Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Bilder des Aufbruchs: Die Ostkreuzschule stellt in Dresden aus
Dresden Lokales Bilder des Aufbruchs: Die Ostkreuzschule stellt in Dresden aus
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
14:28 31.12.2019
Stefanie Kulisch: Flughafensee, 2016
Dresden

Die Geschichte des Ostens, die in jüngster Zeit vermehrt und immer lauter erzählt wird, ist die eines Opfers. Das kommt als brachiale Verengung daher, die vermehrt auch von Parteien aufgegriffen, betont und vor allem benutzt wird. Positive Konnotationen sind rar. Als Synonyme des deutschen Ostens gelten derzeit Begriffe zwischen AfD und Lebensleistung. Dazu gesellen sich Statistiken, die die östlichen Lande eher wie einen Patienten beschreiben: weil es dort an der Produktivität des Westens fehle, an Vermögen mangele oder gar an Demokratieverständnis. Bei all dem macht sich jedoch ein Gähnen breit. Ist denn dieses Land nicht mehr als ein anhaltendes Missverständnis zweier so ungleich zusammengekommener Nationen, die eigentlich eine sein sollen? Eine rhetorische Frage, natürlich.

Quelle: David Brandt

Denn es gibt auch noch andere Geschichten, die von Aufbruch zeugen und trotzdem Konstanz in sich tragen. Solche wie die der Fotoagentur Ostkreuz, die im Herbst 1990 von sieben Fotografen im Osten Berlins gegründet wurde und der heute 23 Fotografen angehören. 2004 dann entstand, als Partner der Agentur, die Ostkreuzschule, eine private Ausbildungsstätte für Fotografie und Gestaltung.

Realisierung der Ausstellung mit Ute und Werner Mahler

Warum das eine etwas andere Ost-Geschichte ist, kann Andreas Krase gut in einen Satz packen. „In gewisser Weise haben sie das Erbe der künstlerischen und wirklichkeitsbezogenen DDR-Fotografie angetreten“, sagt er mit Blick auf Ostkreuz. Vielleicht war ja die DDR in keiner anderen Kunstform als gerade der Fotografie einer internationalen Entwicklung und Ästhetik am nächsten.

Ute und Werner Mahler sind ein Paar, sind Fotografen, sind Mit-Gründer von Ostkreuz. Mit ihnen zusammen hat Krase, Kustos für Fotografie der Technischen Sammlungen Dresden, eine Ausstellung Form werden lassen: „Gegenwarten. Deutschland“. Sie aber ist nun gerade keine Bestandsaufnahme eines wiedervereinigten Landes, das mittlerweile so oft so gar nicht wiedervereint sein will. Sie vereint vielmehr Blicke einer jüngeren Generation auf unser Land, genauer gesagt von neun Absolventen der Ostkreuzschule aus den Jahrgängen 2014 bis 2018. Sieben dieser Abschlussarbeiten wurden von den Mahlers betreut.

Gear for special forces show- cased at the Enforce Tac Fair, a trade show for Law Enforcement, Security and Tactical Solutions. Nuremberg, March 2017 / Ausstattung für Spezialeinheiten präsentiert auf der Enforce Tac, einer Fachmesse für Behörden mit Sicherheitsaufgaben. Nürnberg, März 2017 Quelle: Nils StelteNils Stelte

Das Gros der Werke stammt von Frauen

Dass bei den gezeigten 100 Werken das Gros von sechs Frauen stammt, fällt durchaus auf. „Frauen sind gründlich und misstrauisch gegenüber den technischen Tricks“, sagt Ute Mahler. Generell würden sich an der Ostkreuzschule auch mehr Frauen bewerben. Das sei aber natürlich nicht das entscheidende Kriterium, meint wiederum Werner Mahler. Wer dort aufgenommen werden will, der muss auch nicht unbedingt schon eine fotografische Vorbildung im Lebenslauf haben. Ihre Studenten sollten jedoch „die Welt reflektieren können“, nennt der Altmeister den wichtigsten Aspekt.

Mit dieser Verarbeitung der Welt, einer Fragestellung an sie, sind wir dann mittendrin in der Ausstellung. Es ist oft ein Blick mit dem nötigen Abstand, ohne verklärenden Weichzeichner. Und es ist ein Blick, der nicht genuin irgendein Ost-Raster nutzt. Trotzdem spielt dieser unser Landstrich eine Rolle – wie in Yana Wernickes Porträtserie „Irrlicht“ von 2014, in der sie Vertreter der Sorben ins Bild setzt, zumeist jung, sehr jung.

Yana Wernicke: Irrlicht, 2014 Quelle: TSD Dresden

Ihr Aufwachsen in einer traditionsdominierten Umgebung zeigt Wernicke, und der Blick in die Kamera ist dabei eher die Ausnahme. Carolin Ubl sucht und findet abseits heterosexueller Normativität Formen von Familienleben, die der CSU-Politiker Norbert Geis als „irgendwelche Fehlentwicklungen“ tituliert hatte. Stefanie Kulisch wiederum zeigt Menschen am Flughafensee Berlin-Tegel. Diese Art sozialer Suche spiegelt auch Ute Mahlers Feststellung: „Frauen interessieren sich für andere Themen.“

Was andererseits die Arbeiten der Männer nicht uninteressanter erscheinen lässt. Nils Steltes Blick auf die stellenweise martialische Ausstattung von Sicherheitskräften oder Carl Christian Schmidts Landschaften, denen so unglaublich spürbar jegliche Natur ausgetrieben wurde, sind ebenfalls Aufnahmen sozialer Zustände. Wer wollte das bezweifeln?

Ostkreuz aber – ob Schule oder Agentur – hat sich klar zu einem Qualitätsbegriff in der Welt der Fotografie gemausert. Prätentiös ist da nichts. Was es braucht, ist der genaue Blick aus einem gewissen Abstand. Dessen Ergebnisse überraschen immer wieder.

Bis 19. Januar, Technische Sammlungen Dresden, Junghansstraße 1–3 (Eingang Schandauer Straße), geöffnet Di-Fr 9-17, Sa, So & Feiertage 10-18 Uhr www.tsd.de

Von Torsten Klaus

Ein Laden der etwas anderen Art zieht um. Lan, die vietnamesische Inhaberin, verbindet die Heilkraft getrockneter Früchte mit der Kraft philosophischer Gedanken.

31.12.2019

Dresden verzichtet trotz des Drängens von Umweltschützern auf Böllerverbote zu Silvester – dabei sehen Meinungsforscher dafür eine Mehrheit. Ein paar Regeln fürs Feuerwerk gelten jedoch auch zu Silvester und am Neujahrstag. Für Verstöße droht das LKA mit ernsten Konsequenzen.

31.12.2019

Rottöne soweit das Auge reicht: Die Sonne hat sich am Montag besonders schön an Dresdens Himmel verabschiedet. Wir haben eine Galerie zusammengestellt.

30.12.2019