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14:47 22.10.2018
Die mutmaßliche Bombe liegt im Ostragehege auf einem Firmengelände. Mittig ist das Kühlhaus  zu sehen, rechts oberhalb davon die Planierung für das Gelände für das künftige Dynamo-Dresden-Trainingszentrum.
Die mutmaßliche Bombe liegt im Ostragehege auf einem Firmengelände. Mittig ist das Kühlhaus zu sehen, rechts oberhalb davon die Planierung für das Gelände für das künftige Dynamo-Dresden-Trainingszentrum. Quelle: Jürgen-M. Schulter
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Dresden

Für die Bombenentschärfer vom sächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienst, für Hunderte Polizisten, Feuerwehrleute und Stadtbedienstete, für die Mitarbeiter von Hilfsdiensten und für knapp 16.000 Einwohner des Dresdner Nordwestens wird es Ernst. Die auf einem Firmengelände im Ostragehege entdeckte mutmaßliche Fliegerbombe soll soll am Dienstag entschärft oder gesprengt werden. Deshalb darf sich ab 8 Uhr kein Bürger mehr in Mickten, Übigau, Pieschen-Süd und dem Ostragehege aufhalten. Die Vorbereitungen für die größte Evakuierungsaktion der vergangenen Jahre laufen auf Hochtouren.

Warum wurde die Evakuierung nicht in die Ferien gelegt?

Für den Großeinsatz plant allein die Polizei mit rund 900 Beamten in drei Schichten. Darunter sind auch Kollegen der Polizeidirektion Görlitz, der sächsischen Bereitschaftspolizei und des Polizeiverwaltungsamtes. So viele Bedienstete kann die Polizeidirektion Dresden nicht aus dem Ärmel schütteln, schon gar nicht zur Ferienzeit. Dazu kommen noch Demonstrationen wie zum Pegida-Jahrestag am 21. Oktober, Fußballspiele und andere Veranstaltungen, die abgesichert werden müssen. „Der erste Tag, an dem wir diese große Zahl an Personal stellen können, war tatsächlich der 23. Oktober“, fasst Polizeidirektor Stefan Dörner die Terminsuche zusammen.

Außerdem wollten die Evakuierungs-Planer vermeiden, dass aus dem Urlaub zurückkommende Dresdner nicht in ihre Wohnungen können, weil sie am Ferienort nichts von der Bombenentschärfung mitbekommen haben.

Auch der Öffentliche Personennahverkehr rund um den Evakuierungszeitraum will bedacht sein. Da die Dresdner Verkehrsbetriebe in den Herbstferien die Gleiskreuzung auf dem Albertplatz sanieren und ohnehin schon zahlreiche Straßenbahnen und Buslinien verändert fahren, wäre eine zusätzliche Belastung im Dresdner Nordwesten kaum zu bewältigen gewesen.

Oberstes Gebot: Ruhe bewahren!

Die Einsatzplaner vom Kampfmittelbeseitigungsdienst und dem Dresdner Amt für Brand- und Katastrophenschutz sind Profis und haben Vorkehrungen für den schlimmsten anzunehmenden Fall getroffen, nämlich, dass es sich um eine 500-Kilo-Bombe handelt. Entsprechend weiträumig wird evakuiert. Diese Maßnahme dient zur Sicherheit der Anwohner. Möglicherweise liegt in der Erde aber auch nur eine verrostete Badewanne, so Amtsleiter Andreas Rümpel. Dann können alle Einwohner schnell wieder in ihre Wohnungen zurück.

Das Evakuierungsgebiet umfasst das Ostragehege, Mickten, Übigau und Teile von Pieschen-Süd. Quelle: Themenstadtplan Dresden

Woher weiß ich, ob ich aus meiner Wohnung muss?

Im Themenstadtplan Dresden unter stadtplan.dresden.de kann man hausnummerngenau sehen, ob man selbst betroffen ist. Dazu links unter „Themen“ auf „Aktuelles“ klicken, dort „Evakuierungsbereich Fliegerbombe im Ostragehege“ auswählen und dann mit dem Plus rechts oben den Stadtplan vergrößern.

Wann muss ich raus, wann kann ich zurück?

Am 23. Oktober sind die Notunterkünfte ab 7 Uhr geöffnet. Bis 8 Uhr müssen alle Personen das Evakuierungsgebiet verlassen. Dann kommt niemand mehr hinein. Anschließend gehen Polizeibeamte von Tür zu Tür und prüfen, ob sich wirklich niemand mehr im Gefahrenbereich aufhält. Erst, wenn das sichergestellt ist, beginnen die Kampfmittelräumer mit ihrer Arbeit.

Wenn alles ohne Zwischenfälle verläuft, hoffen die Einsatzplaner, dass gegen Mittag die Bombe entschärft oder kontrolliert gesprengt werden kann. Im besten Falle können die Anwohner am Nachmittag zurück in ihre Wohnungen.

Wann die Evakuierung aufgehoben wird, erfahren die Betroffenen aus den Medien, von der Internetseite www.dresden.de/fliegerbombe, am Bürgertelefon unter (0351) 488 76 66 und natürlich von den Einsatzkräften vor Ort.

Die Betroffenen: Mama Conny und ihr dreijähriger Sohn

Conny aus Mickten und ihr dreijähriger Sohn müssen aus ihrer Wohnung raus, und auch die Kita hat geschlossen. „Ich bringe das Kind zur Oma, die außerhalb wohnt“, sagt die junge Frau. „Einfacher wäre natürlich, wenn die Oma herkommen könnte, aber sie kann ja nicht in unsere Wohnung.“ Conny selbst muss arbeiten gehen und wird wohl bei Freunden übernachten.

Ich wohne im Evakuierungsgebiet. Wie muss ich mich vorbereiten?

Wer seine Wohnung verlassen muss, sollte sich baldmöglichst um eine Alternativunterkunft für Dienstag und vorsichtshalber auch Mittwoch kümmern.

Überlegen Sie, was Sie mitnehmen müssen, und schreiben Sie am besten alles Nötige auf eine Liste, damit Sie nichts vergessen.

Informieren Sie Angehörige und Freunde, dass Sie am 23. Oktober nicht in Ihrer Wohnung anzutreffen sein werden, damit sich Ihre Lieben keine unnötigen Sorgen um Sie machen.

Auf jeden Fall sollten Betroffene mit Nachbarn sprechen, sich gegenseitig informieren und um hilfebedürftige Menschen im Haus kümmern.

Wo können Betroffene unterkommen?

Anwohner, die am Dienstagmorgen aus ihrer Wohnung müssen, kommen für den Rest des Tages und die Nacht eventuell bei Verwandten, Freunden oder Arbeitskollegen unter oder können vielleicht in eine Gartenlaube ausweichen. Wer in einem Hotel oder einer Pension übernachtet, muss diese Kosten selbst tragen. Wer keine Herberge auf Zeit findet, kann in den Notunterkünften der Stadt unterkommen. Die Stadt Dresden will Unterbringungsmöglichkeiten für etwa zehn Prozent der Betroffenen schaffen, also 1200 bis 1500 Personen. Bisher stehen folgende Notunterkünfte fest:

Sporthalle der 106. Grundschule, Großenhainer Straße 187; Sporthalle des Beruflichen Schulzentrums Gesundheit und Sozialwesen, Maxim-Gorki-Straße 39; Ballsporthalle der EnergieVerbundArena, Magdeburger Straße 10. Weitere Unterkünfte werden voraussichtlich am Donnerstag, dem 18. Oktober bekanntgegeben.

Die Firma: VVO-Mitarbeiter haben frei

Mitten im Evakuierungsgebiet hat der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) seine Zentrale. „Die Kollegen aus den Büros bleiben zu Hause. Die haben einfach frei, wie an einem Sonntag, denn die Evakuierung ist ja höhere Gewalt“, erläutert Pressesprecher Christian Schlemper. „Auch unser Kundenbüro bleibt geschlossen, aber die Telefonhotline zieht um und ist weiterhin erreichbar. Wir konnten ganz unkompliziert bei den Dresdner Verkehrsbetrieben unterschlüpfen, da sind wir den Kollegen sehr dankbar.“

Was muss ich mitnehmen?

Ins Gepäck für die Evakuierung gehören neben Ausweis, Krankenkassenkarte und wichtigen persönlichen Dokumenten auch Medikamente und Hygieneartikel, Geld und Mobiltelefon sowie Essen und Getränke für mindestens zwölf Stunden. Außerdem sollte man Dinge zur Beschäftigung mitnehmen, also Bücher, Spiele oder Musikplayer. Wer Kinder hat, sollte an das Lieblingskuscheltier, Kissen, Spielzeug, gegebenenfalls Windeln, Töpfchen und Babynahrung denken. Für Haustiere, die nicht über Nacht allein bleiben können, müssen Futter und Käfig mit.

Auch Isomatte, Schlafsack oder Decke für eine mögliche Übernachtung in einer Ausweichunterkunft sollte man einpacken.

Ehe man aus der Wohnung geht, sollten das Licht und alle elektrischen Geräte ausgeschaltet sowie die Fenster geschlossen werden.

Geschlossene Kitas und Horte

Kita Moritzburger Str. 70

Outlaw-Kita, Rehefelder Str. 7

Outlaw-Krippe, Rehefelder Str. 12

Kita Sternstraße, Sternstr. 32

Kita „Pfiffikus“, Wurzener Str. 19

Kita Lommatzscher Str. 83

Kita „Lommi-Kids“, Lommatzscher Str. 85

Kita „Concordia“, Konkordienstr. 3

Kita „Kinderhaus Sonnenschein“, Carrierastr. 15

Kita „Kleiner Fröbelkindergarten“, Altübigau 3

Kindertagespflege Osterbergstr. 18

Kindertagespflege Osterbergstr. 19

Kindertagespflege Gehestr. 7

Kindertagespflege Konkordienstr. 21

Kindertagespflege Konkordienstr. 31

Kindertagespflege Elbvillenweg 14

Kindertagespflege Naundorfer Str. 19

Kindertagespflege Hauptmannstr. 14

Kindertagespflege Overbeckstr. 20

Hort der 8. Grundschule, Konkor- dienstr. 12

Outlaw-Hort der 26. Grundschule, Osterbergstr. 22

Hort der 41. Grundschule „Elbtalkin- der“, Hauptmannstr. 15

Hort der 144. Grundschule, Micktner Str. 10

Hort des Förderzentrums zur Lernför- derung „A. S. Makarenko“, Konkor- dienstr. 12a

Hort der Aktiven Schule „epharisto“, Leipziger Straße

Was ist mit den Kindern in Kitas, Horten und Schulen?

Kindertagesstätten und -pflegestellen, Schulen und Horte im Evakuierungsgebiet bleiben am 23. Oktober und bei Bedarf auch noch am 24. Oktober geschlossen. Um welche Einrichtungen es sich konkret handelt, steht in der Kita- bzw. Schul-Liste. Die Eltern von Kita-Kindern wurden per Elternbrief gebeten, sich um eine alternative Betreuungsmöglichkeit zu kümmern. Für Kinder, die nicht von den Eltern, Großeltern oder anderen vertrauten Personen betreut werden können, richtet die Stadt Dresden eine Notversorgung ein. Wie viele Kinder betroffen sind, ermittelt der Eigenbetrieb Kindertagesstätten derzeit. Die Eltern mussten den Bedarf bis Montag, 15. Oktober, melden.

Geschlossene Schulen

Sportgymnasium, Messering 2a

10. Oberschule/Sportoberschule, Messering 2a

Sportinternat, Messering 2a

8. Grundschule, Konkordienstraße 12

9. Oberschule, Lommatzscher Straße 121

26. Grundschule, Osterbergstraße 22

41. Grundschule, Hauptmannstraße 41

144. Grundschule, Micktner Straße 10

Schule zur Lernförderung „A. S. Makarenko“, Außenstelle Konkordienstraße 12a (Schul-Stammhaus an der Leisniger Straße 76 ist geöffnet)

Was geschieht mit pflegebedürftigen Menschen?

Pflegebedürftige sollten von Montag bis Mittwoch in einer Alternativunterkunft untergebracht werden, teilt die Stadt Dresden mit. Im besten Falle kommen sie natürlich bei Verwandten oder Freunden unter, die sich um sie kümmern können.

Mitarbeiter der Stadtverwaltung kontaktieren seit Anfang Oktober Pflegedienste und Heime, um festzustellen, wie viele Menschen betroffen sind, und um vorübergehende Unterkünfte für die drei Tage zu organisieren.

Für Personen, die nicht bei Angehörigen oder in Pflegeeinrichtungen unterkommen können, stellt die Stadt eine Notunterkunft bereit. Dort kann allerdings nur eine pflegerische Notversorgung angeboten werden.

Wo bekommt man Informationen?

Im Stadtbezirksamt Pieschen, Bürgerstraße 63, steht für Anliegen der Bürgerinnen und Bürger vor Ort zu den Geschäftszeiten ein Ansprechpartner zur Verfügung: Sebastian Klemm, Telefon (0351) 488 54 14.

Ab Donnerstag, 18. Oktober 2018 richtet die Stadt ein Bürgertelefon unter der Telefonnummer (0351) 488 76 66 ein. Die Mitarbeiter sind zunächst tagsüber und am 23. Oktober ab 6 Uhr zu erreichen.

Von Tanja Tröger

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