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Lokales Baustelle mit Aussicht – ein Vor-Ort-Termin im Fernsehturm
Dresden Lokales Baustelle mit Aussicht – ein Vor-Ort-Termin im Fernsehturm
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15:17 13.05.2019
Dresden

Als kleiner Junge haben mir die Ohren bei der Auffahrt zur Aussichtsplattform des Fernsehturms wehgetan. Kann heute nicht mehr passieren. Früher war der Aufzug mit sechs Metern pro Sekunde unterwegs – jetzt sind es nur noch 1,6.

Ein gemächliches Tempo. Es klappert etwas. Für zehn Personen ist der Lift ausgelegt. Aber neben mir stehen Kollegen mit schwerer Kameraausrüstung. Da reichen sieben Männer für einen Stoßseufzer, als sich die Tür auf 148,14 Metern öffnet. In der unteren Ebene des früheren Turmcafés.

Technisch funktioniert der Turm – nur nicht als Ausflugsziel

Kaffee gibt es am Sonntag auch. Aber aus der Thermoskanne. Dass sich hier mal eine gastronomische Einrichtung befunden hat, daran erinnert gar nichts. Nackter Betonfußboden, bröcklige Decken, geschwungene Treppen, alles etwas baufällig. Der Eindruck täuscht, sagt Frank Haberland, Mitarbeiter der Deutschen Funkturm GmbH, der der Fernsehturm gehört. „Technisch ist der Turm in Ordnung. Daran gibt es nichts zu deuteln.“

Aber eben nur als Funkturm funktioniert der Fernsehturm. Als öffentliche Aussichtsplattform dagegen nicht. Dafür muss saniert und umgebaut werden. Nur ein – langsamer – Fahrstuhl steht zur Verfügung. Zwei müssen es sein, doch im zweiten Fahrstuhlschacht liegen Kabel. Viele. Im Zuge des Umbaus müssen sie verlegt werden.

Rundgang auf dem Dresdner Fernsehturm

Für 132 Besucher war das Turmcafé ausgelegt. 40 bis 50 Gäste durften die Aussichtsplattform betreten, die einen fantastischen Blick auf Dresden, die Sächsische Schweiz, das Osterzgebirge und die Lausitz bietet. Traumhaft. Der Wind zaust das spärliche Haar. Gut drei Meter sind Platz bis zum Geländer, so dass es auch für Menschen mit leichtem Höhenschwindel erträglich ist.

Die beiden verglasten Aussichtsplattformen bieten Windschutz. Allerdings haben einige Fenster eine Putzaktion nötig, was bei Sonnenlicht besonders deutlich wird. „Ich habe für schönes Wetter gesorgt“, strahlt Eberhard Mittag, Vorsitzender des Fernsehturmvereins. Kabarettist und bekennender Fernsehturm-Fan Uwe Steimle strahlt auch. Beide engagieren sich seit Jahren für die Wiedereröffnung, beide sehen sich kurz vor dem Ziel.

„Der Fernsehturm ist ein Beispiel für erfolgreiche parteiübergreifende Zusammenarbeit“

„Wir wollen die Sanierung so schnell wie möglich hinbekommen“, bekennt Bruno Jacobfeuerborn, Geschäftsführer der Deutschen Funkturm GmbH, in luftiger Höhe. Das hören Mittag und Steimle gern, das hört auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gern, dessen Tante einst in der Küche des Turmcafés gearbeitet hat.

Dresden hat seinen finanziellen Beitrag für die Sanierung des Fernsehturms längst geleistet, der Freistaat Sachsen nun auch. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) hat 6,4 Millionen Euro im Gepäck für die Sanierung. Und ist fasziniert von der Aussicht. „Ich kann die vielen Dresdner verstehen, die diesen Blick regelmäßig genießen wollen.“

Einer, der den Bund davon überzeugt hat, viel Geld für den Fernsehturm zu geben, ist am Sonntag viele Kilometer gefahren, um ganz oben stehen zu können: Der Bundestagsabgeordnete Thomas Jurk (SPD) war von einer Familienfeier aus Nordrhein-Westfalen über Berlin nach Dresden gereist. „Der Fernsehturm ist ein Beispiel für erfolgreiche parteiübergreifende Zusammenarbeit“, sagt der Sozialdemokrat aus der Lausitz mit Blick auf den Christdemokraten Kretschmer und den Liberalen Hilbert.

Abwärts fährt der Fahrstuhl schneller. Und es klappert nicht.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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