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Lokales Blick hinter die Kulissen der Landespolitik
Dresden Lokales Blick hinter die Kulissen der Landespolitik
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08:10 11.06.2018
Das Offene Regierungsviertel wurde von vielen künstlerischen Einlagen begleitet, wie hier von einer Tanzperformance vor der Sächsischen Staatskanzlei.
Das Offene Regierungsviertel wurde von vielen künstlerischen Einlagen begleitet, wie hier von einer Tanzperformance vor der Sächsischen Staatskanzlei. Quelle: Fotos: Anja Schneider
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Dresden

Rund um den Carolaplatz herrschte am Sonntag buntes Treiben: Zum mittlerweile 16. Mal öffnete die Sächsische Staatsregierung ihre Türen zum Offenen Regierungsviertel. Unter dem Motto „Reinschauen!Erleben!Mitmachen!“ konnten Bürger die Ministeriumsgebäude besichtigen, hinter sonst verschlossene Türen schauen und sich über die Aufgabenfelder Landespolitik informieren.

Am Innenministerium stellte die Polizei ihre Funkstreifenwagen vor. Schaulustige nahmen für einen Schnappschuss auf dem Polizeimotorrad Platz, einige ergriffen die Chance und streichelten die Polizeipferde. Vom Korb der Feuerwehr-Drehleiter aus erlebten schwindelfreie Besucher das Geschehen aus luftiger Höhe.

In den Räumen des Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft drängten sich viele Eltern mit ihren Kindern. Die Kleinen drückten sich ihre Nase an einer großen Plastikbox platt, um Küken beim Schlüpfen zuzusehen. Als Publikumsmagneten zum Anfassen bewährten sich ebenfalls die niedlichen Vierbeiner, die der Landesverband der Rassekaninchenzüchter mitgebracht hatte.

Tag des offenen Regierungsviertels 2018 in Dresden

Beim Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr stand diesmal das Thema Verkehrssicherheit in besonderem Fokus. Mit „Rausch-Brillen“ konnten Besucher testen, wie es sich anfühlt, mit 0,8 oder 1,6 Promille unterwegs zu sein. „Ich sehe meine Hände doppelt“, stellte Enrico fest, als der 16-Jährige versuchte, mit „0,8 Promille“ ein Schloss zu öffnen. Noch schwieriger wurde es mit der zweiten Brille: „Schlafen ginge vielleicht noch“, lachte er.

Auf der Bühne an der Carolabrücke traten mehrere Schulbands auf. Zudem zeigten Graffitikünstler und Tänzer ihr Können im Regierungsviertel. Vor der Staatskanzlei präsentierten sich die großen Sportvereine der Stadt – am Dynamo-Stand etwa ermittelte ein Messgerät die Schussgeschwindigkeit der Besucher. An der Klettersäule daneben konnten Hobbysportler ihre eigene Geschicklichkeit und Kraft auf die Probe stellen. Auch die Titans, die Monarchs und die DCS-Volleyballer rührten kräftig die Werbetrommel.

Schülerreporter interviewen Minister

Pünktlich um 11 Uhr öffneten sich die Pforten der Staatskanzlei. Am Amtssitz des Ministerpräsidenten stellten sich die einzelnen Minister und auch Sachsens Landesherr selbst jeweils für 15 Minuten den Fragen sächsischer Schülerzeitungsredakteure.

„So viel ist doch sonst nicht hier los“, stellte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) fest, als er den Pressesaal der Staatskanzlei betrat. Die direkte Frage vom 15-jährigen Kreuzgymnasiasten Robert Schröder, ob Kretschmer nächstes Jahr noch hier sitzen werde, sorgte für ein Raunen im Saal und kurze Irritation beim Ministerpräsidenten. Doch dann antwortete er diplomatisch: „Das Wahlergebnis sucht sich seine Regierung“.

Dass Politiker mit Floskeln bei Schülern nicht punkten können, zeigten die Rückfragen der Nachwuchsreporter: Was es denn mit der Perspektive in Kretschmers Braunkohlen-Motto: „Erst die Perspektive, dann der Ausstieg“ genau auf sich habe, wollte der Dresdner Gymnasiast Moritz Westfeld zum Beispiel wissen. Mit Kameras, Stift und Block bewaffnet, bohrten die Schüler weiter nach: „Sie bezeichnen sich als Koalition der Macher, was haben Sie denn bisher umgesetzt?“ Kretschmer verwies auf Geld für Kommunen, Breitbandausbau, Unterstützung der freiwilligen Feuerwehren und das Polizeigesetz. Um die Bitte eines Schülers kam Kretschmer zum Schluss nicht umhin: „Kann ich ein Selfie mit Ihnen machen?“

Justizminister Sebastian Gemkow in der Schülerpressekonferenz. Quelle: Anja Schneider

Für Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) hatten sich die Nachwuchsjournalisten einige unangenehme Themen überlegt. So fragte Robert Schröder nach den aktuellen Haushaltsverhandlungen, bei denen sich Gemkow für mehr Personalstellen einsetzt. Was passiert, wenn dieses Vorhaben scheitert? „Ist die sächsische Justiz dann überfordert?“ wollte er wissen. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass ich die Verstärkung bekommen werde“, erklärte der Justizminister.

Auch Ministerkollege Christian Piwarz (CDU) wurde von den jungen Reportern mit Fragen gelöchert. Wie man das Thema Integration in der Schule angehen wolle, fragte einer. Dem Kultusminister schien die Problematik bekannt: „Flüchtlingskinder haben oft Mühe, im schulischen Deutsch mitzukommen. Aber auch viele Flüchtlinge über 18 Jahre haben es schwer, hier überhaupt einen Hauptschulabschluss zu schaffen.“ Daher müsse man eigene Bildungsangebote mit einem relativ hohen Abschluss schaffen. Piwarz räumte abschließend ein: „Das wird eine große Aufgabe, es gibt viel zu tun.“

Von Junes Semmoudi/Tomke Giedigkeit/Franziska Schmieder

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