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Lokales „DREWAG und ENSO sollten fusionieren“
Dresden Lokales „DREWAG und ENSO sollten fusionieren“
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18:15 15.12.2017
Das Heizkraftwerk Nossener Brücke gehört der DREWAG.  Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

 Geschäftsführer der Dresdner Stadtwerke (DREWAG), des Stadtkonzerns Technische Werke Dresden, des Energieverbundes Dresden und Vorstand der ENSO – Reinhard Richter steht an der Spitze von drei kommunalen Versorgungsunternehmen und eines kommunalen Firmengeflechts. Ende des Jahres geht er in den Ruhestand. Im DNN-Interview spricht er über die Ausrichtung der Unternehmen und seine Hoffnung auf eine Fusion von DREWAG und ENSO.

Frage: Sie sind seit 20 Jahren in Dresden tätig. Was haben Sie vorgefunden, als Sie hier begonnen haben?

Wünscht sich die Fusion von DREWAG und ENSO: Reinhard Richter. Quelle: Dietrich Flechtner

Exzellente Experten, engagierte Mitarbeiter. Die DREWAG war gerade entstanden und im Unternehmen herrschte Aufbruchstimmung, getragen von einer hohen Eigenständigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter. Diese fachliche Eigenständigkeit stellte schnell auch die Notwendigkeit einer strategischen Partnerschaft in Frage. Bei der Rekommunalisierung der DREWAG und der Übernahme der ENSO hat sich das bestätigt. Der neue Energieverbund hat eine vernünftige kritische Größe, nicht zu groß um träge zu sein und nicht zu klein, um die Fülle der Anforderungen zu bewältigen.

Warum haben Sie sich so sehr für den Rückkauf der Drewag-Anteile durch die Landeshauptstadt eingesetzt?

Das war für mich eine Konsequenz der erzwungenen Privatisierung in den 1990er Jahren. Diese war ja nicht freiwillig zustande gekommen. Sonst hätte die Stadt die Anteile vielleicht gar nicht veräußert. Die Verträge sahen die Möglichkeit eines Rückkaufs nach 20 Jahren vor. Für mich war von Anfang an klar: Diese Option muss gezogen werden.

Wie haben Sie die Zweifler überzeugt?

Es gab ordnungspolitische Bedenken. Der Markt wird es schon richten, war eine weit verbreitete Haltung. Für den Markt waren wir aber nur die verlängerte Werkbank. Unser schlagendes Argument dagegen war, wir brauchen hier Konzernzentralen und wenn wir keine Konzernzentralen nach Dresden holen können, müssen wir eben selbst einen Konzern bilden. So bleiben Wertschöpfung, Wertsteigerung und auch die Steuern in der Stadt. Selbst für die Finanzierung benötigten wir keinen Bankenmetropole. Wir haben die erste große Unternehmensfinanzierung mit der Ostsächsischen Sparkasse gemacht. So bleiben auch die Zinsen in der Region.

Welche Vorteile hat die Stadt von ihren kommunalen Stadtwerken?

Das liegt klar auf der Hand, einen verlässlichen Partner für die gesamte stabile Versorgung mit Wasser, Strom, Gas und Wärme sowie einen wichtigen Akteur für die Umsetzung der kommunalen Klimaschutzziele. Außerdem sind wir ein wichtiger Arbeitgeber, es werden keine Tätigkeiten abgezogen. Wenn zum Beispiel die Computertechnik und IT-Betreuung in eine Konzernzentrale jenseits von Sachsen verlagert würden, dann gingen auch die hochqualifizierten Ingenieure. Unser Sponsoring erfolgt logischerweise auch hier.

Wie überstehen DREWAG und ENSO die Energiewende?

Mit ruhiger Hand. Das Grundgeschäft läuft schon noch. Aber ich appelliere an die Politik, Veränderungen in vernünftigen Zeitabständen durchzusetzen. Wir haben ein Gesetz noch gar nicht umgesetzt, da werden schon die nächsten drei beschlossen. Das ist teilweise grotesk.

Wie schafft es ein Energieversorger in diesen Zeiten, Gewinne zu erwirtschaften?

Service und Qualität werden von den Kunden geschätzt. Besondere Effekte können wir erzielen, da wir exzellente Ingenieure haben, die am Puls der Zeit sind und alle Optionen ausloten. Von dieser Expertise haben wir wirklich profitiert. Wir sind nah am Markt, bestens vernetzt in der Branche und haben einen sensiblen Radar für sich öffnende Fördermöglichkeiten, um Investitionen einordnen zu können. Wenn wir da ein paar Programme verschlafen hätten, wäre es nicht so gut gelaufen. Wir sind kritisch wertkonservativ unterwegs und wissen, was wir können. Wir haben zum Beispiel Cross-Border-Geschäfte nicht ausgereizt bis 100 Prozent, auch wenn die Versuchung groß war. Auf bestimmte Züge sind wir nicht aufgesprungen. Mit unserem Motto „Solide machen und Kurs halten“ sind wir gut gefahren.

Gibt es eigentlich in den Technischen Werken eine Art Konzernbewusstsein bei den verschiedenen Mitarbeitern?

Ich denke schon, auch wenn wir großen Wert auf die Eigenständigkeit der Sparten legen. Die Verkehrsbetriebe sind die Verkehrsbetriebe, die Stadtreinigung ist die Stadtreinigung und die Energieversorger sind die Energieversorger, wobei DREWAG und ENSO am engsten kooperieren. Das ist für die Mitarbeiter und auch die Kunden wichtig.

Wird es dauerhaft funktionieren, dass der Energieversorger DREWAG mit seinen Gewinnen die Verluste des Öffentlichen Personennahverkehrs ausgleicht?

Ja. Wir finanzieren im TWD-Konzern nicht nur die Verkehrsbetriebe, sondern auch die städtischen Bäder. Darauf sind wir sehr stolz. Wir schreiben eine Erfolgsgeschichte, die dem Konzern guttut. Der GESO-Erwerb hat sich schon ausgezahlt.

Mit dem Kraftwerk Mitte haben Sie ein ganzes Stadtviertel entwickelt. Ist das nicht etwas ungewöhnlich für einen Energieversorger?

Wir besitzen schon eine Menge Liegenschaften. Da gehört Liegenschaftsmanagement dazu. Beim Kraftwerk standen wir vor der Frage, ob wir es verkaufen oder ob wir es selbst machen. Ein Verkauf hätte eine kleinteilige Entwicklung mit vielen Eigentümern bedeutet. Ich denke, die Entscheidung für eine einheitliche Entwicklung war richtig.

Aus der Kreativwirtschaft ist zu vernehmen, Sie hätten zu wenig bezahlbare Bürofläche im Kraftwerk geschaffen. Ärgern Sie die Vorwürfe?

Das ist das Leben. Man kann es nicht allen recht machen. Wir haben aber auch Kreativwirtschaft im Kraftwerk. Der kulturelle Mix entspricht genau dem, was wir gemeinsam mit der Stadt wollten und mit der Puppentheatersammlung konnten wir nun den letzten wesentlichen Puzzlestein legen. Aber ich gebe unumwunden zu: Mit ein paar Interessenten sind wir in den Verhandlungen auch gescheitert.

Sie haben das ENSO-Gebäude am Hauptbahnhof erworben. Wann kommt der Anbau?

Wir denken, dass wir Ende nächsten Jahres die Investitionsentscheidung treffen. Dann geht das Vorhaben in die Planung und könnte 2020 oder 2021 fertiggestellt werden.

Gibt es etwas, das Sie gerne zu Ende gebracht hätten?

Ja, der Erwerb der Anteile an DREWAG und ENSO muss mit einer Fusion von DREWAG und ENSO abgerundet werden. Dafür habe ich mich stark engagiert. Unternehmensintern haben wir die Fusion mit einer intensiven Kooperation bestens vorbereitet. Jetzt sind wir aktuell an einem Punkt, an dem der nächste Entwicklungsschritt in Form einer gesellschaftsrechtlichen Fusion vollzogen werden könnte. Ein wichtiges Standbein für die Fusion ist die Belegschaft und diese spielt sogar eine Vorreiterrolle. Wir wählen im nächsten Jahr – und das ist eine kleine Revolution – erstmals einen gemeinsamen Betriebsrat für DREWAG und ENSO.

Welche Hürden muss die Fusion nehmen?

Wir müssen eine Koalition der Anteilseigner schmieden und an anderer Stelle sehen wir, dass das dauern kann. Die größte Barriere ist der gerichtliche Streit um die Zerlegung der ENSO-Gewerbesteuer zwischen Dresden und dem Finanzamt, wodurch die an der ENSO beteiligten Kommunen betroffen sind. Ohne ein Streitende und ohne eine strukturierte Zerlegung der Gewerbesteuer wird es die Fusion nicht geben. In der Vergangenheit ist mit der Klage leider auch Porzellan in der Region zerschlagen worden. Es ist erforderlich, eine Vertrauensbasis zu finden. Der Rest ist regelbar.

Glauben Sie, dass sich das kitten lässt?

Ich glaube, dass die Vorteile einer Fusion überzeugend sind.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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