Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Bei der Jugendhilfe in Dresden drohen Einschnitte
Dresden Lokales Bei der Jugendhilfe in Dresden drohen Einschnitte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:40 22.01.2019
Symbolfoto. Quelle: dpa
Anzeige
Dresden

In der Dresdner Jugendhilfe drohen aus finanziellen Gründen Einschnitte bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Das befürchten Geschäftsführerin Anett Dahl vom Stadtjugendring und Carsten Schöne, der die Geschäftsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Dresden leitet.

Sie reagieren damit auf die Diskussion um die Aufstockung der Jugendhilfegelder. Vor dem Haushaltsbeschluss des Stadtrats Ende 2018 hatte sich der Jugendhilfeausschuss nach Abstimmungen mit der Verwaltung für die Aufstockung der geplanten Ausgaben um 1,2 Millionen Euro für 2019 und 1,4 Millionen Euro für 2020 ausgesprochen. Nach der geplatzten Mehrheit von Linken, SPD und Grünen wurde jedoch vom Stadtrat der weitgehend unveränderte Entwurf der Verwaltung und eine Liquiditätsreserve von rund 43 Millionen Euro beschlossen, aus der nun zu Beginn des Jahres zusätzliche Ausgaben finanziert werden sollen. Welche Projekte das sind, ist jedoch noch offen. Ein Vorschlag von rot-grün-rot, in dem die Aufstockung für die Jugendhilfe enthalten ist, scheiterte zunächst im Finanzausschuss (DNN berichteten). Wie der Stadtrat darüber entscheidet ist völlig offen.

Anzeige

Verwirrung um Zahlen

Bildungsbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) und Jugendamtschef Claus Lippmann sprachen sich im jüngsten Jugendhilfeausschuss dafür aus, einen Beschluss des Stadtrats zur Präventionsarbeit in der Jugendhilfe aufzuheben. Mit 400000 Euro soll durch frühzeitige Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus schwierigen Verhältnissen verhindert werden, dass sie später in kostspielige Betreuungsmaßnahmen aufgefangen werden müssen. Die Umsetzung ist jedoch umstritten.

Die Verwaltung hatte andere Vorstellungen als vom Stadtrat noch mit rot-grün-roter Mehrheit beschlossen worden sind. Nun argumentiert die Verwaltung, wenn der Stadtrat den Präventionsbeschluss aufhebt, könnte das Geld in die Jugendhilfe fließen und zur Deckung der Kostensteigerungen ausreichen. Das hätte aktuellere Berechnungen ergeben. Würde der Beschluss nicht aufgehoben, ginge das zu Lasten der Angebote der freien Träger in der Jugendhilfe.

Dahl und Schöne halten davon recht wenig. „Die Zahl der Verwaltung sind schwer nachvollziehbar und haben für viel Verwirrung gesorgt“, erklärte der Geschäftsstellenleiter des Wohlfahrtsverbandes. Beide halten etwa 1,2 Millionen Euro jährlich für Aufstockungen bei den Personalkosten, den Sachkosten, der Verbandsarbeit und der Straßenschule für zwingend notwendig.

So habe der Stadtrat selbst eine Aufstockung des Personals beschlossen. „Bisher ist das aber im Haushalt nicht enthalten“, erklärte Dahl. Außerdem sei die Orientierung an der Tarifentwicklung im öffentlichen Dienst wichtig, um Fachkräfte binden oder gewinnen zu können.

Die beiden Fachleute hoffen, dass der Stadtrat die notwendigen Gelder bereit stellt. Anderenfalls drohe die Einschränkung von Angeboten. Betroffen sein dürfte dann die sogenannte offene Jugendarbeit. Das sind unter anderem die Jugendhäuser, die allen Kindern und Jugendlichen offen stehen. „All diese Angebote basieren auf der vom Stadtrat beschlossenen Bedarfsplanung“, warnt Schöne vor den entstehenden Lücken. Angesichts der in Rede stehenden Summen käme es zu einer Kürzung von acht bis zehn Stellen. Dann müssten vier bis fünf Angebote der Jugendarbeit in Dresden eingestellt werden.

Von Ingolf Pleil

Anzeige