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Lokales DVB modernisieren Betriebshof Trachenberge – mit Bahnports, Nistkästen und Bienen
Dresden Lokales DVB modernisieren Betriebshof Trachenberge – mit Bahnports, Nistkästen und Bienen
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14:50 26.03.2019
Wo vorher 55 Straßenbahnen bei Wind und Wetter im Freien standen, geben nun zwei Bahnports Schutz. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Zwei Bahnports, 987 Solarmodule, 33 Nistkästen für Vögel und zwei Bienenstöcke. So liest sich die Zutatenliste für den Umbau des DVB-Betriebshofs Trachenberge. Dort haben die Dresdner Verkehrsbetriebe seit März 2018 rund 22,5 Millionen Euro für den ersten größeren Umbau seit 1990 ausgegeben. „Ende März werden unsere Bahnports fertig, in drei Wochen ist dann die Photovoltaikanlage fertig und das Dach begrünt“, sagt Bauleiter Steffen Lohmann. Im August sollen alle Restarbeiten erledigt sein.

Sand aus dem Schlauch statt im Eimer

Doch schon jetzt sieht man, dass sich der Betriebshof, der zweitgrößte in Dresden, stark gewandelt hat. Wo früher etwa 55 Straßenbahnen bei Wind und Wetter im Freien standen, gibt es jetzt zwei schützende Dächer. Eine komplette Halle ist es aus Kostengründen nicht geworden, aber die benachbarten Dächer sorgen für genügend Schutz, um die nächtlichen Reinigungs- und Wartungsarbeiten an den Bahnen um einiges zu erleichtern. Dafür sind auch eine Reihe von technischen Besonderheiten verantwortlich.

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So wird der Fahrdraht in der Halle in einer Stromschiene geführt, was beim gleichzeitigen Vorheizen vieler Fahrzeuge im Winter das Durchglühen der Oberleitung verhindern soll. Der Sand für die Bremsanlagen der Trams kommt künftig per Schlauch aus einem gelben Siloturm. Bisher mussten ihn Service-Mitarbeiter per Eimer zu jeder Straßenbahn tragen.

Der Ausbau war für Bauleiter Lohmann etwas Besonderes. „Hier musste auf engem Raum bei vollem Betrieb gearbeitet werden“, sagt er. Oft genug war Zeitverzug – eine Plage der Baubranche – schlicht keine Option, weil das schlimmstenfalls den Ausfall von Fahrleistungen bedeutet hätte. Und so mussten beispielsweise 30 bis 40 Tonnen schwere Dachträgerteile, die nachts über die nahe Autobahn angeliefert wurden, millimetergenau neben den abgestellten Straßenbahnen über den Betriebshof bugsiert werden, durfte Stunden später kein Gerät oder Baustoff mehr im Weg sein und ein Ausrücken der Bahnen verhindern.

Was machen die Bienen bei der Bimmel?

Derzeit ist ein Kran damit beschäftigt, Substrat auf das zusammenhängende Dach der zwei Hallen zu heben. Dort haben Arbeiter in etwa die Hälfte der 5500 Quadratmeter Solarmodule installiert. Es handelt sich übrigens um Dresdner Fabrikate aus dem Hause Solarwatt „Hier ist alles hiesiger Anbau“, frotzelt Lohmann deswegen, zumal der Rest des 7800 Quadratmeter großen Dachs begrünt wird. Eine Spitzenleistung von 300 Watt Strom produzieren die Module auf dem Dach. Gemeinsam mit dem bestehenden Blockheizkraftwerk genügt diese Leistung, um den gesamten Betriebshof Trachenberge mitsamt den Gebäuden für Werkstatt, Verwaltung und Museum mit Strom zu versorgen. „Überschüsse werden nach Freigabe durch die Drewag ins Netz eingespeist“, sagt Lohmann.

33 Nistkästen sind auf dem Gelände verteilt. Quelle: Dietrich Flechtner

Die Verkehrsbetriebe wollten bei den Umbauten einen grünen Fußabdruck hinterlassen, betont der Bauleiter. Deswegen auch die 33 auf dem Betriebsgelände verteilten Nistkästen, von denen drei speziell für den Hausrotschwanz und der Rest für Sperlinge, Meisen und andere kleine Singvögel vorgesehen sind. Sie dienen als Ersatz für ein zu Beginn des Umbaus abgerissenes Werkstattgebäude, in dem sich eine Sperlingskolonie eingenistet hatte. Außerdem sollen ab dem Sommer zwei Bienenstöcke auf dem Betriebshof einziehen. Was machen die Bienen bei der Bimmel? „Ein Teamleiter des Fahrdienstes hatte das vorgeschlagen und wird sich ehrenamtlich um die Bienenvölker kümmern“, sagt DVB-Sprecher Falk Lösch. Man sei gespannt, was die Immen so alles zusammentragen werden – im Umfeld gibt es viele Kleingärten.

Dort wird so mancher Schrebergärtner nun froh sein, dass nach einem Jahr Bautrubel beim großen Nachbar pünktlich zu Ostern nun alles in geregelten Bahnen läuft. Wobei man bei den DVB noch weitere Ausbaupläne hegt. So muss das alte Dispatcherhäuschen dringend erneuert werden. Ob durch eine Sanierung oder einen Abriss mit Neubau ist noch offen. Ebenso sollen später Busports für die 35 zum Betriebshof gehörenden Busse errichtet werden. Auch ein Verschließen der Kalthallen ist eine Vision. Zuvor werden wahrscheinlich noch fünf neue Abstellgleise gebaut – da eine Kapazitätserweiterung durch die neuen Stadtbahnwagen und die stets steigenden Fahrgastzahlen absehbar ist, hat man dafür schon einmal die Oberleitung hinter dem Wertstattbau gezogen. Dort würden die Bahnen dann allerdings wieder im Freien stehen.

Von Uwe Hofmann

26.03.2019
26.03.2019