Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Baywobau-Chef reagiert auf Kritik an Postplatz-Bebauung in Dresden
Dresden Lokales Baywobau-Chef reagiert auf Kritik an Postplatz-Bebauung in Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:14 07.02.2019
Nach Ansicht von Baywobau-Geschäftsführer Berndt Dietze sind die Architekten in der Innenstadt hohen Anforderungen gerecht geworden. Quelle: Baywobau
Dresden

Nachdem 1829 die letzten Reste der westlichen Stadtmauer abgetragen, die Wälle und Graben eingeebnet waren, bildete sich der Wilsdruffer Torplatz, der spätere Postplatz, einer der wichtigsten Knotenpunkte des Nahverkehrs auf dem 10 Straßen einmünden, heraus. Sicher hatte der Platz an seiner Platzkante einige repräsentative, architektonisch wertvolle Gebäude wie das erst 1956 abgerissene Palasthotel, das Adam‘sche Haus und das alles dominierende Postgebäude. Den dazwischen gelegenen Platzraum aber als den prominentesten Platz bzw. bedeutendsten Stadtplatz Dresdens zu bezeichnen, ist stark überzogen und polemisch.

Wenn ich die Generation meiner Eltern zu den wichtigsten Plätzen fragte, die sie nach der Zerstörung gern wiederaufgebaut gesehen hätten, wurden Plätze wie der Altmarkt, der Neumarkt, der Schloß-/Theaterplatz und auch der Pirnaische sowie der Albertplatz genannt. Der Postplatz gehörte eher am Rande dazu, da er seit seiner Entstehung als Verkehrsknotenpunkt wahrgenommen wurde. Auch war der Postplatz nie ein geschlossener Platz, was besonders den Wert eines Platzes ausmacht. Der Blickbereich zum Zwinger zwischen Ostra-Allee und Sophienstraße war immer frei von einer Bebauung. Ihn mit dem bedeutendsten Aufmarschplatz Chinas, dem Millionen Menschen aufnehmenden Platz des himmlischen Friedens zu vergleichen, scheint mir stark übertrieben zusein.

Baywobau-Chef Berndt Dietze verteidigt in seinem Beitrag die Bauqualität am Postplatz. Quelle: Anja Schneider

Trotzdem besteht für die Bebauung des Postplatzes und der freien Räume der abgehenden Straßen am Rand des Kerngebietes der historischen Altstadt eine wichtige und große Herausforderung. Und so stellt sich auch die Frage nach der architektonischen Gestaltung: Wiederaufbau der repräsentativen, vorstehend genannten Solitärbauten und dem Bau kleinteiliger Gebäude in die abgehenden Straßen hinein oder ein zeitgemäßes, großzügig der Nutzung folgendes Gebäudeensemble zu gestalten. Die solitären Platzbauten waren es früher, die zwangsweise keinen architekturbezogenen, harmonischen Übergang zu den Wohn- und Geschäftsbauten der angrenzenden Straßen boten. Als Beispiel kann die an der Wallstraße/Antonsplatz bis Februar 1945 gestandene große funktionale Postwageneinstellhalle genannt werden.

Im Gegensatz zur Neumarktbebauung bestand somit nicht die Notwendigkeit einer kleinteiligen mit historischen Fassaden versehenen Bebauung. Nachdem der Postplatz die namensgebende Funktion als Platz für Postdienstleistungen verloren hat und nicht einmal die Deutsche Post, der ja das größte Grundstück am Postplatz gehörte, bereit war, ein an die historische Bebauung angelehntes repräsentatives Gebäude zu errichten, musste eine neue nutzerbezogene Bebauung erfolgen.

Die städtebauliche Basis und Orientierung wurde 1991 mit dem Städtebaulichen Wettbewerb und der Prämierung des Entwurfes von Herrn Prof. Schürmann gelegt. Da in unserer Zeit es kaum Bedarf für großflächige Büro- und Verwaltungsbauten gibt – sicher hätte einem neuen ENSO-Gebäude der Platz ganz gut getan – musste eine zeitgemäße Nutzung, die zwangsweise auch die adäquate architektonische Antwort erforderte, gefunden werden. Die Nutzung ist hier und heute das Wohnen und die Architektur die Moderne. Es ist ein Glücksfall für Dresden, und das wird man in keiner anderen Großstadt in Deutschland so finden, dass mitten im Zentrum der Wohnungsbau dominiert. Dies stellte auch Dr. Klinkenbusch in einer der von der Gesellschaft historischer Neumarkt durchgeführten sehr interessanten Veranstaltung zur Innenstadtbebauung als einmalig und positiv heraus. Dass es erst nach nahezu 30 Jahren gelungen ist, diese Postplatz-Zentrumsbebauung mit Wohnen und Geschäften zu realisieren, gibt einem zu denken und zeigt, dass dies auf eine Reihe neuerdings gleichzeitig positiv wirkende Faktoren zurückzuführen ist.

Die Bebauung am Postplatz sorgt für Diskussionen. Quelle: Tchoban & Voss

Es ist zum einen der Stadtplanung mit ihrem Mut zur Abkehr von der bereits 1991 vom Architekten J. Schürmann vorgesehenen, nicht umsetzbaren Planung und die Neuerarbeitung von an den historisch orientierten Straßenfluchten und den wohnbezogenen Bebauungsplänen zu verdanken. Positiv wirkt auch der stete Zuzug von Neu-Dresdnern, die stärkere Zuwendung zum Wohnen in der Innenstadt und dies nicht nur von Senioren, sondern auch jungen Familien. Für das Wohnen in der Innenstadt mit seinen großen Vorteilen des schnellen Erreichens von Geschäften, Restaurants, Theater, Museen, Sportstätten und auch Naherholungszentren auf kurzen Wegen ist auch die Bereitschaft gewachsen, die unbedingt notwendigen, durchschnittlich 12 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete zu zahlen. Der wichtigste Grund jedoch ist (war), die länger anhaltende Niedrig-Negativ-Zinsphase, die insbesondere die Pensionszahlungen verwaltenden Investoren anregte, trotz niedriger Renditen ihre Einlagen über den Kauf von Wohn- und Geschäftshäusern langfristig positiv zu sichern. Im Gegenzug bedarf es für uns als Errichter der Wohn- und Geschäftshäuser in der Innenstadt, mit ihren hohen Grundstückspreisen, einer notwendigen, aber teuren Archäologie (z.B. Erhalt der Stadtmauer im 2. Untergeschoss an der Wallstraße), den hohen Ansprüchen des Parkens durch den Bau einer Tiefgarage über zwei Ebenen, mit einer kostenintensiven bauzeitlichen Wasserhaltung, der ständigen Erhöhung der Baupreise, den ständig wachsenden Forderungen des Lärm- und Erschütterungsschutzes (Straßenbahn) und des Brandschutzes sowie vieler weiterer Faktoren zu entsprechen, großer Anstrengungen, die Wirtschaftlichkeit zu sichern. Auch wenn das Wohnen in der Innenstadt an Anziehung gewinnt, steht es bei den Mieten um die 12 Euro pro Quadratmeter in Konkurrenz zu beliebten, hochwertigen Stadtteilen wie z.B. Blasewitz, Weißer Hirsch, Striesen, Strehlen oder der Südvorstadt.

Somit mussten die Architekten neben der Gestaltung des Äußeren der Gebäude alle Bedingungen einer hohen Wohnkultur und -qualität durch eine starke Belichtung mit großen Fenstern, attraktiven Balkon- und Terrassenanlagen, der Gestaltung ruhiger, grüner Innenhofzonen, Aufzügen die von der Tiefgarage bis zur Wohnetage fahren, erfüllen. Gleichermaßen galt es, die Wallstraße zu einem für die Besucher und Bewohner durch Läden mit hohen Räumen und Helligkeit und der Einbeziehung des bereits bestehenden Baumbestandes zu einem anziehenden Boulevard zu machen. Wir, die Bauherren die Baywobau CTR GmbH & Co. KG und die Investoren sind sehr froh, dass das Architekturbüro Knerer & Lang GmbH zwei aus unserer Sicht positiv das Stadtbild prägende Gebäude, die mit hochwertigen Materialien (z.B. die Sonne spiegelnden Gold-Messing-Flächenelementen) die Fassaden gestaltet haben und alle die vorstehend genannten Attribute für schönes Wohnen und kundenfreundlichen Handel erfüllt haben. Auch das Motel One und der Wilsdruffer Kubus setzen mit ihren Vollklinker- bzw. Sandsteinfassaden einen nachhaltig wertigen Rahmen. Wir sind zutiefst überzeugt, wenn die Bebauung Mitte 2020 abgeschlossen ist und man vom Grünzug der Marienstraße aus zur Innenstadt schaut, ein aus vier Gebäuden bestehendes, gelungenes und facettenreiches modernes Gebäudeensemble wahrnehmen wird und selbst einige der heutigen Kritiker ihren Frieden mit dieser Architektur machen werden. Nach den mittleren zwei Gebäuden von Knerer & Lang GmbH fügt sich dann in starkem Maße das bereits im Stadtbild wahrgenommene und von den IPRO-Architekten entworfene Gebäude Merkur mit der Postbank sowie das von den Architekten Tschoban und Voss entworfene Gebäude mit seiner abgerundeten stilvollen Fassade in die Postplatz-Silhouette ein.

Das Büro Knerer und Lang Architekten hat seinen Entwurf weiterentwickelt. Quelle: Dresdner Neueste Nachrichten

Das sich die Beurteilung (Verurteilung) der Postplatzbebauung durch die heutigen Kritiker und ggf. auch die von Dr. Guratzsch, der in der DNN vom 31.1.2019 den Entwurf des Bürogebäudes von Knerer und Lang als eine Architektur „niederschmetternde Einfallslosigkeit und Fadheit“ bezeichnete, durch das Mit- und Einwirken der nunmehr eingesetzten Gestaltungskommission bessern wird, bleibt zu hoffen. Diese Hoffnung kann man haben, denn immerhin wurde nach der Überarbeitung des 1. Entwurfes nach Hinweisen der Kommission der 2. Entwurf durch diese, die Presse und die Öffentlichkeit hoch gelobt und auch die Kritiker hielten sich zurück. Wahrscheinlich wird es den Investoren am Postplatz so ergehen, wie es uns, der Baywobau, am Neumarkt ergangen ist, wo Kritiker wegen des historischen Wiederaufbaus einerseits und den zeitgenössischen Hinzufügungen andererseits geißelten und heute, wie man es auch bei der Waldschlößchenbrücke erleben kann, allesamt verstummt sind.

Vorausschauend sagen wir heute schon, dass unter den gegebenen Bedingungen etwas Großartiges, nämlich ein lebendiger, familienfreundlicher und auch von den Touristen angenommener Postplatz entstehen wird.

Von Berndt Dietze

Vor zehn Jahren, im Mai 2009, wurde die Musikschule Goldenes Lamm e. V. gegründet. Mittlerweile hat sie an die 1000 Schüler und braucht dringend mehr Platz. Ein Anbau in Alttrachau ist geplant – aber noch ist nicht genügend Geld in der Kasse.

07.02.2019

Eigentlich sollte der Ausschuss für Wirtschaftsförderung am Mittwoch die Vergabe des Radwegebaus an der Albertstraße beschließen. Da bei diesem Thema aber nichts einfach ist, haben sich die Stadträte nicht die Finger verbrannt und den Beschluss an den Stadtrat weitergereicht. Damit kommt es jetzt am 14. Februar zum großen Showdown.

06.02.2019

Der Zugriff erfolgte vor den ersten Anschlägen. Nun stehen in Dresden zwei weitere Mitglieder einer rechtsextremen Gruppierung vor Gericht, weil sie im Jahr 2015 Flüchtlingsunterkünfte angreifen wollten. In internen Chats tauschten Gruppenmitglieder Gewaltfantasien aus.

06.02.2019