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Lokales Bewährung für Kupferdiebe
Dresden Lokales Bewährung für Kupferdiebe
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10:38 13.06.2019
Ob Signal- oder Erdungskabel, Masterden, Gleis- und Schienenverbinder – das Duo schraubte alles ab (Symbolfoto).
Ob Signal- oder Erdungskabel, Masterden, Gleis- und Schienenverbinder – das Duo schraubte alles ab (Symbolfoto). Quelle: dpa
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Dresden

Wegen bandenmäßigen Diebstahls in 48 Fällen, Sachbeschädigung und gefährlicher Eingriffe in den Bahnverkehr mussten sich am Mittwoch Maik K. und Christian E. vor dem Amtsgericht verantworten. Die beiden waren 2011/2012 offiziell zwar arbeitslos, haben aber fast jede Nacht schwer geschuftet. Das Duo montierte an Strecken der Deutschen Bahn in Sachsen und Brandenburg fleißig Kupfermaterial ab – und das im ganz großen Stil. Ob Signal- oder Erdungskabel, Masterden, Gleis- und Schienenverbinder – das Duo schraubte alles ab.

Den Rest erledigte ihre Chefin. Deren Verfahren wurde abgetrennt, laut einem Attest sei sie nicht verhandlungsfähig. Frau K. war der Boss, sie organisierte alles, besorgte Werkzeug, suchte die Strecken aus, stellte ihr Grundstück für die Lagerung zur Verfügung, nahm Kontakt zu den Schrotthändlern auf und verkaufte das Diebesgut.

Zwischen drei und vier Euro bekam sie pro Kilo – insgesamt kassierte sie 27 341 Euro. Den Gewinn, so die Angeklagten, habe Frau K. behalten. Sie hätten davon nichts abbekommen und als Gegenleistung nur freie Kost und Logis im Haus von Frau K. gehabt. Der Sachschaden bei der Bahn war viel, viel höher – er lag bei rund 400 000 Euro. Von der Gefahr, der durch die Klauerei entstand, einmal ganz abgesehen. Glücklicherweise wurde niemand verletzt, aber es kam zu Störungen bei Signal- und Schrankenanlagen. Einmal mussten sogar die Gleise gesperrt werden.

Die Angeklagten räumten die Vorwürfe ein. Sie seien von Frau K. dazu genötigt worden, erzählten sie. Mitgemacht haben sie trotzdem. Maik K. wurde zu einem Jahr und acht Monaten, Christian E. zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. Beide Strafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Zudem wurde der Einzug von Wertersatz in Höhe von 27 341 Euro angeordnet. Sie müssen also das Geld, das ihre Chefin kassierte, zunächst bezahlen, solange die nicht verurteilt wird.

Trotzdem haben die beiden noch Glück gehabt. Wäre, wie es in so einem Fall dringend nötig gewesen wäre, zeitnah und nicht erst nach sieben Jahren verhandelt worden, hätten sie längere Zeit im Gefängnis gesessen.

Von Monika Löffler