Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Begrüßungsgeld war keine Erfindung aus der Wendezeit
Dresden Lokales Begrüßungsgeld war keine Erfindung aus der Wendezeit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:58 10.11.2019
Anstehen fürs Begrüßungsgeld – hier am 11. November 1989 im niedersächsischen Duderstadt. Quelle: dpa-Zentralbild
Dresden

In den Erinnerungen von Wolfgang Schäuble gehörte es mit zu den größten Herausforderungen unmittelbar nach der Grenzöffnung der DDR: „Die Mauer fiel an einem Donnerstag, und ich musste damals als Innenminister zusehen, das wir das Wochenende organisiert bekommen: Wir mussten genug Bargeld haben für das Begrüßungsgeld, denn es war klar, dass da ein paar Millionen Menschen kommen.“ So blickte der CDU-Politiker kürzlich im „Spiegel“ auf die Wendezeit zurück und so war es damals auch gekommen.

Seit 1970 gab es für jeden Besucher aus der DDR Begrüßungsgeld

Dabei hatte die Bundesrepublik das Begrüßungsgeld keineswegs zum Fall der Mauer erfunden. Vielmehr wurde bereits seit 1970 an jeden Besucher aus der DDR Begrüßungsgeld gezahlt. Es begann mit 30 D-Mark für zwei Besuche im Jahr, seit 1988 waren es dann 100 D-Mark einmalig im Jahr. Die Reisen in den Westen waren für DDR-Bürger ohnehin die Ausnahme. Zuletzt war es bei besonderen familiären Anlässen oder im Rentenalter möglich, eine Million Menschen erhielt seinerzeit Begrüßungsgeld.

30 Jahre Friedliche Revolution 1989 – Die Geschichten

2019 jährt sich der Mauerfall zum 30. Mal. 1989 trugen sich auch in Dresden denkwürdige Geschichten zu. Wir erzählen sie.

Wie Dresdner Rektoren 1989 Schüler belügen sollten

Dresdner deckten die Wahlfälschung 1989 in der DDR auf

Hunderte Festnahmen und Verletzte: Die DDR besiegelte in Dresden ihren Untergang

Städtische Galerie Dresden zeigt Bilder aus der letzten Kunstausstellung der DDR

Drei Jahrzehnte – Drei Schicksale: Warum DVB-Sprecher Falk Lösch einfach nicht zum Studieren kam

Drei Jahrzehnte – Drei Schicksale: „Ich dachte, jetzt drehen sie alle durch“

Drei Jahrzehnte – Drei Schicksale: Wenn Opa von der DDR erzählt, wird viel gelacht

Dresdner Soziologe: „1989 war eine originale Revolution in der Weltgeschichte“

Schon die DDR hatte sich ein „Begrüßungsgeld“ ausgedacht

Was DNN-Autor Heiko Weckbrodt mit seinem Begrüßungsgeld gemacht hat

Begrüßungsgeld war keine Erfindung aus der Wendezeit

Nach dem 9. November 1989 wurden grenznahe Orte praktisch überrannt. In West-Berlin wies der Regierende Bürgermeister Walter Momper (SPD) an, dass die Sparkassen auch nachts öffnen sollten. Einige Kommunen und Bundesländer legten sogar noch etwas drauf. In Bayern beispielsweise gab es 40 D-Mark zusätzlich.

Am 29. Dezember 1989 endete die Begrüßungsgeldzahlung

Trotzdem: Bei 17 Millionen Einwohnern in der DDR wären rund 1,7 Milliarden D-Mark zusammengekommen. Später wird festgestellt werden, dass mehr als zwei Milliarden D-Mark ausgezahlt worden sind. Bei allen Unwägbarkeiten rund um diese Zahlen, gab es wohl auch ein paar zweifelhafte Umtriebe. So sollen die Stempel für die erfolgte Auszahlung im Ausweis ausgewaschen oder gleich neue Ausweise besorgt worden sein. Am 29. Dezember 1989 endete die Begrüßungsgeldzahlung, fortan mussten Ost-Mark in West-Geld umgetauscht werden.

Nach der staatlichen Einheit ab 3. Oktober 1990 beginnen staatsanwaltliche Ermittlungen zu Betrügereien mit dem Begrüßungsgeld. 1991 wird zum Beispiel ein Rentner aus Berlin-Friedrichshain, der sich insgesamt sechsmal Begrüßungsgeld abholte, zur Rückzahlung von 500 Mark und zu einer Geldstrafe von 750 Mark verurteilt. Andere DDR-Bürger bekamen offenbar ein schlechtes Gewissen. 677 000 Mark sollen allein in Berlin zurückgezahlt worden sein, schrieb die „BZ“ später.

Liebe Leser,

einige Mitarbeiter der DNN haben über ihre Erfahrungen mit dem Begrüßungsgeld berichtet. Jetzt schlägt Ihre Stunde! Lassen Sie uns und die anderen Leser an Ihren Erlebnissen teilhaben. Schreiben Sie uns, wo Sie das Begrüßungsgeld erhalten und was Sie damit angestellt haben. Vielleicht haben Sie noch Fotos vom ersten Einkauf, dann schicken Sie diese gemeinsam mit ihrer kleinen Geschichte (bis zu 1000 Zeichen) mit an lokales@dnn.de oder die DNN-Redaktion, Dr.-Külz-Ring 12, 01067 Dresden. Betreff: „Begrüßungsgeld“ bitte nicht vergessen! Wir wählen dann die interessantesten Geschichten für die Veröffentlichung aus.Herzlichen Dank, Ihre DNN

Von Ingolf Pleil

Die Umgestaltung der Bautzner Straße am Albertplatz geht nächste Woche zu Ende. Dort sind eine neue Radlerfurt, eine Fußgängerampel und Radwege entstanden. Gewerbetreibende und Radfahrer sind dennoch unzufrieden.

09.11.2019

Am 9. November vor 30 Jahren öffnete sich die Mauer. Im Wende-Deutschland herrschte Ausnahmezustand und auch heute gibt es noch allen Grund, diesen bedeutenden Tag deutscher Geschichte gebührend zu ehren und zu zelebrieren. Diese Veranstaltungen finden rund um das Jubiläum in Dresden statt.

09.11.2019

Julia Buchwitz wurde eine Dekade nach der Wende geboren. Als Ostdeutsche fühlt sich die Geschichtsstudentin 30 Jahre nach dem Mauerfall nicht.

09.11.2019