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Lokales Cornelia Funkes „Geisterritter“ begeistern mit Fantasy-Klischees
Dresden Lokales Cornelia Funkes „Geisterritter“ begeistern mit Fantasy-Klischees
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13:44 12.11.2019
„Geisterritter“ mit Isabella Krieger, Mario Neumann, Elias Baumann und Anton Löwe Quelle: Foto: Sebastian Hoppe
Dresden

Nicht wenige klatschten nach der Premiere am Sonntagnachmittag im Schauspielhaus stehend, ja es deutete sich zaghaft so etwas wie eine La-Ola-Welle an. Die Kleineren haben sich ein bisschen gegruselt, was die Begeisterung nur steigerte, und Mama und Papa lächelten dankbar für die Erinnerung an Zeiten, da auch sie noch von Realitäten unverdorben in Geisterwelten eintauchen konnten.

Klassisches Weihnachtstheater-Rezept

Es sind immer wieder die gleichen Ingredienzien für die Weihnachtstheaterbäckerei, die den Erfolg garantieren, nur neu verquirlt. Man nehme ein oder auch zwei jugendliche Identifikationsfiguren, im Konflikt mit ihrer Umgebung stehend, aber mit der Anlage zum Heldentum, dazu eine skurrile Figur für die Lachsalven, ein möglichst historienträchtiges Gemäuer im Mindestalter von 500 Jahren, in dem es von Dämonen und Geistern nur so spukt, und erfinde einen Fluch, der nach Erlösung ruft. So funktionieren bei weitem nicht nur die „Geisterritter“, die Erfolgsautorin Cornelia Funke nach längerer Kinderbuchpause 2011 veröffentlichte und die 2012 am Thalia Hamburg erstmals auch auf die Bühne kamen. Auf die Weihnachtsbespielung am Dresdner Staatsschauspiel hat Cornelia Funke schon fast ein Abonnement. Nach „Reckless“, „Tintenherz“ und „Herr der Diebe“ ist „Geisterritter“ das vierte Stück für die ganze Familie, die in der Adventszeit neben der Sorge um die passenden Weihnachtsgeschenke nicht auch noch mit dem konfrontiert werden will, was die Welt im Innersten nicht mehr zusammenhält.

Die Stunde der Spezialeffekte

Nichtsdestoweniger haben solche Angebote für die junge Zielgruppe ihren Wert. Einen unterhaltsamen auf jeden Fall, und die frühe subtile Bindung an das große Schauspielhaus neben dem Spezialtheater Junge Generation stellt sich sozusagen als Kollateralnutzen ein. Diese Besucher kommen wieder! Sie bekommen ja auch etwas für das Herz geboten im Staatsschauspiel und etwas fürs Auge, wie es das Kino kaum besser kann. Denn dies ist die Stunde nicht nur von Bühnenbildner Hansjörg Hartung, sondern auch seiner meist ungenannten Kulissenbauer und Bühnenmaler, die Stunde der Kostümbildnerin Britta Leonhardt, der Maske, der Spezialeffekte. Alle, die im Programmheft unten im Kleingedruckten folgen, verdienen lobende Erwähnung. Am meisten denn doch die drei Musiker an Saxophon, Gitarre, Schlagzeug und weiteren Instrumenten wie einer singenden Säge, die die Live-Szenenmusik von Sabine Worthmann gekonnt umsetzen.

Es beeindruckt indessen auch den nüchternen Fantasy-Skeptiker, was sich alles vom Schnürboden herabsenkt. Internatsgewölbe, Kathedralen, Grüfte, oft ergänzt von gekonnter Illusionsmalerei. Illusionsvideos suggerieren die rasante Fahrt in einem Zugabteil oder in einem alten Caravan. Dicht am Film ist das Theaterstück, wenn der böse Geist Stourton sich endlich und endgültig als sterblich erweist und mit einem Blitzknall von der Bühne verschwindet. Geisterritter schweben scheinbar durch den Raum, selbstverständlich genau in gute und böse Geister unterschieden. Die kämpfen nach den Instruktionen von Thomas Ziesch denn auch filmreif miteinander, selbstverständlich im Kettenhemd und mit Totenkopfmasken und mit Schwertern fuchtelnd und nicht mit neumodischen Laserpistolen.

Giftmörder und Zauberschlösser

Ein richtiges Bühnenspektakel, auf dessen Handlung es nicht so ankommt. Mario Neumann spielt auf sympathische Weise den elfjährigen Protagonisten Jon Whitcroft, der von Mutter und Stiefpapa ins Internat der tausendjährigen Stadt Salisbury abgeschoben wird. Dort geht es ihm nicht so gut, bis er auf die couragiert-liebenswürdige Mitschülerin Ella Littlejohn trifft, von Isabella Krieger erfrischend gespielt. Die hat auch noch eine Spezialistin für Geisterkunde zur drolligen Oma, Zelda mit Namen. Eine Rolle, an der Philipp Lux als Komödiant sichtliches Vergnügen hat, zumal er sich dabei nicht ständig zu seiner vollen Übergröße aufrichten muss. Leicht hypochondrisch stöckelt er/sie gebeugt über die Bühne und gibt, stets von Kröten begleitet, die entscheidenden Hinweise auf die Untoten längst vergangener Mordgeschichten.

Komplizierter sind die Geschichten vom erhängten Giftmörder Lord Stourton, der sich an Jons Familie seit Jahrhunderten rächen will, und mit seinem ebenfalls untoten Opfer Longspee, dem Verteidiger der Schwachen. Der ist der einzige, der Stourton und seiner Viererbande von Geisterrittern gewachsen ist – falls er sein verlorenes Herz wiederbekommt. Was gegen Ende auch klappt, es wird in einer Keksdose in einer Gruft entdeckt.

Solche Geschichten kann es nicht erst seit Harry Potter nur in englischen Zauberschlössern geben, und der Schlüssel zum Erfolg passt ebenso zu Hogwarts wie zu Salisbury. Regisseur Nicolai Sykosch hat aus dem Stoff gemacht, was ihm angemessen ist und dabei keinen Aufwand für eine Inszenierung gescheut, die im Advent fast en suite gespielt werden wird und sich also rentiert. Am Ende sind alle Geister entgeistert und die Irdischen glücklich. Der böse Stiefpapa erweist sich als lieber Papa von Ella und auch als eine Art Geisterjäger, alle Paare finden sich, das seit rund 500 Jahren getrennte eingeschlossen. Wie entspannend schön, endlich wieder ein klassisches Happy End zu sehen.

Von Michael Bartsch

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