Das „Guacamole“ in der Dresdner Neustadt im Test
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Lokales Viva la Mexico? Eher nicht: Das „Guacamole“ in der Dresdner Neustadt im Test
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Das „Guacamole“ in der Dresdner Neustadt im Test

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18:30 05.12.2021
Der vegetarische Burrito auf dem Weg in den Ofen.
Der vegetarische Burrito auf dem Weg in den Ofen. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Mexikanische Küche – das sind Nachos, gefüllte Tacos, Quesadillas, Enchiladas, Reis mit Bohnen, Guacamole und vieles mehr. Guacamole heißt auch der mexikanische Imbiss an der Alaunstraße, den wir uns für unseren heutigen Restauranttest ausgeguckt haben.

Der kleine Laden direkt gegenüber der Scheune hat in den vergangenen Jahren häufig den Besitzer und damit auch das Konzept gewechselt. So gingen hier in der Vergangenheit u.a. schon Pasta, Schnaps und zuletzt Pommes über den Tresen. Nun also mexikanisch: Aquí vamos!

Innen hat sich nicht viel verändert, einige wenige gemütliche Sitzbänke in einem rot gestrichenen, nicht allzu großen Gastraum; dazu eine Theke, hinter der auch das Essen zubereitet wird. Der Laden ist gut gefüllt, dennoch ergattern wir einen Platz.

Die Speisekarte mit über 75 Positionen will es offenbar allen recht machen: Es gibt diverse Vorspeisen, Salat, eine utopisch riesige Batterie Pizza und Burger, Reis- und Quinoapfanne in verschiedenen Variationen, Tacos, Quesadillas, Burritos und diverse Aufläufe – immer auch in vegetarischen oder gar veganen Varianten. Zudem wird eine Auswahl Steaks offeriert, unter anderem kann man hier für 35 Euro ein 500-Gramm-Dry-Aged-T-Bone-Steak bekommen oder sich an einem Bison-Steak (300 Gramm) versuchen.

Wir sind irritiert und können uns nicht so recht vorstellen, wie diese Kalkulation ohne deutliche Abstriche bei der Fleischqualität aufgehen soll. Schließlich entscheiden wir uns für einen Mix aus verschiedenen Dingen und hoffen, uns so einen umfassenden Überblick verschaffen zu können.

Kein Augenschmaus in Brauntönen

Auf unserer Bestell-Liste landen der als scharf angekündigte gemischte, vegetarische Vorspeisenteller (5,90 Euro), Mexikanische Reispfanne mit Rinderhack (12 Euro), Pizza Margherita (4 Euro) als Messlatte für die allgemeine Pizzakunst und Guacamole, Tacos und Quesadillas mit Hühnchen und Chili (6,90 Euro).

Nach einer nicht unerheblichen Wartezeit von einer guten halben Stunde steht unser Essen vor uns auf dem Tisch. Zugegeben: Ein Augenschmaus ist das nicht gerade. Uns fehlt etwas Frisches, wenigstens aber irgendein Farbtupfer, der das Sammelsurium aus Braun-, Rot- und Orangetönen irgendwie brechen würde. Nun ja.

Inhaberin Claudia Nadeem bereitet einen vegetarischen Burrito mit Zuccini, Oberginen, Mais und Roter Beete. Quelle: Dietrich Flechtner

Der Vorspeisenteller besteht aus Onion Rings, zwei eher nicht so vegetarischen Shrimps im knusprigen Backteig, einem Mozzarella-Stick und einem frittierten, mit Frischkäse gefüllten Jalapeno. Dass es sich bei alldem offensichtlich um Tiefkühl-Convenience handelt – okay. Haben wir ehrlicherweise für den Preis und bei einer so großen Karte auch nicht anders erwartet.

Leider steckt wie so oft aber auch hier der Teufel im Detail: Alle Vorspeisen sind nicht nur extrem fettig, das Fett schmeckt zu allem Überfluss auch nach allem Möglichen, was jemals darin frittiert worden ist. „Knusprig“ erweist sich in diesem Beispiel ebenfalls als ein sehr dehnbarer Begriff. Man könnte das Ganze jetzt in einem der gereichten Dips versenken und das Beste hoffen, diese überzeugen uns aber leider ebenfalls nicht. Kurzum: Ein vergleichbares Convenience-Produkt bekommt man selbst im Supermarkt in besserer Qualität.

Wirklich erschüttert sind wir aber von der Zubereitung in offensichtlich schon sehr betagtem Fett – für uns ein absolutes No-Go. Wir brechen den Probiervorgang ab und schreiten zur Pizza. Die ist mit vier Euro sicherlich ein Schnäppchen, das sich mit dem relativ geringen Wareneinsatz logisch rechtfertigen ließe.

Wie ein Maulwurf im Cockpit

Positiv: Der Teig ist durchaus in Ordnung, für unseren Geschmack ein bisschen zu dick, aber wir sind schließlich auch nicht beim Lieblings-Italiener um die Ecke. Zur Tomatensoße können wir wenig sagen, da diese nahezu komplett mit einem recht stark gratinierten Käse überdeckt ist – seltsamerweise einem Blauschimmelkäse, der auf einer Margherita in etwa so viel zu suchen hat wie ein Maulwurf im Cockpit.

Hier hat Kaddi 2021 gekostet

Auch 2021 unterwegs in Dresdner Restaurants, Bars und Cafés: Die neuesten Test von DNN-Gastrokritikerin Kaddi Cutz:

Auch dieses Experiment beenden wir vorzeitig und widmen uns der Reispfanne mit Rinderhack. Die Menge ist ordentlich, geschmacklich sind wir aber auch hier ratlos. Reis, Bohnen, Mais und Rind sind lasch gewürzt und extrem trocken. Was an diesem Erlebnis den stolzen Preis von immerhin 12 Euro rechtfertigen soll, erschließt sich uns beim besten Willen nicht.

Ähnlich ergeht es uns bei den Tacos mit Hackfleisch und Chili (12,80 Euro). In der labbrigen Teigschale findet sich weit unten eine Scheibe Tomate, ansonsten war es das mit Salat und Frische. Die Hack-Mais-Bohnen-Mischung entspricht der Reispfanne, hier ist dank Chili immerhin etwas Gewürz am Start, geil ist das aber leider auch nicht.

Bleiben die Quesadillas mit Hühnchen und Chili. An letzterem wurde nicht gespart, auch mit dem Teig wurde großzügig umgegangen: Das sind buchstäblich die mit Abstand fettesten Quesadillas, die mein Auge je erblicken durfte. Das gilt leider auch für meine Zunge, denn ähnlich wie die Vorspeise ist der kompakte Teig komplett getränkt von altem Fett, was das Ganze für uns leider ungenießbar macht.

Steckbrief Restaurant Guacamole

Adresse Alaunstr. 39, 01099 Dresden Telefon 0351 8627 6048

Konzept Burger, Mexikanisch, Imbiss

Geöffnet täglich 11 bis 23 Uhr

Preise Hauptgerichte ab 6,90 Euro

Gesamtnote 2,6 (von max. 10)

Essen: 2 (Anteil an der Gesamtnote: 60 Prozent)

Service: 3 ( 20 Prozent)

Ambiente: 4 (20 Prozent)

Fazit Viva la Mexico? Für uns hier eher nicht.

Nun habe ich wirklich nichts gegen Kalorien. Damit diese aber ihr unschönes Werk an meinem Bauchumfang verrichten dürfen, muss die Basis stimmen. Heißt: Zunge und Gaumen sollen sich bitteschön dann auch entsprechend amüsieren. Ist hier leider nicht passiert, entsprechend blieb sehr viel Essen auf den Tellern zurück. Dass der freundliche, aber weder aufmerksame noch besonders herzliche Service nicht einmal nachfragt, ob es denn geschmeckt hat, spricht ebenfalls Bände. Wir sind enttäuscht und gehen mit grummelnden Mägen unserer Wege.

Von Kaddi Cutz