlich. Kongresse machen 180 000 Euro Einnahmen aus.

Die werden tatsächlich unter allen 14 Verkehrsunternehmen verteilt. „Das Kombiticket gilt schließlich im gesamten Verbundraum. Auch im Stadtbus von Hoyerswerda kann damit am Spieltag ein Dynamo-Fan fahren“, begründet Schlemper. Das meiste Geld bleibt in diesem Fall jedoch bei den DVB hängen, die zu Dynamo-Heimspielen extra Straßenbahnen und Personal einsetzen. Übersteigt der Aufwand nicht die Einnahmen? „Wir sparen uns Vertriebskosten, weil wir nicht vor einer Veranstaltung Tausende Tagestickets verkaufen müssen“, gibt Schlemper zu bedenken. Aber es sei schon so, dass man darauf achten müsse, das alles im Rahmen bleibt.

Drei Viertel aller Marathonläufer kombinieren

Das geschieht bei einigermaßen komplizierten Verhandlungen mit den Partnern, die jedes Mal ein bisschen anders verlaufen und zwei bis drei Monate dauern können. Partner ist immer in konkretes Verkehrsunternehmen, in Dresden die DVB, der VVO zeichnet für die übrigen 13 mit. „Uns sind längerfristige Partnerschaften wichtig, weil sich das Angebot dann bei den Nutzern einprägt“, sagt Schlemper. Die verhalten sich durchaus unterschiedlich. So reisen laut einer 2012 gemachten Untersuchung die Hälfte der Besucher von DSC-Heimspielen mit den Öffentlichen an, viele von ihnen jedoch mit Zeitkarten. Anders beim Oberelbemarathon. Drei Viertel der Teilnehmer der Laufveranstaltung nutzen das Kombiticket für An- und Abreise, hat eine Untersuchung 2013 ergeben. „Daraus ergibt sich auch, warum es bei manchen Veranstaltern noch kein Kombiticket gibt“, sagt Schlemper. Man rechnet eben auch bei Philharmonie, Semperoper und den Filmnächten sehr genau und hat das Besucherverhalten im Blick. Würde der VVO mit den Genannten eine Partnerschaft eingehen, wenn das Angebot käme? „Natürlich“, sagt Schlemper, „Kombitickets kann es nicht genug geben.“

Halber Ticketpreis fürs Handyticket zum Stadtfest

Nicht nur mit Kombitickets versucht der VVO, Selten- oder Garnichtfahrer dazu zu bringen, Bus und Bahn auszuprobieren. So gibt es zum Stadtfest, das von 17. bis 19. August gefeiert wird, VVO-Tickets zum halben Preis, wenn diese über das Smartphone in einer der drei verfügbaren Apps gekauft werden: VVO-Mobil, DVB-Mobil und „DB-Navigator im VVO“. Dort ist der direkte Ticketkauf seit Mitte Juni möglich, das will der VVO bekannt machen.

Schon seit Längerem gibt es die Möglichkeit für Bahnkunden mit Bahncard, ihr Ticket am An- oder Abreisetag als Fahrschein für die Tarifzone Dresden zu nutzen. Dafür muss die mit der Bahn zurückgelegte Strecker länger als 100 Kilometer sein und das Ticket den Aufdruck „Dresden + City“ tragen.

Wer Pauschalreisen über Reiseveranstalter bucht, kann zudem mit seinem Flugticket am An- und Abreisetag kostenlos im VVO-Gebiet fahren, wenn dieses mit „Rail & Fly inclusive“ gekennzeichnet ist. Knapp 30 Reiseveranstalter bieten das an.

Von Uwe Hofmann