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Lokales Baumfällungen auf geschützter Streuobstwiese: Eigentümer muss Bäume ersetzen
Dresden Lokales Baumfällungen auf geschützter Streuobstwiese: Eigentümer muss Bäume ersetzen
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15:51 13.05.2019
Blick auf das Areal, auf dem sich zahlreiche Freizeitgärten mit Lauben befanden. Einen großen Teil des Landes südlich der Eutschützer Straße hat ein Bauunternehmer erworben. Er kündigte den Pächtern. Dann wurden Bäume gefällt. Das Gelände ist frei zugänglich eine Einladung an Diebe, Vandalen und auch an spielende Kinder. Die Unfallgefahr sei groß, befürchten die Anwohner. Quelle: Catrin Steinbach
Dresden

„Auf dem Flurstück 69 waren Brombeergestrüpp, viel Ahorn und dazwischen morsche Bäume, viel Müll, Weidedraht und Stacheldraht. Das ist auch jetzt am vorderen Stück noch zu sehen. Von einer Fallobstwiese konnte keine Rede sein. Die könnte vielleicht in Zukunft entstehen. Allerdings hat der Sturm letzte Woche wieder 3 Bäume gefällt“, rechtfertigte Bauunternehmer Jens Lattermann Ende März gegenüber den DNN die Maßnahmen, die er als neuer Grundeigentümer auf einer unter Schutz stehenden Streuobstwiese nahe der Eutschützer Straße in Mockritz durchgeführt hatte.

Gefällte Bäume auf der Streuobstwiese in Mockritz. Aufnahme vom 27. März 2019. Quelle: Catrin Steinbach

Die Baumfällungen durch den Bauunternehmer auf genanntem Flurstück 69, aber auch auf Gartenland von benachbarten Grundstücken südlich der Eutschützer Straße, hatten unter Einwohnern des Stadtteils für Empörung gesorgt. Weil diese zudem befürchten, dass das bislang als Gartenland genutzte Areal bebaut werden soll, gründeten sie eine Bürgerinitiative. Denn sie wollen, dass der Grünzug als solcher erhalten bleibt (DNN berichtete).

Wiederherstellungsanordnung wird noch erfolgen

Klar ist mittlerweile, dass Jens Lattermann die Bäume, die er auf seiner unter Schutz stehenden Streuobstwiese nahe der Eutschützer Straße in Mockritz fällen ließ, ersetzen muss. „Eine Wiederherstellungsanordnung ist noch nicht ergangen, wird jedoch erfolgen“, antwortet das Umweltamt Dresden auf eine Anfrage der DNN.

Der Verursacher der Fällungen sei informiert, dass die Nachpflanzung der Obstbäume im Herbst erfolgen solle. Eine Pflanzung in den Frühjahrs- und Sommermonaten sei auf Grund der höheren Trockenheitsgefahr allerdings nicht sinnvoll, so die Stadt.

Komme der Verursacher der Fällungen der kommenden Anordnung nicht nach, werde diese mit Zwangsmitteln vollstreckt“, so das Amt weiter. Und es werde „zu gegebener Zeit entschieden, welches Zwangsmittel im Rahmen des pflichtgemäßen Ermessens der Verwaltung zu ergreifen ist“.

Wie viele geschützte Bäume gefällt wurden, wird festgestellt

Wie viele von den gefällten Bäumen auf dem bislang als Gartenland genutzten Gebiet südlich der Eutschützer Straße schützenswerte Gehölze waren, die der neue Eigentümer des Landes nicht hätte fällen dürfen, ist offenbar noch nicht abschließend geklärt.

Diese Aufstellung müsse durch einen Fachplaner erfolgen, heißt es aus dem Umweltamt. Durch Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde seien vor Ort insgesamt 12 nach Naturschutzrecht geschützte Biotopbäume sowie 2 Klettergehölze (Efeu) und 4 Großsträucher, die unter die Gehölzschutzsatzung der Stadt Dresden fallen, festgestellt worden.

Die Flächen, um die es geht, sind rot und gelb markiert. Quelle: Grafik LHD/Eylert

Der Verursacher der Fällungen sei mit Anordnung von Anfang März 2019 beauflagt worden, eine genaue Bestandserfassung über das von den Gehölzfällungen betroffene Areal vorzulegen. „Dazu gehört auch eine genaue Auflistung aller vorhandenen Gehölze vor den Fällungen durch Rekonstruktion des Bestandes anhand der Wurzelstöcke bzw. -stuppen“, so das Umweltamt.

Gartenland ist auch im neuen Flächennutzungsplan Grün- und Freifläche

„Auf Grundlage dieser Erfassung werden die durch die flächige Gehölzfällung hervorgerufenen Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft bilanziert und über eine angemessene Kompensation dieser entschieden. Der Verursacher der Fällungen wird die hierfür erforderlichen Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen durchführen bzw. finanzieren müssen.“

Eine Bebauung des Gartenlandes sei auch im neu aufgestellten Flächennutzungsplan (Stand: 3. Dezember 2018) als Grün- und Freifläche mit der Zweckbestimmung sonstiger Garten dargestellt, bestätigt das Stadtplanungsamt noch einmal gegenüber DNN. Dabei handele es sich „um private Gärten und Kleingartenähnliche Nutzungsformen“.

Letzte Ausschusssitzung zum Flächennutzungsplan am 15. Mai

Am 15. Mai stehe die Vorlage zum Flächennutzungsplan auf der Tagesordnung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Verkehr, Bau und Liegenschaften. Dann gehe der Flächennutzungsplan zur Beschlussfassung in den Stadtrat.

Weil das bis Ende 2018 als Gartengelände genutzte Areal durch die Baumfällungen verwüstet worden sei, es keine Grundstücksabgrenzung mehr gebe und auch Lauben zum Teil sehr baufällig seien, wurden auf der jüngsten Bürgerversammlung der Bürgerinitiative Mockritz Befürchtungen laut, dass hier zu Unfällen durch spielende Kinder kommen könnte.

Blick auf das Areal, auf dem sich zahlreiche Freizeitgärten mit Lauben befanden. Einen großen Teil des Landes südlich der Eutschützer Straße hat ein Bauunternehmer erworben. Er kündigte den Pächtern. Dann wurden Bäume gefällt. Das Gelände ist frei zugänglich eine Einladung an Diebe, Vandalen und auch an spielende Kinder. Die Unfallgefahr sei groß, befürchten die Anwohner. Quelle: Catrin Steinbach

Bauaufsicht will Sicherheit noch mal prüfen

Wie die Stadtverwaltung dazu mitteilt, sei das Areal nach Anzeige über die Baumfällungen am 4.3.2019 vom Bauaufsichtsamt besichtigt worden. „Die Zäune waren demontiert, jedoch waren die vorgefundenen Lauben und Gewächshäuser nicht in einem Zustand, der unmittelbare Gefahr angedeutet hätte.“ Das Areal werde nun zeitnah nochmals kontrolliert. „Bei Vorliegen einer konkreten Gefahr, die von baulichen Anlagen ausgeht, wird eine entsprechende Anordnung zur Absperrung ergehen.“

Von Catrin Steinbach

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