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Lokales Das Theater La Lune ist gemeinsam mit Prohliser Bürgern „Dem Riesen auf der Spur“
Dresden Lokales Das Theater La Lune ist gemeinsam mit Prohliser Bürgern „Dem Riesen auf der Spur“
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09:57 21.06.2019
Einer von zehn gigantischen „Fußabdrücken“, die sich entlang der Prohliser Allee finden. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Gewiss kann Dresden schönere Fleckchen vorweisen als das Wohnquartier rund um das Kinder- und Jugendhaus „Mareicke“ in Prohlis. Die graubraunen DDR-Plattenbauten sind weitestgehend unsaniert geblieben, im Innenhof liegt vielerorts Müll herum. Und doch wird genau hier am Wochenende eine große Theaterfestivität steigen – das „Fest für den Riesen“. Denn im Innenhof des „Mareicke“-Quartiers soll der mythenumrankte Riese von Prohlis seinen Lieblingsplatz gefunden haben.

Vieles ist nicht bekannt über den kolossalen Zeitgenossen. Seine Füße sind 18 Meter lang – das ist an den grünen Fußstapfen abzumessen, die seit einer Pflanzaktion die Gartenflächen entlang der Prohliser Allee schmücken.

Wer hat den Riesen gesehen?

„Abgesehen vom ästhetischen Zweck haben die zehn gigantischen Fußabdrücke bislang keine Funktion gehabt. Wir haben uns also die Frage gestellt: Warum ist augenscheinlich ein Riese barfuß durch Prohlis gelaufen?“, erklärt Regisseurin Christiane Wiegand. Gemeinsam mit dem Theater La Lune Dresden und ihrem Regie-Kollegen Harry Fuhrmann hat sie das partizipative Projekt „Dem Riesen auf der Spur“ initiiert. Kooperationspartner sind das Quartiersmanagement Prohlis und das Societaetstheater Dresden.

"Dem Riesen auf der Spur": Die Frauen vom Stricktreff - Querformat e.V. haben sich gefragt, wie kommt der Riese in Prohlis durch den Winter? Natürlich mit einem Schal – 34 Meter lang. Quelle: David Pinzer

Das Theaterteam, bestehend aus Darstellern, Puppenspielern und bildenden Künstlern, ist in den vergangenen Monaten auf Spurensuche im Stadtviertel gewesen. Die Bewohner von Prohlis waren erstmalig dazu aufgerufen, sich Geschichten über den Riesen auszudenken und beim Rechercheprozess mitzuwirken. Wer hat etwas gesehen, gehört oder bemerkt? Wer kann Angaben zum Aussehen des Riesen machen?

Seit Januar ist das Nachbarschaftsprojekt in einer Wohnung an der Lübbenauer Straße untergebracht, die als Probebühne, Bauraum und Zentrale fungiert. Verschiedene Werkstätten und Workshops wurden angeboten, um das Rahmenprogramm für das Theaterfest inhaltlich festzuzurren.

Das Endresultat ist am Sonnabend und Sonntag zu erleben: Von Spurensuchern werden die Gäste in Gruppen aufgeteilt und über den Hof geführt. Sieben Stationen warten auf das Publikum, der Innenhof wird einem Wimmelbild gleichen: Mit selbst gestalteten Puppen erzählen Kinder kleine Geschichten über den Giganten. Im lokalen Stricktreff wurde ein 34 Meter langer Schal für den Riesen angefertigt, der von einem Balkon ausgerollt wird. Der alte Wäscheplatz soll sich in ein Traumlabor verwandeln, ein Entspannungsareal mit Liegestühlen. Den Abschluss des Theaterfests bildet ein gemeinsames Abendessen an einer langen Tafel – unter dem Lieblingsbaum des Riesen.

Soziokultur im Subtext

Am Theaterfest sind knapp 50 Menschen beteiligt – Senioren wie Kinder, Deutsche wie Ausländer. Die Feier soll das riesenhafte Wesen dazu motivieren, demnächst wieder in Prohlis vorbeizuschauen. Im Subtext schwingt selbstredend ein soziokultureller Aspekt mit: „Prohlis wird immer wieder als Stadtbezirk der sozial Schwachen abgestempelt“, sagt Wiegand. „Bei unserem Konzept geht es darum, gemeinsam zu gestalten und die positiven Seiten des Stadtbezirks aufzuzeigen.“ Immerhin hat sich der Riese gerade Prohlis für seinen Spaziergang ausgesucht.

Das Team vom Theater La Lune möchte den Bewohnern der anliegenden Häuserblocks ein neues Selbstwertgefühl vermitteln – und auch ein neues Gemeinschaftsgefühl. Der Kiez-Chor „Hausmusik“ wird beim Fest ein Lied vorstellen, das sich aus den Wünschen und Träumen der Anwohner zusammenfügt. Das Stück handelt von einem neuen Tanzlokal in der Wohngegend, von sauberen Parks und einem Gymnasium für Prohlis.

„Die Menschen hier wollen einfach, dass aus ihrem Stadtteil ein ganz normales Wohnviertel wird“, meint Wiegand. Ein weiterer, großer Schritt ist dahingehend getan. Die Regisseurin ist überzeugt: Wenn hier regelmäßig ein Nachbarschaftsfest stattfindet, wird allein die Erinnerung an das kollektive Ereignis zum Impuls für ähnliche Projekte im Kiez.

Vorstellungen: 22. und 23. Juni, jeweils 17 Uhr, „Mareicke“, Vetschauer Str. 14, Eintritt frei.

Von Junes Semmoudi

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