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Lokales DNN-Polizeiserie: Schießen will gelernt sein – so trainieren Dresdens Polizeibeamte
Dresden Lokales DNN-Polizeiserie: Schießen will gelernt sein – so trainieren Dresdens Polizeibeamte
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16:07 03.10.2019
Bis zu vier Beamte können auf der längsten Bahn der Raumschießanlage üben. Im Bild stehen sie nur drei Meter vom Ziel entfernt. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

„Fünf, fünf, drei – Übung frei” ruft Trainer Andreas Scholz. Zwei Polizisten visieren mit ihren Handfeuerwaffen fünf Zielscheiben an, die ein Beamer drei Meter vor ihnen an die Wand projiziert. Schüsse fallen – zwei unten, einer in die Mitte. Hülsen fliegen, die Druckwellen sind an den Hosenbeinen spürbar. Kopfhörer dämpfen das Schussgeräusch auf ein erträgliches Maß. „Dienstende“, ruft der Trainer.

Die Schützen sichern und entladen ihre Waffen. Andreas Scholz kontrolliert alles. Der 61-Jährige verströmt in seiner schwarzen Montur trotz leiser Stimme und ruhigen Gesten Autorität. Im Supermarkt aber käme wohl niemand auf die Idee, in dem älteren Herren den hauptverantwortlichen Schießtrainer der Polizei Dresden auszumachen.

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Wie werde ich Polizeitrainer?

Ausbildung im Polizeidienst, anschließend Fortbildung zum:

1. Schießtrainer

2. Einsatztrainer – beides wird häufig gebündelt

3. Ausbildung zum Polizeitrainer

Gearbeitet wird nebenamtlich oder hauptamtlich. Der Trend geht aber zur Hauptamtlichkeit.

An diesem Freitagmorgen leitet Andreas Scholz vier Kollegen vom Fachdienst Einsatzzüge – sie kommen bei Großveranstaltungen wie Fußballspielen oder Demonstrationen zum Einsatz – beim Training in der Raumschießanlage (RSA) an der Stauffenbergallee an.

Bloß nicht auf die Waden des Kollegen zielen

Geübt wird beispielsweise der Checkdrill. Dabei arbeiten die Beamten in Zweierteams hinter einer Deckung. Ein Polizist schaut an der Deckung vorbei nach vorn in Richtung Täter, der Zweite steht Rücken an Rücken und sichert nach hinten. Hat der vordere Polizist geschossen und die Lage ist ruhig, kommt der taktische oder reaktive Magazinwechsel.

„Kein Mensch zählt im Stress mit, wie oft er geschossen hat. Deshalb wird das Magazin gewechselt, wenn gerade Zeit bleibt, auch wenn es noch nicht leer ist“, erläutert Scholz den Sinn. Mit „Check“ gibt der Vordermann das Signal. Der Hintermann übernimmt die Stellung, während der vordere Kollege nun nach hinten sichert und dabei nachlädt. Immer wieder dreht sich das Zweierteam in der Raumschussanlage im Kreis. Einer feuert auf die Zielfigur, die auf der Leinwand erscheint und wieder verschwindet, der andere lädt nach.

So üben die Beamten in Dresden

Beim Schießtraining der Dresdner Polizei

Andreas Scholz beobachtet genau, weist auf Fehler hin, korrigiert etwa die Haltung einer Maschinenpistole. Zeigt die Mündung nach unten, zielt der Hintermann beim Checkdrill-Stellungswechsel schnell mal unbeabsichtigt auf die Wade des Kollegen. Dabei duzen sich alle, die Atmosphäre ist entspannt. „Schießen bedeutet schon Konzentration und sich diszipliniert an der Waffe zu bewegen. Doch wer zum Schießtraining kommen muss, soll das auch gern tun“, erklärt Scholz seine Philosophie. Und kommen muss jeder Beamte mindestens viermal im Jahr.

Die Ansprüche steigen mit dem Können

Das Training beginnt mit Belehrungen, Erklärung der Regeln und der Rettungsmaßnahmen – jedes Mal. „Wir arbeiten hier mit scharfen Waffen, nicht mit Kugelschreibern“, begründet Scholz. Anschließend werden immer auch die Grundlagen mit leeren Waffen geübt: Handhaltung, Zielen, Magazinwechsel. Scholz macht vor, die anderen nach. Knapp über eine Stunde des 90-minütigen Trainings sind schon vorbei, ehe überhaupt scharfe Munition ausgegeben wird.

Langweilig wird es den Übenden aber nicht, versichern sie. „Die eigenen Ansprüche steigen mit dem Können“, meint einer der jungen Beamten. Und dieses Können schätzt Trainer Scholz ein. Wer irgendwas nur schlecht beherrscht oder etwa aufgrund langer Krankheit aus der Übung gekommen ist, kann in Sondertrainings Verlorenes aufarbeiten. Defizite müssen zwingend behoben werden. „Der Beruf ist mit der Waffe verbunden“, sagt Scholz.

Wann darf ein Polizist schießen?

Der Schusswaffengebrauch unterliegt strengen Regeln. Er ist nur gerechtfertigt, wenn alle anderen Maßnahmen versagt haben, der Schusswaffengebrauch vorher angedroht wurde und:

• der Polizist in Notwehr handelt,

• die Flucht eines gefährlichen Täters verhindert werden soll oder

• eine schwerwiegende Straftat verhindert werden soll.

Der Gegner soll möglichst nicht getötet, sondern nur außer Gefecht gesetzt werden.

In der Schießanlage wird nicht gekehrt

Auch er selbst war lange Jahre beim Fachdienst Einsatzzüge im aktiven Dienst. Nebenamtlich hat er bereits Schießtrainings parallel zu seinem eigentlichen Job geleitet. 2006 wurde er hauptamtlicher Trainer und ist seither aus dem täglichen Einsatzgeschehen raus. Seit 2017 ist er der Hauptverantwortliche Polizeitrainer in Dresden. Eigentlich hätte der 61-Jährige auch schon in Rente gehen können. Spaß am Job und gute Gesundheit lassen ihn noch etwas weitermachen.

Wie werde ich Polizist?

Polizist werden kann jeder, der die formalen Einstellungsvoraussetzungen erfüllt. Dazu zählen unter anderem die gesundheitliche Eignung und ein sauberes Vorstrafenregister. Außerdem müssen Interessenten ein Auswahlverfahren bestehen. Am Tag seiner Einstellung darf der angehende Beamte nicht älter als 35 Jahre sein.

Die Karriere startet mit einer Ausbildung oder einem Studium.

Die Ausbildung dauert 30 Monate und ist an einer der Polizeifachschulen in Leipzig, Chemnitz oder Schneeberg möglich. Mit bestandener Laufbahnprüfung erfolgt die Ernennung zum Polizeimeister.

Das Studium dauert drei Jahre und beinhaltet ein einjähriges Grundstudium in Bautzen und zwei weitere Jahre an der Hochschule der Sächsischen Polizei in Rothenburg. Im Anschluss winkt die Ernennung zum Polizeikommissar.

Geld verdient wird bereits in der Ausbildung. Der Polizeimeisteranwärter bringt es anfangs monatlich auf 1182,02 Euro, ein Po­lizeimeister dann zum Einstieg auf 2078,38 Euro. Wer studiert erhält anfangs 1227,19 Euro, der Polizeikommissar steigt mit 2 319,66 Euro ein (alle Angaben für ledige Personen, Stand 1. Januar 2018).

Weitere Infos zur Karriere bei der sächsischen Polizei, zu Einstiegsmöglichkeiten und den späteren Verwendungsmöglichkeiten gibt es unter verdaechtig-gute-jobs.de.

Nach anderthalb Stunden ist das erste Training des Tages vorbei. Eine junge Beamtin sammelt die leeren Hülsen mit dem Schieber auf. Gekehrt werden darf in der Raumschießanlage nämlich nicht. Weil sich beim Schießen entflammbare Substanzen ablagern, wird stattdessen nach 700 Schuss gesaugt.

Im Vorbereitungsraum drängen sich derweil Polizeibeamte. Benutzte Kopfhörer und Schutzbrillen werden desinfiziert, Mitarbeiter der Betriebsstätte wuseln mit herum und bereiten die Halle auf die anstehende Trainingseinheit vor, die nächsten Teilnehmer sind auch schon da. „Das hier ist unsere größte Bahn mit dem kleinsten Vorbereitungsbereich“, erklärt Scholz schmunzelnd, bevor er in die nächste Übung geht.

Tatort Dresden – Die komplette Serie: Jetzt und demnächst in den DNN

Der Kriminaldauerdienst

Die Schießausbildung

Die Notrufzentrale

Die Brandursachenermittlerin

Das Lagezentrum

Die Verkehrspolizei

Das Polizeiorchester

Die Streifenpolizei

Der Mordermittler

Die Ausrüstung

Der Staatsschutz

Die Pressestelle

Das Interview mit dem Kripo-Chef

Von Franziska Kästner

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