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Lokales Berliner Elefant Tembo gefällt‘s im Zoo Dresden
Dresden Lokales Berliner Elefant Tembo gefällt‘s im Zoo Dresden
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14:50 17.11.2018
Dass er seinen „Zahnstocher“ im Maul habe, sei typisch für Tembo, sagt der Berliner Tierpfleger Robert Pelissier.
Dass er seinen „Zahnstocher“ im Maul habe, sei typisch für Tembo, sagt der Berliner Tierpfleger Robert Pelissier. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Im rechten Mundwinkel ein großer Zweig, im linken ein wenig Heu, und der Rüssel schlenkert durch‘s Wasser des Badebeckens – der Berliner Elefantenbulle Tembo fühlt sich sichtlich wohl im Dresdner Zoo. Am Dienstag war der Preuße mit einem Schwerlasttransport angekommen. Hier soll er für berüsselten Nachwuchs bei den sächsischen Elefantenkühen sorgen.

Aber erst mal muss der 33-jährige Zuchtbulle natürlich mit den drei Hausherrinnen warm werden, die neuen Pfleger kennenlernen und die gesamte Elefantenanlage erkunden. Bislang kannte Tembo nämlich nur das Gehege im Berliner Tierpark, wohin er mit etwa zwei Jahren als Wildfang aus Afrika gebracht wurde. „31 Jahre lang am selben Ort und dann in ein neues Leben gesteckt – das muss man erst mal hinkriegen“, umschreibt der Berliner Tierpfleger Robert Pelissier die Herausforderung. „Aber dafür macht er sich gut. Er ist neugierig, aber vorsichtig.“ Eine „Waschstraße“ mit Bürsten zum Daran-Schubbern kannte Tembo beispielsweise bisher nicht. „Da ist er erstmal wie ein Mädchen weggerannt, aber nach fünf Minuten kam er wieder und hat er die Geräte weiter untersucht“, lacht Pelissier. Sogar baden sei der Viereinhalbtonner am Freitag schon gewesen, und auch am Samstagvormittag stand er schon wieder bis zu den Knien im Wasserbecken. „Elefanten sind da härter als wir“, beruhigt Robert Pelissier besorgte Zoobesucher, die ihn fragen, ob es dem Rüsselträger nicht zu kalt sei. „Die können selbst Minusgrade ab, solange nicht gerade Eisregen oder Schneesturm sind.“

Nach einigen Tagen im Elefantenhaus lernt der 33-jährige Zuchtbulle nun das Außengelände kennen. Es scheint sich wohlzufühlen.

Überhaupt findet Robert Pelissier nur lobende Worte für „seinen“ Tembo (Suaheli für „Elefant“): „Er ist ein sehr ruhiger Kerl, ein entspannter, cooler Elefant.“ Auch mit seinen drei Kühen und dem Nachwuchs habe es nie Probleme gegeben, berichtet der Berliner Bezugspfleger. „Tembo ist ein ziemlicher Familienfreund, seine Kinder konnten ihn die ganze Zeit nerven.“ Und das, obwohl Elefantenbullen eigentlich Einzelgänger sind. Diese Tatsache erleichterte übrigens den Berliner Dickhäuter-Damen den Abschied. „Die Mädels haben wohl ein, zwei Tage nach ihm gesucht, aber dann festgestellt: Okay, der ist weg“, kommentiert der Pfleger. „In der Natur ist das bei Elefanten eben so: Gene weitergeben und weiterziehen.“

Elefantenkühe im fortgeschrittenen Alter

Ob das „Gene weitergeben“ in Dresden klappt, wird sich zeigen. Gute Voraussetzungen bringt Tembo jedenfalls mit: Er ist bereits siebenfacher Vater und in einem guten Zuchtalter. Bei den Dresdner Elefantendamen – 24, 25 und 28 Jahre alt – hingegen tickt sozusagen schon die biologische Uhr. „Kühe sollten bis 20 Jahre züchten“, weiß Ronny Moche, Revierleiter im Dresdner Zoo. „Die haben ja mit etwa acht Jahren ihren ersten Zyklus, und diese Hormon-Achterbahn aller 15 Wochen ist anstrengend für den Körper.“ Allerdings könne Stress die fruchtbaren Tage verschieben oder den Zyklus komplett durcheinanderbringen. Aber man wolle alles versuchen, dass Drumbo, Mogli und Sawu noch Mütter werden können.

Die Dresdner Elefantenpfleger legen viel Wert auf Abwechslung durch vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten, betont Moche. Sie wollen den Tieren keinen bestimmten Tagesablauf aufzwingen, sondern als Menschen in den Hintergrund treten und die Tiere möglichst „frei“ leben lassen. Und zu einem natürlichen Elefantendasein gehört eben auch die Aufzucht von Nachwuchs. „Das Beste, was man den Tieren zur Beschäftigung bieten kann, ist ein Jungtier.“

Vertragen sich die Sächsinnen mit dem Preußen?

Doch dafür müssen sich die drei Sächsinnen und der Preuße erst mal besser kennenlernen, damit die Pfleger sie zusammenlassen können. Noch stehen Männlein und Weiblein in getrennten Boxen oder in verschiedenen Bereichen des Außengeheges, aber durch die Gitter hindurch können sie sich schon beschnuppern. Momentan seien Drumbo, Mogli und Sawu noch ziemlich nervös und unsicher, erzählt Ronny Moche. Ob die Damen mit dem Neuzugang klarkommen und eventuell die Rangordnung umgekrempelt wird, wird sich später herausstellen.

Die ersten „Zusammenführungs-Versuche“ werden die Pfleger unternehmen, wenn keine oder kaum Besucher an der Dickhäuteranlage sind. „Das Gerangel sieht mitunter unschön aus, die Tiere können durchaus schreiend über das Gelände laufen“, erklärt er. Solange dabei kein Tier ernstlich verletzt würde, sei dieses Verhalten vollkommen normal und bedeute positiven Stress für die Dickhäuter. Sein Berliner Kollege ergänzt: „Elefanten können gut austeilen, aber auch gut einstecken.“

Von ttr

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