Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales DVB-Vorstand: Niedrige Parkgebühren sind ein Nachteil für den Nahverkehr
Dresden Lokales DVB-Vorstand: Niedrige Parkgebühren sind ein Nachteil für den Nahverkehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:15 22.03.2019
Am Pirnaischen Platz gibt es Dresdens ersten Mobilitätspunkt. Weitere sollen in diesem Jahr eingerichtet werden. Quelle: Foto: Dietrich Flechtner
Anzeige
Dresden

Beifall in Brüssel, Gemotze in Dresden. In der belgischen Metropole besuchte ein Tross um Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) das Finale des „Europäischen Preises für nachhaltige Mobilität“. Gleichzeitig herrscht im knapp 660 Kilometer entfernten Rathaus Dresden dicke Luft. Dort wettern vor allem Stadträte der FDP-Fraktion und der Bürgerfraktion über „vier Jahre verfehlte Verkehrspolitik“, wie sie das Thema der Aktuellen Stunde im Stadtrat benannt haben. Sie lassen dabei kein gutes Blatt an dem, was Experten auf EU-Ebene überzeugt hat.

DVB-Vorstand Andreas Hemmersbach Quelle: Dietrich Flechtner

So sei das Stadtbahn-2020-Projekt gescheitert, habe es an der Oskarstraße an Bürgerbeteiligung gefehlt und an der sanierungsfälligen Nossener Brücke an planerischer Weitsicht. Der Ausbau der Königsbrücker Straße komme nicht voran und der der Kesselsdorfer Straße auch kaum. Pläne zum Ausbau des Zelleschen Weges, des Verkehrszugs Gerok- und Blasewitzer Straße sowie der Albertstraße kritisiert FDP-Fraktionsvorsitzender Holger Zastrow als „Straßenrückbau“, obwohl sich die Straßenbreiten dort kaum verändern.

Anzeige

Autofahrer reisen im Schnitt mit 26,1 km/h

„Von verfehlter Verkehrspolitik kann doch gar keine Rede sein“, sagt Andreas Hemmersbach, Vorstand der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Er wundert sich über die Debatte, weil die Fakten eine ganz andere Sprache sprechen.

So suche die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit mit dem Auto auf Dresdens Straßen mit 26,1 Stundenkilometern ihresgleichen und sei seit Jahren kaum verändert. „Dabei leben wir in einer wachsenden Stadt, in der mehr Autos angemeldet werden.“ Dass der Öffentliche Nahverkehr ebenfalls den Vergleich nicht scheuen müsse, zeigten Spitzenplätze beim ÖPNV-Kundenbarometer für DVB und Verkehrsverbund Oberelbe sowie jährlich fallende Fahrgastrekorde bei den Verkehrsbetrieben.

Dennoch scheint die Verkehrsentwicklung, und vor allem die Kritik daran, ein Thema des Kommunalwahlkampfes zu sein. „Das ist legitim, weil viele Menschen betroffen sind und es sich um ein Zukunftsthema handelt“, sagt Hemmersbach. Er werbe jedoch um eine sachliche Debatte. „Uns muss klar sein, dass es ohne Kompromisse nicht geht. Wenn jeder auf seinem Standpunkt beharrt, kommen wir nicht voran.“ Als Beispiel dürfen die Pläne für Radwege an der Albertstraße gelten, die nach einem kuriosen Eiertanz zwischen Stadtrat und Verwaltung gescheitert sind.

Eine Stunde Parken ist günstiger als eine Bahnfahrt

„Das einzige, was wir uns wirklich vorwerfen müssen, ist dass die Ausbauvorhaben zu lange auf sich warten lassen“, sagt der DVB-Vorstand. Das habe vor allem mit aufwendigen Planverfahren zu tun. Und eben der schwierigen Kompromissfindung. Beispiel Gerokstraße. Dort sind inzwischen Verkehrsberechnungen für die Kreuzung mit der Hans-Grundig-Straße bekannt geworden, die nach dem Ausbau für alle Verkehrsteilnehmer – Fußgänger, Autofahrer und den Nahverkehr – längere Wartezeiten und damit schlechtere Bedingungen prognostizieren.

Das liegt jedoch in erster Linie nicht am Ausbauvorhaben, sondern schlicht an einer beachtlichen Zunahme der Verkehrsmenge. Auf der Gerokstraße soll die Zahl der Autos pro Stunde teils um das Siebenfache steigen.

Das ist eine Folge der Stadtverdichtung. Sie vor allem zwinge zu einer Verkehrspolitik, die sich von einer Fixierung auf das Auto lösen müsse. „Wir haben bald 600.000 Einwohner, aber es stehen nicht mehr Fläche für Verkehr zur Verfügung“, sagt Hemmersbach. Abhilfe könne einerseits eine Stärkung des Nahverkehrs bringen, der am wenigsten der Ressource Platz verbrauche. Insofern sei es vor allem verfehlte Verkehrspolitik, dass eine Stunde mit dem Auto parken billiger zu haben sei als eine Stunde mit der Straßenbahn fahren.

Der MOBI-Punkt Quelle: Dietrich Flechtner

„Die Parkgebühren haben sich seit zehn Jahren nicht geändert, das ist für den Nahverkehr ein großer Wettbewerbsnachteil. Andererseits gehe es um eine schlaue Vernetzung des Nahverkehrs mit anderen Verkehrsformen. „Genau das wollen wir mit den Mobilitätspunkten erreichen. Dass das funktioniert, wird man sehen, wenn es erst mehrere davon gibt“, sagt Hemmersbach. Europäischen Fachleuten war das schon jetzt ein Preis wert.

Von Uwe Hofmann