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Lokales Bergstraßenblitzer hat bereits 5500 Raser erwischt
Dresden Lokales Bergstraßenblitzer hat bereits 5500 Raser erwischt
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07:01 01.06.2018
Biltzer an der Bergstraße
Biltzer an der Bergstraße Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Der neue Blitzer an der Bergstraße entwickelt sich zu Dresdens erfolgreichster Raserfalle. 5573 Mal hat die am 27. Februar installierte Anlage bisher geblitzt. Das ist mehr als 15 der bisher 18 in Dresden aktiven Blitzer im ganzen Jahr 2017 geschafft haben. Im Ordnungsamt denkt man nun über weitere neue Blitzerstandorte nach.

Wie viel Geld hat der Bergstraßenblitzer bisher eingespielt?

130 660 Euro aus Geldbußen sind bisher zusammengekommen. Damit hat der Blitzer schon jetzt in drei Monaten mehr eingenommen als die meisten Bestandsblitzer. Im ganzen Jahr 2017 waren nur die Blitzer auf der Waldschlößchenbrücke in Richtung Altstadt (17 457 erwischte Raser/516 480 Euro Geldbußen) und in Richtung Neustadt (5557/150 115 Euro), an der Radeburger Straße (10 902/262 995 Euro) sowie der Bautzner Straße auf Höhe der Elbschlösser (8538/183 675 Euro) einnahmeträchtiger.

Im Großteil handelt es sich an der Bergstraße um kleinere Überschreitungen im Verwarngeldbereich, beträgt die durchschnittliche Geldbuße 23,45 Euro. Es sind auf der steil ansteigenden Strecke, an der 50 Stundenkilometer (km/h) gelten, aber auch regelrechte Wahnsinnsfahrten registriert worden. Die schnellsten Fahrer waren mit 104 km/h, zwei Mal 103 km/h, 101 km/h und 98 km/h unterwegs. Dafür gab es für die ersten vier Raser 280 Euro Bußgeld und zwei Monate Fahrverbot, der letztgenannte Fahrer kam noch gerade so mit 200 Euro Bußgeld und einen Monat Fahrverbot davon.

Wie geht es an der Bergstraße weiter?

Erfahrungsgemäß beruhigt sich das Geschehen an neuen Blitzern, weil die Autofahrer sich an die neue Anlage gewöhnen und sich dort geltenden Verkehrsregeln verpflichtet fühlen. Nicht so an der Bergstraße. „Eine Gewöhnung der Autofahrer an den neuen Standort ist derzeit noch nicht erkennbar“, heißt es aus dem Ordnungsamt.

Das bedeutet vor allem zweierlei: Die Anlage ist auch aus verkehrstechnischer Sicht berechtigt, obwohl sie ja eigentlich aus Erwägungen zur Luftreinhaltung aufgestellt wurde. Denn die dortige Luftmessstation misst seit Jahren Stickoxidbelastungen jenseits der zulässigen Grenzwerte, was einer gemeinsamen Untersuchung von Fachleuten des Lehrstuhls für Verbrennungsmotoren an der Technischen Universität Dresden und des Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) zufolge auch an zu hohen Geschwindigkeiten auf dem stark ansteigenden Straßenabschnitt liegt. Bei einem Diesel-Pkw (1,6 Liter Hubraum) verdoppele sich demnach der Schadstoffausstoß bei Tempo 60 gegenüber der Fahrt mit 50 Kilometern pro Stunde von 400 auf 820 Milligramm Stickoxid pro Kilometer. Ob sich das durch den neuen Blitzer bessert, könnten erste langfristige Messungen zeigen, heißt es vom LfULG. Zweitens: Der Bergstraßenblitzer könnte in der Jahresstatistik der fleißigsten Blitzerfallen die seit Jahren ganz oben stehenden Starenkästen auf der Waldschlößchenbrücke ablösen.

Wo sollen die neuen Blitzer aufgestellt werden?

Da hält man sich im Ordnungsamt noch bedeckt. Keine Auskunft zu Standorten und geplanter Inbetriebnahme, weil die Ausschreibung dazu noch laufe. Nur so viel: vier neue Standorte sind geplant. Zwei von ihnen sollen Fahrer in den Fokus nehmen, die trotz rotem Ampellicht über Kreuzungen brausen. Das tun derzeit nur drei Anlagen in Dresden, was im Vergleich zu anderen Städten sehr wenig ist. In Leipzig sind es 30, zehn Mal so viele.

Das Defizit hat man inzwischen erkannt. „Der Wunsch nach mehr Rotlichtüberwachung, insbesondere an Fußgängerlichtsignalanlagen, kam erst in den letzten zwei bis drei Jahren auf“, heißt es aus dem Ordnungsamt. Dort verrät man weiterhin, dass zwei der neuen Blitzer alte bekannte sind: Die Starenkästen vom Georgplatz und vom Rathenauplatz sollen umgesetzt werden. Sie sind derzeit ohnehin inaktiv.

Wie viele blinde Blitzer gibt es derzeit in Dresden?

Außer den beiden genannten ist noch der am Dippoldiswalder Platz nur leere Hülle. Er wird nur mit Kameratechnik bestückt, wenn andere Messstandorte zum Beispiel wegen Straßenbaustellen außer Betrieb genommen werden müssen.

Lässt man sich aus verkehrserzieherischen Gründen Zeit beim Abbau inaktiver Anlagen? „Das ist ein möglicher Grund“, heißt es salomonisch aus dem Ordnungsamt. In der Regel blieben die Anlagen solange stehen, bis ein neuer Platz, etwa an einer besonders schützenswerten Einrichtung wie einer Schule oder einer Kita oder an einem Unfallschwerpunkt für sie gefunden sei. Noch mehr zu denken gibt die Antwort auf die Frage, warum die Blitzer Georg- und Rathenauplatz an der wichtigen Nord-Süd-Achse St. Petersburger Straße aus dem Betrieb sind. Die Fahrbahn sei dort in einem so schlechten Zustand, dass die Anlagen nicht geeicht werden können.

Von Uwe Hofmann