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Lokales Das Adventhaus Dresden-Striesen wird barrierefrei und öffnet sich
Dresden Lokales Das Adventhaus Dresden-Striesen wird barrierefrei und öffnet sich
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19:00 17.03.2018
Gemeindeleiter Gerald Hoffmann vor dem Adventhaus auf der Haydnstraße in Dresden, das umgebaut werden soll. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Viel Arbeit der Mitglieder steckt hier drin. Gerald Hoffmann steht im Saal der evangelischen Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Der 46-Jährige ist ehrenamtlicher Gemeindeleiter. Er deutet auf Buntglasfenster, Fußboden, Decken und holzvertäfelte Wände. „Vorrangig unsere eigenen Leute haben damals hier gebaut“, erzählt er. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele Hände gebraucht, ehe 1950 das Adventhaus an der Haydnstraße wieder eröffnet werden konnte.

Die Treppe war jahrzehntelang kein Problem

Vor der Zerstörung des Gebäudes 1945 waren Friedensauer Schwestern hier untergebracht. Das ist eine Gemeinschaft, die 1901 gegründet wurde und nach dem Vorbild der evangelischen Diakonissen Kranke betreute. Sie waren ein Element einer umfassenden Gesundheitsbewegung, die charakteristisch für die Adventisten ist. „Dieses soziale Engagement war ein Schwerpunkt unserer Arbeit“, erzählt Gerald Hoffmann. „Erst musste man die Menschen körperlich wiederherstellen, bevor man sich um deren seelisches Wohl kümmern konnte.“

In dem zweistöckigen Gebäude befindet sich der Gemeindesaal in der oberen Etage. Das hatte rein praktische Gründe, wie Gerald Hoffmann erzählt. Im Erdgeschoss konnten sie damals Wohnungen und einzelne Verwaltungsräume einrichten. „Genügend geschlossene Fläche für einen großen Saal gab es nur im Obergeschoss. Das war damals die effizienteste und kostengünstigste Variante.“ Hinauf gelangten die Gottesdienstbesucher über die Treppe. Jahrzehntelang war das kein Problem. „Aber nun haben wir immer mehr ältere Gemeindemitglieder.“ Gehbehinderte kommen nur noch mit fremder Hilfe hinauf. „Deshalb brauchen wir jetzt einen Aufzug.“

Die kleine Gemeinde muss viel Geld aufbringen

Eingebaut werden soll er ins Innere des Hauses, auf der Rückseite. Das zieht eine ganze Kette an Umbauten nach sich. Im Keller wollen sie eine größere Küche einrichten. An die Stelle der jetzigen kleineren Küche soll eine behindertengerechte Toilette kommen. Die Jugendlichen der Gemeinde müssen ihren Raum neu gestalten.

In der Seitenwand oben ist schon ein Durchbruch geschaffen worden, draußen im Erdboden sind flache Gräben ausgehoben. „An dieser Stelle wird die Rettungstreppe angebaut, eine Stahlkonstruktion.“ Das verlangt der Brandschutz. Etwa 68.000 Euro kostet das, zusätzlich zu den rund 100.000 Euro für den Aufzug.

Eine nicht gerade kleine Summe für eine Gemeinde, die nur rund 190 getaufte Mitglieder hat. Aber Gerald Hoffmann ist zuversichtlich, dass sie das schaffen. Schließlich sind sie eine Gemeinschaft hoch Engagierter; eine „große Familie“ mehrerer Generationen, wie Pastor Simon Krautschick sagt. Vieles vom Gemeindeleben gestalten die Mitglieder selbstständig. Nach anderthalb Jahren haben sie fast 47.000 Euro an Spenden gesammelt.

Außerdem hat ihnen die Stadt gerade Fördermittel zugesagt. Damit können sie auch auf Zuschüsse des Freistaates hoffen.

Adventisten Dresden

Benefizkonzert: mit Liedermacher Andreas Richter aus Dresden, Jahrgang 1949, am Sonnabend, 17. März, 19.30 Uhr, Adventhaus, Haydnstraße 16 unter dem Motto „Lieder, die uns bewegen“

Geschichte: 1863 gegründet in den USA; 1889 deutsche Advent-Mission von Hamburg aus; 1899 Eröffnung der „Missions- und Industrieschule Friedensau“ bei Magdeburg (1990 Theologische Hochschule); 1901 erste Adventgemeinde in Dresden; heute zwei Gemeinden – in Striesen (Haydnstr. 16) und in Löbtau (Poststr. 13)

Prinzipien: Heiligung des Sabbats (Sonnabend); Erwachsenentaufe als individueller Bekenntnisakt; Glaube an Wiederkehr von Jesus Christus; Speise- und Lebensvorschriften (u.a. Verzicht auf Schweinefleisch, Alkohol, Tabak)

Ganzheitlichkeit: angestrebt wird Zusammenspiel von Körper, Geist, Seele, Beziehungsfähigkeit; wichtig sind Gesundheit, Wohlbefinden, Beziehungen untereinander, innerer Frieden mit Gott

Projekte: zur Stärkung der Ehe; Bewegungsangebote (Gymnastik, Wanderung, Sportfest); „Lebensschule“ zu psycho-sozialem Wohlbefinden mit Thema „Frieden schließen mit meiner Vergangenheit“, nächster Abend 28. März, 19 Uhr (Umgang mit Schamgefühlen)

Kontakt: Pastor Simon Krautschick, Tel. 035243 / 464196, Mobil: 0160-97996537, E-Mail simon.krautschick@adventisten.de

Internet: www.adventhaus-dresden.de

Gottesdienste am Sonnabend

Umbauen will die Gemeinde nicht nur für sich. „Ein barrierefreies Adventhaus ist für uns mehr als nur der Bau des neuen Aufzuges.“ Gerald Hoffmann zeigt auf ein Plakat. „Brücken statt Mauern - barrierefrei von Kopf bis Fuß“ steht darauf vor dem Hintergrund eines Fotos der Basteibrücke zwischen den Felsen der Sächsischen Schweiz. Die Adventisten verstehen das in umfassenderem Sinn: Es geht ihnen auch darum, sich nach außen zu öffnen. „Wir wollen jegliche Barrieren beseitigen für Menschen auf der Suche nach Religiosität. Unsere Gemeinde will keine in sich abgeschottete Zelle sein. Unser Haus soll künftig mehr Bedeutung für das Stadtviertel bekommen.“

Ohnehin wird es schon einige Zeit nicht nur für die Gottesdienste genutzt. Gefeiert werden die immer am Sonnabend - eine Besonderheit der Adventisten: Im Unterschied zu den anderen christlichen Konfessionen mit ihren Sonntagsgottesdiensten orientieren sie sich, was den Feiertag anbelangt, am jüdischen Sabbat.

Einige Räume sind vermietet

Außerdem lädt die Gemeinde Eltern mit Kindern einmal im Monat zu einem Café ein. Für Kindersachen gibt es eine Tauschbörse. Zudem sammeln sie gebrauchte Kleidung für Flüchtlinge und Menschen in Weißrussland. Demnächst wollen sie im Hof einen Kleidercontainer aufstellen.

Einige Räume haben sie vermietet. An eine private Musikschule zum Beispiel und an eine Gymnastikgruppe. Ein spezielles Angebot der Gemeine für alle Interessierten ist die „Lebensschule“, ein mehrmonatiger Kurs, diesmal zum Thema „Frieden schließen mit meiner Vergangenheit“. Die Teilnehmer sollen bei Pastor Krautschick Prägungen aus der Kindheit in der Familie verstehen lernen und auf diese Weise Blockierungen und verhängnisvolle Weichenstellungen überwinden. Vielleicht findet mancher während des Kurses Zugang. Möglichkeiten böten sich eine Menge, sagt Simon Krautschick. „Die Gemeinde lässt viel Raum, dass jeder nach seinen Vorstellungen und Gaben mitgestalten kann.“

Von Tomas Gärtner

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