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Lokales Brandschutz-Chef: „Bei einer 1000-Kilo-Bombe müssten wir den Einsatz abbrechen und neu planen“
Dresden Lokales Brandschutz-Chef: „Bei einer 1000-Kilo-Bombe müssten wir den Einsatz abbrechen und neu planen“
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20:11 17.10.2018
Andreas Rümpel, Chef des Brand- und Katastrophenschutzamtes (r.) und Björn Petrick, Sachgebietsleiter Einsatzvorbereitung, im Führungs- und Lagezentrum. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Dienstag, 23. Oktober, ist der „Bombentag“. Denn dann gehen die Kampfmittelbeseitiger dem Verdacht auf den Grund, ob sich unter der asphaltierten Zufahrt auf einem Gelände am Messering im Dresdner Ostragehege tatsächlich eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg befindet. Wenn ja, dann gilt es sie zu entschärfen bzw. zu beseitigen.

Bis 8 Uhr müssen alle ihre Wohnungen verlassen haben

Bis 8 Uhr morgens müssen deshalb nach Angaben der Stadtverwaltung rund 15700 Einwohnerinnen und Einwohner ihre Wohnungen verlassen. Denn aus Sicherheitsgründen werden Teile des Ostrageheges sowie auf der anderen Elbseite Teile von Übigau , Mickten, Pieschen und der Leipziger Vorstadt geräumt. Auch zahlreiche Firmen und Gewerbetreibende, Kitas und Schulen sind betroffen, Bahnen und Busse werden umgeleitet.

Bürgertelefon

Bürgertelefon: Tel.: 0351/ 488 76 66; Donnerstag, 18. Oktober, 8-18 Uhr; Freitag, 19. Oktober, 8-18 Uhr; Sonnabend, 20. Oktober, 9-17 Uhr; Sonntag, 21. Oktober, 9-17 Uhr; Montag, 22. Oktober, 8-18 Uhr; Dienstag, 23. Oktober, 6 Uhr bis Ende der Maßnahme

Auskunftsstelle im Stadtbezirksamt Pieschen, Bürgerstr. 63, Tel.: 0351/ 488 54 14

Info-Hotline Kindertagesbetreuung: Tel.: 0351/ 488 51 31 (ab sofort zu den Geschäftszeiten)

Info-Hotline für Angehörige von pflegebedürftigen Menschen Informationen vorab im Sozialamt unter Tel. 0351/ 488 48 00

Informationen für Inhaber von Geschäften und Firmen: im Amt für Wirtschaftsförderung unter Tel.: 0351/ 488 87 20.

Auskunft zu Streckeneinschränkungen der DVB: Tel.: 0351/ 857 10 11

Info-Hotline des VVO (Verkehrsverbund Oberelbe): Tel.: 0351/852 65 55

Der Aufwand ist riesig, aber Sicherheit geht vor. Denn dass das Ganze nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist, dürfte spätestens seit Mai dieses Jahres jedem klar sein. Damals war ein Teil einer in Löbtau gefundenen Fliegerbombe beim Versuch der ferngesteuerten Entschärfung detoniert. Mit knapp 48 Stunden war es die langwierigste Bombenentschärfung in Dresden, an die sich alle Beteiligten erinnern konnten.

Diesmal genügend Zeit für die Vorbereitung

Wie lange es diesmal dauert, steht in den Sternen. Aber die Aktion am 23. Oktober hat einen Vorteil: „Wir haben diesmal genügend Zeit für die Vorbereitung“, so Andreas Rümpel, Chef des Brand- und Katastrophenschutzamtes. Denn dass die Stadt aufgrund des mutmaßlichen Bombenfundes eine Massenevakuierung plant, ist seit 4. Oktober klar.

Der Evakuierungsbereich wurde, wie ein Polizeisprecher noch einmal gegenüber DNN bestätigte, für eine 500-Kilo-Bombe berechnet. „Wenn es eine 1000-Kilo-Bombe wäre, müssten wir den Einsatz abbrechen und neu planen“, so der Feuerwehrchef. Aber eine 1000-Kilo-Bombe sei aufgrund der Auswertung des Materials nicht zu erwarten, so die Polizei.

In diesem Bereich wurde das Objekt gefunden. Quelle: Jürgen-M. Schulter

Am Montag wird Freilegung der Bombe vorbereitet

Schon am Montag, 22. Oktober, werden die Kampfmittelbeseitiger im Ostragehege vor Ort sein. Denn dann beginnen „bauliche Maßnahmen zur Vorbereitung der Freilegung der Bombe“, wie es Jürgen Scherf formuliert. Mit Baggern werde man in die Erde gehen und sich vorsichtig der Stelle, wo die mutmaßliche Bombe liegt, annähern. „Wir arbeiten uns ran, um am Dienstag Zeit zu sparen.“ Die Entschärfung selbst werde ein Team von mindestens zwei Experten vornehmen. „Das kann nicht einer alleine machen. Da muss mindestens noch einer dabei sein, der hilft und Werkzeug z.B. bringt“, erklärt Scherf.

Allein die Dresdner Feuerwehr wird am Dienstag 129 Kräfte der Berufsfeuerwehr mobilisieren. „Auch das Personal, das an diesem Tag normalerweise frei gehabt hätte, wird im Dienst sein“, so Brandrat Björn Petrick, Sachgebietsleiter Einsatzvorbereitung.

300 Freiwillige Feuerwehrleute werden von der Arbeit freigestellt

Seinen Worten zufolge stehen zusätzlich 300 Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren in Dresden Gewehr bei Fuß. „Sie werden alle von ihren beruflichen Tätigkeiten freigestellt. Die daraus entstehenden Kosten werden beglichen“, ergänzt Andreas Rümpel. Denn schließlich müsse sichergestellt sein, dass noch genügend Kräfte da sind, um eventuelle Brände zu löschen und andere notwendige Einsätze zu fahren.

Die Versorgung der Feuerwehrleute, die in den Einsatz am Dienstag involviert und nicht auf der angestammten Wache sind, wo sie sich selber versorgen können, übernehmen „wie immer bei Großschadenslagen“ die Freiwilligen Wehren von Lockwitz und Niedersedlitz.

„Wir sind Rückfallebene für alle, die Hilfe brauchen“

Schon am Montag, 22. Oktober, wird die Feuerwehr die Evakuierung der vielen Menschen mit vorbereiten. Sie unterstütze den Aufbau der Notunterkünfte mit logistischen Maßnahmen und stelle später für jede der fünf Notunterkünfte sechs Personen als Brandsicherheitswache. „Wir sind als Feuerwehr Rückfallebene für alle, die Unterstützung brauchen“, sagt Rümpel.

Diese Notunterkünfte werden eingerichtet

Für alle, die selbstständig keine Ersatzunterkunft finden konnten, werden offizielle Notunterkünfte bereitgestellt. Diese sind Dienstag ab 7 Uhr geöffnet. Es wird empfohlen, die der Wohnung nächstgelegene Notunterkunft aufzusuchen. Organisierte Sammeltransporte sind nicht vorgesehen.

Notunterkünfte:

Ballsporthalle in der Energie-Verbund-Arena, Magdeburger Straße 10, 01067 Dresden

Schulsporthalle Gymnasium Dreikönigschule, Alaunstraße 32, 01099 Dresden

Schulsporthalle 56. Oberschule „Am Trachenberg“, Aachener Straße 10, 01129 Dresden

Schulsporthalle Gymnasium Dresden-Cotta, Cossebauder Straße 35, 01157 Dresden

Notunterkunft speziell für pflege- und hilfsbedürftige Personen: Schulsporthalle Berufliches Schulzentrum für Gesundheit und Soziales, Döbelner Straße 8, 01129 Dresden

Der Schul- und Vereinssport, der normalerweise in diesen Hallen stattfindet, fällt am 23. Oktober und optional am 24. Oktober ersatzlos aus.

Quelle: Stadtverwaltung Dresden

Bis zum 17. Oktober seien der Feuerwehr vom Sozialamt bereits 25 bettlägerige bzw. anderweitig hilfsbedürftige und vier stark übergewichtige Menschen gemeldet worden, die aus dem Evakuierungsgebiet transportiert werden müssen.

Wenn am Dienstag, 23, Oktober, 8 Uhr, der Sperrkreis der Evakuierungszone geschlossen wird, startet nicht sofort die Freilegung und Entschärfung der Bombe, wenn es denn eine ist. Denn die Kampfmittelbeseitiger brauchen erst grünes Licht von der Einsatzleitung, dass sich auch wirklich niemand mehr im Stadtgebiet befindet.

Kameraden der Feuerwehr begleiten Polizei bei Kontrollgängen

„Kameraden der Feuerwehr werden die Polizei bei ihren Kontrollgängen begleiten, falls zum Beispiel Wohnungen geöffnet werden müssen“, erklärt Andreas Rümpel. Doch wie will man in dem riesigen Gebiet alles kontrollieren? „Es wird auf Verdachtspunkte hin kontrolliert“, so der Feuerwehrchef. Wenn es zum Beispiel Hinweise von Bürgern gebe, dass jemand seine Wohnung nicht verlassen will. Wenn irgendwo eine Bewegung registriert werde oder in einer Wohnung Licht brenne, nennt er Beispiele.

Der Chef des Brand- und Katastrophenschutzamtes appelliert an alle Einwohner, die von der Massenevakuierung betroffen sind, den Anordnungen Folge zu leisten und sich solidarisch zu verhalten. „Damit meine ich, dass man sich im Haus gegenseitig informiert und mal schaut, ob auch der ältere Nachbar bzw. die Nachbarin weiß, was zu tun ist oder vielleicht Hilfe braucht. Vermieter, die ja wissen, wer in ihrem Haus wohnt, sollten das Gespräch mit ihren Mietern suchen.“

Wem noch nicht klar ist, ob sein Haus nun betroffen ist oder nicht, der kann sich zum einen im Internet auf der städtischen Seite auf dem Themenstadtplan informieren. Des Weiteren gibt es auf der städtischen Internetseite unter http://www.dresden.de/media/pdf/presseamt/evakuierungsbereich_Fliegerbombe_Ostragehege.pdf

einen Download. Dort sind die einzelnen Straßen und Hausnummern aufgeführt. Zudem gibt es ab heute ein Bürgertelefon, an dem alle anstehenden Fragen beantwortet werden.

Von Catrin Steinbach

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