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Lokales DVB fordern mehr und schnellere Investitionen ins Streckennetz
Dresden Lokales DVB fordern mehr und schnellere Investitionen ins Streckennetz
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17:16 07.02.2019
39 110 Menschen steigen werktags am Postplatz ein und aus.
39 110 Menschen steigen werktags am Postplatz ein und aus. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

163,3 Millionen Fahrgäste und damit so viele wie noch nie sind 2018 in Fahrzeuge der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) eingestiegen. So, wie die Stadt wächst, legt auch der ÖPNV zu, sagt DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach. Trotzdem macht man sich bei den Verkehrsbetrieben Sorgen: Die Infrastruktur hinkt hinterher. „Wir brauchen Ausbau, Ausbau, Ausbau“, sagt Hemmersbach.

Das sind die Zahlen

Um drei Millionen Fahrgäste haben die Verkehrsbetriebe in den letzten Jahren jeweils zugelegt – ein enormer Zuwachs. „Wir rechnen damit, in einigen Jahren 170 Millionen Fahrgäste zu erreichen“, sagt Hemmersbach. Schon 2023 könnte es soweit sein. Das Wachstum sei ein nachhaltiger Trend. Das habe zum einen damit zu tun, dass viele Neudresdner ÖPNV-affin sind, also in die Großstadt ziehen, weil dort der Nahverkehr im dichten Takt rollt. Zudem binden sich 80 Prozent der DVB-Kunden langfristig: Knapp 155 000 Zeitkarten geben die Verkehrsbetriebe inzwischen aus, davon die meisten als Abo-Karten (100 907), aber auch als Semestertickets (35 802) und Jobtickets (17 976). Bei den Verkehrsbetrieben geht man davon aus, dass diese Dauernutzer auch weiter in Bus und Bahn steigen.

Das ist die Herausforderung

„Der Nahverkehr muss komfortabel und attraktiv sein“, sagt Hemmersbach. Was er damit nicht meint: stark verbilligte oder kostenlose Tickets. „Wir gewinnen doch durch unsere zielgruppenorientierte Preisgestaltung viele neue Kunden“, sagt Hemmersbach mit Verweis auf die jährlichen Rekorde. Was er damit meint: Die Preise für eine Monatskarte variieren vom regulären Preis von 61,50 Euro über die Kosten im Abo (51,90 Euro) bis zum Abo mit Dresden-Pass (29,95 Euro). Wenn man dagegen eine pauschale Jahreskarte für 365 Euro einführt, müsste jeder 30,42 Euro im Monat zahlen. Hemmersbach hält das für „plattfüßig“. „Nicht der Preis, sondern das Angebot sind das Thema“, begründet er. Und wenn man ein attraktives Angebot schaffen wolle, brauche man dafür auch die finanzielle Ausstattung.

Das ist das Problem

Momentan sind Gelder da. Die DVB haben Eigenmittel für Investitionen, die Fördertöpfe für Infrastrukturprojekte sind laut Hemmersbach prall gefüllt. Trotzdem geht ihm im Streckennetz zu wenig voran. Der Grund: „Uns fehlt der Vorlauf bei Infrastrukturprojekten“, sagt der DVB-Vorstand. Es sei ein deutschlandweites Problem, dass Planungen zu kompliziert seien und zu lange dauern. „Da muss man in Berlin nachsteuern“, sagt Hemmersbach. Doch auch Dresden hat so seine Probleme. So hat es an der Königsbrücker Straße ungezählte Umplanungen gegeben, ehe das dringend benötigte Ausbauprojekt vom Stadtrat beschlossen wurde. Kritisch beäugt man bei den DVB deshalb auch Pläne von CDU und FDP, den 2016 beschlossenen Ausbau des Zelleschen Weges noch einmal zu verändern. „Wir plädieren für den Erhalt der jetzt geltenden Lösung“, sagt deshalb DVB-Marketingleiter Martin Gawalek. Und auch für den Beibehalt der Lenkungsgruppen zum Bau der Königsbrücker Straße und zum Stadtbahn-2020-Projekt werben die DVB. Auch sie sollen sich nach dem Willen bürgerlicher Stadtratsfraktionen zugunsten des Bauausschusses auflösen. „Dabei kann jedes Bauausschussmitglied in den Gruppen mitwirken. Und anders als der Ausschuss tagen die Steuerungsgruppen öffentlich“, zeigt Hemmersbach für dieses Ansinnen wenig Verständnis.

Dort muss investiert werden

Momentan laufen an Kesselsdorfer Straße und Oskarstraße die Arbeiten an der Campuslinie. Für die DVB ist wichtig, dass es dann an Königsbrücker und Kesselsdorfer Straße weitergeht. Denn dort verkehrt die Linie 7, die mit 51 500 Fahrgästen die am meisten genutzte Linie in Dresden ist. Damit dort die neuen und breiteren, ab 2022 erwarteten Stadtbahnwagen fahren können, müssen große Teile der Strecke noch ausgebaut werden. Bei den DVB rechnet man nicht damit, dass das rechtzeitig gelingt, weshalb das Unternehmen sich Gedanken über einen regulären Verstärkerverkehr auf der Linie zwischen Gorbitz und Bischofsweg macht. Das könnte ab 2023 geschehen, zuvor sollen schon auf den Linien 4, 6, 10, 12 und 13 mehr 45 Meter lange Bahnen und einzelne Verstärker zum Einsatz kommen.

„Vieles können wir auch im Busverkehr verbessern“, sagt Marketingmann Gawalek. So werden die Buslinien 75 und 94 in diesem Jahr verbunden und ab 2020 als neue Premiumbuslinie 68 im Zehn-Minuten-Takt betrieben. 2021 sind Taktverdichtungen auf der Linie 64 geplant. Und auch über weitere neue Buslinien wird nachgedacht. Auch hier hakt es aber an der Infrastruktur. Damit die Linie 65 über die Augsburger Straße verlängert werden kann, muss diese Straße für den Busverkehr ausgebaut werden. Ebenso ist eine neue Linie 67 geplant, die den Elbepark und Reick quer durch den Dresdner Südwesten verbindet. Dafür müssen jedoch noch eine Busschleuse an der Zschertnitzer Straße und eine Verbindung von Naußlitz nach Wölfnitz entstehen. Die Linien 65, 67 und 68 haben laut DVB nach Verwirklichung das Potential, fünf Millionen im Jahr neue Fahrgäste zu gewinnen. Und damit schließt sich der Kreis: Mehr Angebot bedingt mehr Fahrgäste und andersherum.

Von Uwe Hofmann