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Lokales „Beim 13. Februar haben wir die Spaltung überwunden“
Dresden Lokales „Beim 13. Februar haben wir die Spaltung überwunden“
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07:35 13.02.2019
Joachim Klose, Moderator der Arbeitsgruppe 13. Februar.   Quelle: Archiv
Dresden

Seit 2013 moderiert Joachim Klose die Arbeitsgruppe 13. Februar der Landeshauptstadt Dresden. Im DNN-Interview erklärt der Landesbeauftragte für Sachsen der Konrad-Adenauer-Stiftung, wie es beim Thema Gedenkkultur gelungen ist, die Spaltung der Stadtgesellschaft zu überwinden.

Frage: Als Sie die Arbeitsgruppe vor fast sechs Jahren übernommen haben, prallten die Gegensätze noch öffentlich aufeinander. Was hat sich geändert?

Joachim Klose: Ideologie spielt in der Arbeitsgruppe 13. Februar keine sichtbare Rolle mehr. Diejenigen, die an den Sitzungen teilnehmen, gehen viel stärker aufeinander ein.

Wer sich in die Menschenkette einreiht, will Demokratie und Gemeinschaft erhalten.

Wie ist das gelungen?

Alle in dieser Arbeitsgruppe haben das gleiche Ziel. Der 13. Februar darf nicht von Extremisten missbraucht werden. Alte und neue Nazis sollen keinen Resonanzraum erhalten. Um den Resonanzraum zu verschließen, hat die Arbeitsgruppe den ganzen Tag gestaltet. Beide Seiten sind wichtig: Aktiver Protest gegen Nazis, aber auch die Menschenkette. Wenn es die Menschenkette nicht gäbe, würden wir eine Potenzierung von Gewalt erleben. Wir öffnen den Resonanzraum für Extremismus nicht, indem wir die Stadt besetzen.

Bleibt die Menschenkette deshalb zeitgemäß?

Sie symbolisiert den Grundkonsens für den Erhalt unseres Gemeinwesens. Wer sich in die Menschenkette einreiht, will Demokratie und Gemeinschaft erhalten. Eine ganze Stadt kann nicht schuldig werden. Aber wir wissen um das Leid, dass wir in die Welt getragen haben und tragen eine besondere Verantwortung dafür. Das heißt nicht, dass die jetzt lebende Generation schuldig ist. Aber sie muss sich dieser Verantwortung stellen und sie übernehmen, kann die Vergangenheit nicht gutheißen. Das ist ein zeitloses Thema. Deshalb ist die Menschenkette zeitgemäß.

Mit einer Menschenkette wird der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gedacht. Quelle: picture alliance / Monika Skolimowska

Es wird oft über die Spaltung der Stadtgesellschaft geklagt. Ist die Methodik der Arbeitsgruppe 13. Februar eine Möglichkeit, die Spaltung produktiv zu überwinden?

Ich denke schon. Auch negative Dinge sind eine Prägung, die wir annehmen müssen, um die Zukunft zu gestalten. Die Dinge, die uns begrenzen, müssen wir akzeptieren und in etwas Positives münden lassen.

Ist Dresden mit seinem jährlichen wiederkehrenden Blick in die Vergangenheit rückwärtsgewandt?

Gar nicht. Dresden ist eine schöne Stadt. Es gibt etwas, das die Menschen erhalten und bewahren möchten. Deshalb nehmen die Menschen Anteil. Sie wissen um die Schönheit, aber auch um den Verlust. Dresden kommt eine besondere Rolle zu. Die Schönheit der Stadt führt aber auch dazu, dass Dresden gesehen wird. So wurde die Stadt als Bühne immer wieder instrumentalisiert. Erst von den Nazis und dann von der DDR.

Freiheit heißt, Verantwortung zu übernehmen.

Welche Chance liegt für Dresden in dieser Aufmerksamkeit?

Dresden ist die westeuropäische Großstadt, die den osteuropäischen Ländern am nächsten liegt und mit ihnen eine gemeinsame Vergangenheit teilt. Wir können in Dresden emotional nachvollziehen, was in den osteuropäischen Demokratien passiert. Schon aus diesem Grund würde ich Dresden den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ verleihen. Als einem Ort, der es dem liberalen Westen leicht macht, den Osten zu verstehen und so eine Brückenfunktion für diese Länder hat.

13. Februar in Dresden

Das Themenspecial zum Gedenken an die Zerstörung Dresdens

Ist Dresden eine konservative Stadt?

Ich glaube schon. Die Menschen nehmen Anteil am Geschehen, weil sie um die Schönheit der Stadt wissen. Sie diskutieren zum Beispiel jede einzelne Fassade auf dem Neumarkt, sie moderieren die Geschwindigkeit der Entwicklung in der Gesellschaft und nehmen Bewertungen vor. Am Ende kommt etwas Gutes dabei raus, auch wenn es manchmal etwas länger dauert. Das sehen wir am Neumarkt, mit dem Dresden an Attraktivität gewonnen hat.

Ist Konservatismus etwas Schlechtes?

Nein. Ein Konservativer ist jemand, der die Freiheit in Verantwortung liebt und aktuelle Prozesse bewertet, moderiert und begrenzt. Das ist der Unterschied zum linken Gedankengut. Linke wollen eine Freiheit in Beliebigkeit. Sie wollen sich alle Möglichkeiten offen halten. Das geht aus konservativer Sicht nicht: Freiheit heißt, Verantwortung zu übernehmen.

Wir haben es in der Debatte nicht geschafft, die Bürgerschaft vom Rechtsextremismus zu trennen.

Wieso hat sich Pegida gerade in Dresden entwickeln können?

Der Impuls für Pegida war eine Reaktion auf linksextremistische Tendenzen, auf der Prager Straße Geld für die Bewaffnung von Kurden zu sammeln. Es bestand, berechtigt oder unberechtigt, die Sorge, damit externe Konflikte in unser Land zu tragen. Am 31. August 2014 war Landtagswahl, und die NPD ist aus dem Landtag geflogen. Sie hat den Kampf um die Parlamente verloren und den Kampf um die Köpfe und die Straße wieder intensiviert. Damals begann parallel die Problematik der Zuwanderung. Die ungeklärten Probleme haben Menschen auch aus der Mitte der Gesellschaft auf die Straße gebracht. Hätte man damals offen diskutiert und die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger ernst genommen, wäre es nicht zu dieser Dimension von Pegida gekommen.

Auch beim Umgang mit Pegida prallen die Meinungen aufeinander. Dialog, fordern die Einen. Ächtung und Ausgrenzung die Anderen. Was ist richtig?

In Dresden gibt es ein Sensorium, das sehr aufmerksam auf rechtsextremistische Tendenzen reagiert. Und da wurde vieles von Pegida vorschnell in die rechte Ecke gestellt. Wir haben es in der Debatte nicht geschafft, die Bürgerschaft vom Rechtsextremismus zu trennen. Bei Pegida nicht und auch in Chemnitz nicht. Wir hätten von Anfang an den Dialog stärker forcieren müssen, auch wenn wir überhaupt nicht mit den vorgetragenen Positionen übereinstimmen. Prinzipiell ist es gut und gehört zur Demokratie, wenn bei gesellschaftlichen Entwicklungen die Sorgen, Ängste und Nöte der Bürger gehört werden und die Verantwortlichen darauf reagieren.

Ist Pegida konservativ:

Nein.

Und die AfD?

Diese Partei hat konservative Anteile. Aber welche Anteile die Oberhand gewinnen, muss sie selbst noch klären. Wer Werte wie den Pluralismus verbal kaputt macht, ist für mich nicht konservativ.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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