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Lokales Blaues Wunder – es drohen eine Baupause und Mehrausgaben in Millionenhöhe
Dresden Lokales Blaues Wunder – es drohen eine Baupause und Mehrausgaben in Millionenhöhe
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13:33 22.07.2019
Am Dienstag sind die Arbeiten im derzeit eingehausten Gehbahnteil des Blauen Wunders fertig. Dann verschwindet der schon eingerüstete Teil hinter einer weißen Plane. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Den Sanierungsarbeiten auf dem Blauen Wunder droht die nächste Baupause. Grund sind ausbleibende Fördermittel. Für Dresdens Stadtkasse kann das teuer werden.

Der Ausgangspunkt: DieBrücke braucht neues Blau

Die Loschwitzer Brücke – ein wichtiges Wahrzeichen der Stadt – ist ein Sanierungsfall. Derzeit wird die Gehbahn auf der zum Stadtzentrum gelegenen Seite erneuert. Kurz vor Weihnachten sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Ab 2020 sind dann eigentlich Arbeiten am gesamten Stahlfachwerk geplant. Es ist das Herzstück der Modernisierungsarbeiten, für die der Stadtrat vor drei Jahren ein Budget von 42 Millionen Euro beschlossen hat. Dabei soll einerseits gerichtet werden, was in den vergangenen 126 Jahren aus dem Lot geraten ist. Andererseits wird Rost entfernt und das durch Analysen unter dem Mikroskop festgestellte Originalblau von 1893 wieder aufgetragen.

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Wie, davon kann man sich bei den derzeit laufenden Arbeiten ein Bild machen: Ein Gerüst mit dicker weißer Plane „wandert“ über die Gehbahn. Es schützt vor Baulärm. Vor allem aber verhindert es, dass die bleihaltige Farbe beim Abstrahlen auf Elbwiesen und in den Fluss fällt.

Auf der Gehbahn, die nach Abschluss der Stahlarbeiten wieder einen Gussasphalt erhält, wird das Gerüst bis September Stück für Stück in Richtung Blasewitz versetzt. Anschließend werden noch bis Ende Dezember Geländer instand gesetzt und mit neuem Anstrich versehen.

Unter dem Gussasphalt kommen einige Roststellen zum Vorschein. Sind sie behandelt, wird neuer Gussasphalt verlegt. Quelle: Dietrich Flechtner

2020 sollte dieses Gerüst in größerer Form über ein erstes Segment des Stahlfachwerks gespannt werden – so der Plan. Bis 2023 sollte es über die Brücke wandern, wobei eine Fahrspur auf dem Blauen Wunder aus Platzgründen gesperrt werden muss.

Das Problem: Ohne Fördermittel ist die Kasse leer

Dieser Plan wackelt nun. Grund ist wie so oft das liebe Geld. Im April hatte der Freistaat mit einer überraschenden Knausrigkeit in Sachen Fördermitteln Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) verblüfft. Er hatte – wie zuletzt üblich – mit 90 Prozent Förderung für die rund 1,6 Millionen Euro teuren Gehbahnarbeiten gerechnet. Der Freistaat überwies nichts, die Kosten trägt allein die Stadtkasse.

Die Gespräche laufen zwar noch, „und wir haben die Hoffnung auch nicht aufgegeben“, wie Schmidt-Lamontain sagt, aber: Für nächstes Jahr deutet sich ähnliches an. Nur geht es dann bei 26 bis 27 Millionen Euro Gesamtkosten um bis zu 24,3 Millionen Euro einkalkulierter Fördermittel, die fehlen.

Das kann der Baubürgermeister unmöglich mit eigenem Budget auffangen, zumal er dort derzeit schon alles zusammenkratzt, um die dringend nötige Sanierung der Carolabrücke in diesem Jahr zu finanzieren. Auch dafür fehlen fest eingeplante Fördermittel. Eine Reihe vorgesehener Straßenbauprojekte wurde deshalb gestrichen.

Die Lösung: Baupause und der tiefe Griff in die Kasse

Momentan gehe man davon aus, dass die Sanierung um ein Jahr verschoben werde, sagt Schmidt-Lamontain. „Wir haben beim Blauen Wunder auch nicht den Handlungsdruck wie an der Carolabrücke“, sagt er. Schon einmal hat es eine Baupause am Blauen Wunder gegeben – damals war eine geplatzte Ausschreibung der Grund.

Brückenfachmann Andreas Gruner zeigt ein Drahtgeflecht, wie es später am Aufstieg im Brückenpylon benötigt wird. Der dortige Absturzschutz muss teils ersetzt werden. Quelle: Dietrich Flechtner

Ewig hinausschieben will der Baubürgermeister die Sanierung aber auch nicht, zumal die Baupreise nach aktueller Expertenschätzung jedes Jahr um zehn bis 17 Prozent steigen. Schmidt-Lamontain will deshalb mit dem Freistaat verhandeln, wie es künftig mit Fördermitteln fürs Dresdner Wahrzeichen aussieht. „Uns geht es in diesen Gesprächen auch darum, langfristige Planungssicherheit zu gewinnen“, sagt er.

Derzeit übliche Praxis sei es, Ende Oktober einen Antrag zu stellen und im darauffolgenden Mai zu erfahren, was daraus geworden ist. „Wenn es dann kein Geld gibt, habe ich ein halbes Jahr verloren“, sagt der Baubürgermeister. Auch der Freistaat sei an längerfristigen verbindlichen Planungen interessiert.

Gleichzeitig bereitet sich Schmidt-Lamontain auf die Haushaltsverhandlungen vor, die für den Doppelhaushalt 2021/22 im Frühjahr 2020 beginnen. Wenn es vom Freistaat kein Geld gibt, müssen die dann vielleicht 30 Millionen Euro gestreckt auf vier, fünf Jahre komplett aus der Stadtkasse bezahlt werden.

„Mit dem jetzigen Budget geht das nicht“, sagt Schmidt-Lamontain. Er müsste viel mehr Geld zur Verfügung gestellt bekommen, um andere wichtige Infrastrukturvorhaben wie den Ausbau der Großenhainer Straße oder gar der Königsbrücker Straße nicht gänzlich den Brückenbauarbeiten zu opfern. Am Ende müssten die Stadträte entscheiden, die allerdings im Kommunalwahlkampf mit diversen anderen Projekten um Stimmen geworben haben. „Für uns hat das Blaue Wunder Priorität“, sagt Schmidt-Lamontain.

Von Uwe Hofmann

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