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Lokales Bauverzug – die Augustusbrücke wird teurer
Dresden Lokales Bauverzug – die Augustusbrücke wird teurer
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17:58 23.07.2019
Derzeit finden noch letzte Pflasterarbeiten statt. Rechts sieht man die neuen Kandelaber auf der Brüstung. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Die Landeshauptstadt muss mehr Geld für die Sanierungsarbeiten auf der Augustusbrücke bezahlen. Das Budget über 25,5 Millionen Euro für die seit 2017 laufenden Arbeiten werde wohl nicht ausreichen, sagt Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne). Grund sind die Verzögerungen, die das eigentlich in diesen Tagen geplante Bauende in weite Ferne gerückt haben.

Letzte Arbeiten: Mirko Weicher legt Hand an die Fugen der Sandsteinbrüstung an. Quelle: Dietrich Flechtner

Die Höhe der Mehrkosten sei noch unbekannt, sagt Schmidt-Lamontain weiter. Das liegt vor allem an umfassenden Umplanungen, die derzeit in seinem Ressort laufen. Dabei wird aus einer Not eine Tugend gemacht: Weil Bauleute vor allem wegen zähem Zements, einer unerwarteten Dichtschicht, erstaunlich klobigen, mitunter brüchigen Sandsteinblöcken und überraschend aufgetauchten Überresten eines mittelalterlichen Brückenvorgängers deutlich länger brauchen als geplant, kommt es zu Überschneidungen mit Vorhaben der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) beiderseits der Brücke.

DVB wollen Gleisdreieck und Sophienstraße bauen

Die DVB wollen Gleise und Pflaster auf der Sophienstraße bis zum Postplatz erneuern, ein neues Gleisdreieck am Neustädter Markt einbauen und die Haltestellen auf der Brückenrampe auf Neustädter Seite barrierefrei umbauen. Das am liebsten im Sperrschatten oder in unmittelbarem Anschluss an die Brückenarbeiten, damit sich an die derzeitigen Umleitungsstrecken der Linien 4 und 8 gewohnte Fahrgäste nicht nach zwischenzeitlicher Verkehrsfreigabe und erneuter Streckensperrung mehrfach umorientieren müssen. „Wir wollen zwei Sperrungen in kurzer Zeit auf derselben Strecke verhindern“, sagt nun auch Baubürgermeister Schmidt-Lamontain.

Noch bis Ende der Woche ist das Terrassenufer gesperrt. Am Montag rollt dort wieder der Verkehr. Quelle: Dietrich Flechtner

Im Moment grübelt man noch, wie genau DVB und Stadt an und auf der Augustusbrücke bauen können, ohne sich gegenseitig im Weg zu stehen. Es kristallisiert sich jedoch heraus, dass auf der Sophienstraße 2020 und am Neustädter Markt 2021 gebaut wird. Das hätte dort dann auch Einfluss auf den Verkehr auf der Großen Meißner/Köpckestraße.

Netze verhindern das Nisten von Vögeln

2021 könnten dann auch die Arbeiten an der Augustusbrücke fertig sein. So ist es Ende August, Anfang September geplant, die Baustelle von der Richtung Carolabrücke gelegenen Brückenhälfte auf die andere Seite umzuverlegen. Fußgänger und Radler teilen sich dann wieder einen gemeinsamen Weg, müssen aber nicht mehr einen Umweg über die Behelfsbrücke einschlagen, die bis zum Herbst abgerissen wird. Dafür wird dann letztmalig im Zuge mit den Brückenarbeiten das Terrassenufer über ein Wochenende gesperrt. Derzeit wird die Straße nach ihrer Anhebung neu asphaltiert, am Montag soll dort wieder der Verkehr rollen.

Auf der noch unsanierten Brückenhälfte finden schon erste Vorarbeiten statt. So verhindern grüne Netze, dass sich Vögel an der Brüstung Nistplätze einrichten. Auf der gegenüberliegenden Seite wird derweil der Geh- und Radweg vorbereitet. Dabei wird die frisch sanierte Sandsteinbrüstung mit einer Umschalung auf 1,30 Meter erhöht, damit dort auch Radfahrer fahren können. Darüber glänzen die neuen LED-Kandelaber kupferfarben in der Sonne. Ein Teil der noch unfertigen Fahrbahn erhält übergangsweise einen Asphalt, um fünf Meter Wegbreite zu erhalten. „Leider können wir Fußgängern und Radfahrern auf der fertigen Brückenseite nicht mehr Platz bieten als bisher“, bedauert Schmidt-Lamontain.

Ende 2020 sollen beide Gehwege fertig sein

Komfortabler wird es erst Ende 2020. Dann denkt Brückenfachmann Andreas Gruner, dass der Gehweg auf der zur Marienbrücke gelegenen Brückenseite wieder freigegeben werden kann. Bis dahin müssen die Sandsteine vorsichtig aus der Brüstung gebrochen, ersetzt oder aufgearbeitet werden, die Krustenplatten des Gehwegs überholt werden sowie der Brückenaufbau so weit abgetragen werden, dass eine neue Dichtschicht und eine komplett neue Fahrbahn aufgebaut werden kann. „Wir rechnen mit den gleichen Problemen wie auf der anderen Seite“, begründet Gruner die relativ lange Bauzeit. Dort mussten 2500 Sandsteine aufgearbeitet oder ersetzt werden. Immerhin: Außer einer Trinkwasserleitung, die noch verlegt werden muss, liegen bereits alle neuen Leitungen in der Brücke.

Sind beide Gehwege fertig, kommen die Gleisbauer dran. Noch ist unklar, ob sie das neue Straßenbahngleis gemeinsam mit dem Gleisdreieck Neustädter Markt verlegen. Anschließend wird die neue Fahrbahn gepflastert – Asphalt kommt aus Denkmalschutzgründen nicht in Frage. 2021 – nach vier Jahren Brückensanierung – dürfte es so weit sein. „Wir machen das in Ruhe, diese Arbeiten müssen mit Sorgfalt erledigt werden“, betont Schmidt Lamontain. Sobald die Arbeiter wissen, wie komplex die Aufgabe auf der derart unsanierten Brückenseite ist, will er eine neue Kostenschätzung aufstellen lassen und den Stadtrat um Nachschlag für die Augustusbrücke bitten.

Von Uwe Hofmann

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