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Lokales Start für neuen Schulvergleich: Skepsis in Dresden
Dresden Lokales Start für neuen Schulvergleich: Skepsis in Dresden
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09:04 07.05.2019
Marie, Annika und Clara Lehmann (v. l.) von der Firma Schulen.de Gesellschaft für Schulevaluation mbH (Haspelgasse 5, 69117 Heidelberg) betreiben das Schulvergleichsportal schulen.de. Quelle: PR
Dresden

Die drei Schwestern haben sich viel vorgenommen. Marie, Annika und Clara Lehmann starten am Mittwoch, 8. Mai, das Bewertungsportal schulen.de im Internet. Und schon vor dem Start steht für sie fest: Sie verändern das deutsche Bildungswesen. Eine stichprobenweise Umfrage unter Dresdner Schulen hinterlässt allerdings eine Menge Fragezeichen.

Große Ambitionen

„Wir wissen, dass wir mit unseren Rankings sozusagen die ,heilige Kuh‘ im deutschen Bildungswesen schlachten“, erklärt Marie Lehmann, die jüngste Schwester im Gründerinnentrio des Start-ups Gesellschaft für Schulevaluation mbH mit Sitz in Heidelberg, das schulen.de betreibt. Aber die zu Grunde gelegten Kriterien seien objektiv und für jeden nachvollziehbar.

Schulen.de startet mit großen Ambitionen, die öffentliche Prüfung seiner Leistungsfähigkeit muss das Portal erst noch bestehen. Quelle: Screenshot schulen.de

Die 21-jährige Marie Lehmann studiert Psychologie. Schwester Annika ist 22 Jahre alt und Betriebswirtschaftsstudentin und die 24-jährige Clara Lehmann ist Juristin. Nach eigenem Bekunden „funktionieren“ die Schwestern nicht nur beruflich gut zusammen, sondern wohnen auch gemeinsam im Herzen der Heidelberger Altstadt.

Fünf-Sterne-System

Das Onlineportal bewerte die Angebote und Ausstattung von etwa 3800 öffentlichen und privaten Schulen in Deutschland nach einem 5-Sterne-System. Basis der Rankings seien die öffentlich zugänglichen Informationen der Internetseiten der Schulen sowie die von den Schulen selbst eingepflegten Angaben. Auf dem Onlineportal könnten Eltern und Schüler zudem die Qualität ihrer Schule individuell bewerten. Ein E-Mail-Verfahren soll Missbrauch verhindern. Lehrer würden auf dem Portal nicht bewertet.

Grundsätzlich gelte: Je größer das Angebot und je umfangreicher die Ausstattung einer Schule in einem Fachbereich ist, desto mehr Punkte bekomme sie in dieser Rubrik. Die untersuchten Kategorien sind: Sprachen, MINT (Naturwissenschaften), Musik, Kunst/Kreativ, Sport, Deutsch/Gesellschaftswissenschaften, Digitale Schule und Individuelle Förderung.

Portal will Wettbewerb fördern

Ausdrücklich stellen die Schwestern fest: „Es erfolgt keine Bewertung der Unterrichtsqualität.“ Es gebe keine individuelle und subjektive Wertung durch Mitarbeiter von schulen.de. Ein Webresearch-Mitarbeiter der Firma habe die Webseite der Schule besucht und alle dort zu findenden Angebote und Ausstattungsmerkmale in das Schulprofil der Schule eingepflegt. Für diese Aufgabe habe er sich je Schule zwischen 60 und 90 Minuten Zeit genommen. Das Portal soll für die Nutzer kostenlos sein und sich über Werbung finanzieren.

„Es geht gar nicht um die besten Schulen irgendwo“, erklärte Clara Lehmann. Die Toplisten seien am Ende nur das Ergebnis der Angebote und der Ausstattung einer Schule. „Wir wollen besonders engagierte Schulen herausstellen und für ihr Engagement auszeichnen, denn sie sollen der Maßstab für andere Schulen sein“, erklärte sie auf DNN-Anfrage. Das Portal werde den Wettbewerb unter den Schulen fördern, die Einrichtungen würden voneinander lernen, glauben die Initiatoren.

Alles auf einen Blick

Eltern und Schüler könnten alles über die Schulen vor Ort erfahren, ohne alle Webseiten besuchen zu müssen. Sie würden davon profitieren, „dass sie jetzt alle Informationen über jede Schule auf einen Blick sehen können“. Die Sternebewertung zeigt auf einen Blick, wo die Schule ihre Stärken habe.

Zumindest für den Start gibt es da bislang eine Reihe von Fragenzeichen. 27 Schulen mit Abiturausbildung sind für Dresden gelistet. Die Gymnasien Pieschen und Tolkewitz haben nach den Angaben der Schulleiterinnen durch die DNN-Anfrage erstmals vom Bewertungsportal etwas gehört.

Manche Schule ist zu jung

Beide Schulen seien Schulen im Aufbau und daher noch nicht ins Ranking aufgenommen worden, heißt es dazu bei schulen.de. Viele Bewertungskategorien für Abiturschulen können nur von den Schulen beantwortet werden, wenn die Schulen voll ausgebaut sind. „Wir werden darüber nachdenken wie wir diese Schule außerhalb des Rankings darstellen können“, erklärte Clara Lehmann.

Doch auch dem Gymnasium Cotta, seit Jahrzehnten in Betrieb, ist eigenen Angaben zufolge das Portal bislang unbekannt gewesen. „Uns sind weder irgendwelche Daten noch Möglichkeiten zu Datenkorrekturen oder Ähnliches von diesem xten-Bewertungsportal bekannt“, erklärte Schulleiter Jürgen Karras gegenüber DNN. Laut Clara Lehmann habe die Schule im Portal ein Profil, sie habe jedoch auf mehrfache Anfragen per Mail nicht reagiert.

Schulleiter zweifelt am Erfolg

Für Jens Reichel vom Gymnasium Bürgerwiese war das Verfahren rund um die Datenbearbeitung viel zu aufwändig. Vor einiger Zeit sei vom Portal eine Mail gekommen, dass eine Registrierung und die Prüfung der Daten möglich ist. „Ich habe das versucht, aber die Benutzeroberfläche war so unkomfortabel, dass ich keine Zeit und Lust hatte das zu tun.“ Außerdem habe er ein Problem mit den Gesichtspunkten und Maßstäben, nach denen die Schulen eingeschätzt werden sollen. Er habe prinzipiell nichts gegen externe Evaluationen oder Bewertungen von Schulen. Das sei notwendig und werde ja auch immer wieder von Organisationen, Medien und Wissenschaftlern versucht.

„Wenig Realität“

„Bei allen Beispielen wird klar, dass das eine enorme Professionalität und wissenschaftliche Kompetenz erfordert.“ Die Vielfalt der Schulen in allen Ländern sei nun mal sehr groß und es sei schwierig, messbare Kriterien zu finden. „Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, dass das Projekt Erfolg hat“, erklärte Reichel.

Marcello Meschke vom Bertolt-Brecht-Gymnasium hält ein solches Portal nicht für notwendig. Eltern, die eine Schule für ihr Kind suchen, bräuchten kein deutschlandweites Portal. Sie suchten regional. Schulen seien schwer vergleichbar. „Je größer man das anlegt, desto formaler wird es und spiegelt nur wenig die Realität wider.“ So wie die BeBe-Daten jetzt im Portal aufgeführt seien, habe er nichts gegen eine Veröffentlichung. Allerdings habe auch er aus Zeitgründen die Überarbeitung der Daten abgebrochen.

„Standardportal werden“

Die Macherinnen in Heidelberg ficht das alles nicht an. Die Art der Reaktion sei bekannt und in den letzten Monaten vielfach aufgetaucht. Sie sei ein „Zeichen für die große Unsicherheit und für eine Abwehrreaktion, die sich unter den Schulleitern ausgebreitet hat“. Es habe sogar Klagedrohungen gegen die Veröffentlichung von Daten gegeben. Clara Lehmann ist zuversichtlich: „Leider sind die Webseiten mancher Schulen sehr lückenhaft. Wir sind aber sicher, dass sich schulen.de durchsetzen und zum Standardportal für Schulinformationen in Deutschland werden wird.“

Von Ingolf Pleil

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