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Lokales Blaues Wunder bekommt endlich neues Blau
Dresden Lokales Blaues Wunder bekommt endlich neues Blau
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07:40 20.04.2019
Die Arbeiten am Blauen Wunder gehen weiter. Ärger gibt es um die Finanzierung. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Das Blaue Wunder ist wieder Baustelle. Bis kurz vor Weihnachten erneuern Bauleute den außen an der Brücke verlaufenden Gehweg auf der Altstadtseite des denkmalgeschützten Bauwerks (unterstrom). Wenn sie damit fertig sind, wird dort dann das erste Mal das Blau auf großer Fläche zu sehen sein, dass nach der weiteren Sanierung in den nächsten Jahren die gesamte Brücke zieren wird.

Baugerüst muss hochwassersicher sein

Bereits 2017 hatten Bauleute den Gehweg auf der gegenüberliegenden Brückenseite erneuert. Im vergangenen Jahr ruhten die Arbeiten dann nach einer geplatzten Ausschreibung. Der Aufbau eines Hängegerüstes unter der Brückenmitte markiert nun den Beginn der nächsten, langen Bauphase.

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Das Gerüst ist in mehrfacher Hinsicht besonders: Die Gerüsttürme benötigen einen gesonderten Hochwasserschutz. Die unteren drei bis fünf Meter müssen so aufgebaut werden, dass sie im Falle eines Hochwassers nach oben gezogen und gesichert werden können. Außerdem wird das Gerüst komplett mit einer dicken, doppelwandigen Plastikhülle umgeben, wie sie schon bei den Sanierungsarbeiten am Alberthafen – auch dort geht es um eine Brücke des Blaues-Wunder-Erbauers Claus Köpcke – zum Einsatz kam. „Auf dem Blauen Wunder sind zum Teil bleihaltige und damit giftige Anstriche zum Einsatz gekommen“, erläutert Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz. „Deshalb darf es durch die Arbeiten keine Staubentwicklung geben und nichts in die Elbe oder auf die Elbwiesen fallen.“ Außerdem spiele Lärmschutz eine Rolle.

Viele der anstehenden Arbeiten werden auf einem Hängegerüst unter der Brücke erledigt. Quelle: Dietrich Flechtner

Der hohe Aufwand begründet auch die relativ lange Bauzeit bis Ende des Jahres. Deshalb hat die Stadt den Baubeginn auch nicht weiter verzögern wollen. Denn eigentlich wartet sie noch auf Fördermittel vom Freistaat. „Bisherige Bauabschnitte wurden vom Freistaat mit bis zu 90 Prozent aus dem Programm Kommunaler Straßenbau gefördert“, sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Ein entsprechender Bescheid blieb dieses Mal aus. „Wir gehen als Stadt ins Risiko, finanzieren die Baumaßnahme zunächst vollständig aus städtischen Mitteln“, sagt Schmidt-Lamontain. Andernfalls hätte man über den Winter hinaus bauen müssen, was die Baukosten in Höhe von 1,2 Millionen Euro unverhältnismäßig verteuert hätte.

Es gab nie einen grünen Anstrich

Bei der Gehbahn handelt es sich um eine Zutat aus den 1930er Jahren, als man aufgrund steigender Verkehrsbelastung den Fußgängerverkehr auf die Brückenaußenseiten verlegte. Damals wurde der Brückeninnenraum allein zur Fahrbahn. Die Pillnitz zugewandte Gehbahn erhielt dabei Eichenbohlen. Auf der Gegenseite wandte man eine neue Technik an: Es wurden dünne Stahlplatten auf Konsolen montiert, auf die eine dünne, aber zähe Schicht Gussasphalt kam. „Das hat man aus statischen Grünen so gemacht. Man musste die Belastung so niedrig wie möglich halten und hat eine haltbare Variante gefunden“, wie Koettnitz sagt. Denn: unter dem Gussasphalt hat der Brückenstahl längst nicht so gelitten, wie auf der Gegenseite unter den wasserdurchlässigen Holzbohlen. Deshalb, und aus Gründen des Denkmalschutzes, wird nach der Sanierung auch wieder ein Gussasphalt aufgebracht und damit der seit Jahrzehnten bestehende Unterschied zwischen den Gehbahnen unter- und oberstrom zementiert.

Zu den Sanierungsarbeiten gehört auch die Erneuerung der inneren und äußeren Geländer. Dort vor allem wird nach Abschluss der Stahlfacharbeiten und einem vierlagigem Anstrich das neue Blau zu sehen sein, das nach langwierigen Untersuchungen als das originale von 1893 identifiziert wurde. Die Geschichte, dass nämlich die Brücke zuerst Grün angestrichen wurde und der Farbton dann ins Blau changierte, sei ein Märchen, wie Amtsleiter Koettnitz sagt.

Teilsperrung wird zum Verkehrsexperiment

In den folgenden Jahren soll dann die gesamte Brücke einen neuen Anstrich erhalten. Zuvor müssen auf der Brücke die mit Plastik umhüllten Gerüste aufgestellt werden. Dafür wird eine Fahrbahn eingezogen – der Platz wird für das Gerüst benötigt. Autofahrer fahren dann unter der Plastikhülle wie durch einen Tunnel, das allerdings nur auf einer Länge von sechs bis zwölf Metern. „Wir müssen aus statischen Gründen viele Segmente bilden, deren Größe je nach Höhe der umhüllten Brückenteile variiert“, erläutert Amtsleiter Koettnitz. Es sei mit sehr langwierigen Arbeiten zu rechnen, die zwischen zwölf und 13 Millionen Euro kosten und deren Ende derzeit nicht abzusehen sei.

Verkehrsbürgermeister Schmidt-Lamontain will die Bauphase nutzen, um Erkenntnisse über das Verkehrsgeschehen bei einer zweistreifigen Fahrbahn auf dem Blauen Wunder zu gewinnen. In der Bauzeit wolle man den Verkehr so weit es geht weiträumig umleiten und vor der Brücke eventuell mit einer Pförtnerampel Rückstau verhindern. Die würde nur so viele Autos durchlassen, wie am Schillerplatz – einer der problematischsten Kreuzungen in Dresden – auch von der Brücke abließen können. Kommt es in den Jahren des Brückenbaus nicht zum Verkehrskollaps, wäre der Weg frei für eine dauerhafte Wegnahme einer der drei Fahrspuren auf dem Blauen Wunder. Dort könnten dann Radwege entstehen. Dafür müsste man jedoch auch den Körner- und den Schillerplatz umgestalten, wie Schmidt-Lamontain sagt.

In jedem Fall kommt für Radler eine Erleichterung: Im Herbst erhält der Körnerweg im unsanierten Teil eine provisorische Asphaltschicht. Radler sollen dadurch unfallfrei zur Waldschlößchenbrücke gelangen, sobald die Arbeiten auf dem Blauen Wunder begonnen haben.

Von Uwe Hofmann