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Lokales Commerzbank baut radikal um – Kunden drohen höhere Gebühren
Dresden Lokales Commerzbank baut radikal um – Kunden drohen höhere Gebühren
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13:55 28.09.2019
Die Commerzbank-Filiale am Dr-Külz-Ring in Dresden soll vom 7. Oktober bis 27. November zur modernen Cityfiliale umgebaut werden. Unten entsteht ein moderner SB-Bereich mit zwei oder drei Beratern, im ersten Stock erhalten die Mitarbeiter mehr Platz. Die Wiedereröffnung ist für den 28. November 2019 geplant. Quelle: BS
Frankfurt/Main/Dresden

Nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen Bank stemmt sich die Commerzbank mit einem radikalen Konzernumbau gegen die Folgen von Niedrigzinsen, Digitalisierung, Regulierung und scharfem Wettbewerb.

Zugleich stimmt das Geldhaus Millionen Kunden auf Gebührenerhöhungen ein. Die Bank werde „Preisänderungen vornehmen“, sagte Chef Martin Zielke am Freitag in Frankfurt. Dies sei nötig im andauernden Zinstief. Am kostenlosen Girokonto für Privatkunden halte man aber fest: „Das ist nicht der Einstieg in den Abschied vom kostenlosen Girokonto.“

Ein Fünftel der rund 1000 Filialen sollen geschlossen werden

Der Aufsichtsrat des zweitgrößten deutschen Geldhauses hatte am Donnerstagabend der neuen Strategie des Vorstands zugestimmt, mit der die Commerzbank unterm Strich 2300 weitere Stellen streichen, die Kosten kräftig drücken und ein Fünftel ihrer rund 1000 Filialen schließen will. Wo genau die Zweigstellen gestrichen werden sollen, steht noch nicht fest. Die Gewerkschaft Verdi hat Widerstand angekündigt.

Das Institut mit zuletzt 40 700 Vollzeitkräften verabschiedete sich vom Ziel, die bereinigten Erträge in diesem Jahr zu steigern. Erst bis 2023 sollen die gesamten Einnahmen wieder zulegen und die Rendite auf das Eigenkapital schrittweise steigen – auf dann über vier Prozent.

Online-Tochter Comdirect ganz übernehmen

Einer Million inaktiven Kunden aus der Zeit vor 2008 will die Bank kündigen – die Kosten seien höher als die Erträge, sagte Zielke. Offen ließ er, welche Gebühren genau steigen. Die Kosten für Stellenabbau und Filialschließungen beziffert die Commerzbank auf 850 Millionen Euro. Um die zu stemmen, will das Geldhaus die Mehrheitsbeteiligung an ihrer äußerst rentablen polnischen Tochter mBank verkaufen.

Weil der Anteil mobil erledigter Geldgeschäfte rasant steigt, will die Commerzbank ihre Online-Tochter Comdirect dagegen ganz übernehmen und mit dem Mutterkonzern verschmelzen. Derzeit gehören ihr 82 Prozent von Comdirekt.

In Dresden arbeiten 136 Mitarbeiter in sieben Filialen

In Dresden beschäftigt die Commerzbank in sieben Filialen 136 Mitarbeiter. Die gesamte Niederlassung, die auch die Regionen Pirna, Meißen und Riesa mit betreut, hat rund 400 Beschäftigte.

„Erst nach Ende der Verhandlungen mit den Arbeitnehmer-Gremien werden wir wissen, welche Filialen von der Schließung betroffen sind“, sagte die Sprecherin der hiesigen Niederlassung, Heike Ziegenbalg, den DNN. Allerdings: Nahe beieinander liegende Filialen, die man noch zusammenlegen könnte, „das gibt’s im Osten fast gar nicht mehr“, gibt sie sich gelassen. Und verweist auf 36 Filialen allein in Hamburg, wo wohl eher gezittert werden müsse.

Am Filialkonzept halte die Bank weiter fest. Das zeige auch der am 7. Oktober startende Umbau der Filiale am Dr.-Külz-Ring. Dort hatte die Bank bereits im Juni der Bäckerei Hübler neben dem SB-Bereich gekündigt. Passiert aber war seitdem nichts. „Die Baugenehmigung hat gefehlt“, erläuterte Heike Ziegenbalg den Grund. Nun jedoch gehe es bald los mit dem Umbau zur modernen„Cityfiliale“.

Von Alexander Sturm und Barbara Stock