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Lokales Das Dresdner Penck-Hotel im Renovierungsstress
Dresden Lokales Das Dresdner Penck-Hotel im Renovierungsstress
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06:07 12.02.2019
Die Tischler Philipp Marx und Hans v. Wuntsch (v.l.) haben im Dresdner Penck-Hotel derzeit alle Hände voll zu tun. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Die markante Bronzeplastik auf dem ehemaligen Art’otel streckt sich den Dresdnern und Touristen immer noch nackt entgegen. Doch unter dem sechs Meter großem Werk des Dresdner Künstlers A.R. Penck hat sich in den letzten Monaten einiges verändert. Allen voran der Name: Seit des Betreiberwechsels im August 2018 heißt das einstige Art’Otel nun Penck-Hotel – benannt nach dem 2017 verstorbenen Künstler, der dem Inneren mit über 700 Kunstwerken auch posthum noch eine ganz persönliche Note verleiht.

„Es ist eine Katastrophe“

Übernommen hat das Hotel die Immobiliengruppe Gaedeke & Sons aus Berlin. Ziel war es von Anfang an, das Hotel aus der Kette Park Plaza zu lösen und eigenständig zu werden. Damit das auch funktioniert, investieren die neuen Eigentümer rund vier Millionen Euro in die dringend notwendige Modernisierung des Hauses. Denn seit der Eröffnung 1993 hat sich dahingehend nicht viel getan. Seit September sind deshalb mehr Handwerker als Gäste im Penck-Hotel anzutreffen.

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Hoteldirektor Antoni Knobloch steht im Foyer des Penck-Hotels. Hier haben die ersten Kunstwerker des Namensgebers A.R. Penck wieder ihren Platz gefunden. Quelle: Dietrich Flechtner

Denn renoviert wird bei laufendem Betrieb. Kann das funktionieren? „Es ist eine Katastrophe“ gibt Antoni Knobloch offen zu. „Wenn die Leute 100 Hotels in Dresden zur Auswahl haben und bei uns etwas von Umbau lesen, entscheiden sie sich natürlich für andere Hotels“, sagt der gebürtige Dresdner. Dass ein Umbau bei laufendem Betrieb Gäste fernhält, mache sich derzeit beim Umsatz bemerkbar. Die millionenschwere Modernisierung sei aber notwendig, um am „schwierigen Dresdner Hotelmarkt“ zu bestehen, sagt der Direktor. Doch der Hotelchef ist zuversichtlich, immerhin gibt es auch Gutes zu berichten: Die Vier Sterne Plus Zertifizierung hat das Penck-Hotel bekommen und die ersten Etagen sowie das Restaurant sind auch schon fertig.

Aus Alt mach Neu – Ein Rundgang

Wir machen uns auf den Weg zu einem Rundgang durch das Hotel, was einer kleinen Zeitreise gleicht. Im Fahrstuhl treffen wir Gäste im Bademantel mit einer Tasse frisch aufgebrühtem Tee in der Hand – ganz leer ist es hier also nicht. Zwischendurch geht die Fahrstuhltür auf, es zeigt sich blauer abgenutzter Teppich und Kisten voller neuer Haustechnik. Doch wir fahren weiter, bis hoch in die fünfte Etage. Hier angekommen, betreten wir bunt gekachelten und frisch ausgelegten Teppich, an den Wänden hängen besagte Penck-Werke. Handwerker sind keine in Sicht. Wohl aber Gäste, die sich ebenfalls einen Eindruck von den neuen Zimmern verschaffen wollen: „Wir staunen über die neuen Räume!“, sagen sie.

Auf einigen Etagen des Penck-Hotels herrscht reger Betrieb – allerdings von Handwerkern. So wie auf diesem Bild werden die Flure nach der Modernisierung nicht mehr aussehen. Quelle: Dietrich Flechtner

Die Zimmer in den renovierten Etagen sind weit weniger bunt als der Teppich im Flur. Lediglich die Werke von A.R. Penck hängen (meist) als Farbklecks an der Wand. Und genau diese sollen den Gästen auch ins Auge fallen, sagt Knobloch. Deshalb habe man den Fernseher hinter den Gardinen versteckt. Telefone suchen die Gäste hier vergeblich. Die Kommunikation geschieht via Tablet. „Damit können die Besucher telefonieren, sich über eventuelle Tagungen informieren und den persönlichen Stadtrundgang planen“, erklärt Knobloch. Nur Internet funktioniert mit dem Tablet nicht – wegen des Datenschutzes. Doch Wlan gibt es im ganzen Haus. Eingecheckt wird über eine App, ein OR-Code ermöglicht den Zutritt in die Zimmer. Den klassischen Check-In an der Rezeption samt Schlüsselkarte gibt es aber auch noch.

Bunt und mit Penck’schen Kunstwerken an der Wand erstrahlen die ersten fertigen Etagen. Quelle: Dietrich Flechtner

Im Sommer soll alles fertig sein

Zurück im Foyer angekommen mischen sich aufgeregte junge Menschen mit Kleidersäcken unter die Handwerker. Es ist Tag des Semperopernballes, der dem Penck-Hotels in den umsatzschwachen Monaten ein volles Haus beschert. Die Rezeption hat sich provisorisch am Hintereingang eingerichtet, denn vorn in der Lobby sind die Mitarbeiter der Berliner Tischlerei Dieken am Werk. Bis Dienstag wollen sie hier fertig sein. Direktor Knobloch hofft, dass bis Juni alles fertig ist und auch alle Werke von A.R. Penck wieder einen Platz gefunden haben. Bis es soweit ist, lassen sich in der integrierten 600 Quadratmeter großen Kunsthalle die Werke der südkoreanischen Künstlerin Heryun Kim bestaunen. Und natürlich auch der berühmte Penck´sche„Pimmelmann“ auf dem Dach des Hauses.

Ausstellung Heryun Kim: „German Forest – Sound of Silence“, bis 1. Mai, Kunsthalle Dresden im Penck-Hotel, Eintritt frei

Von Lisa-Marie Leuteritz

12.02.2019
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