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Lokales Bahntrasse von Dresden nach Prag – Deutsche Bahn zieht Volltunnel in Erwägung
Dresden Lokales Bahntrasse von Dresden nach Prag – Deutsche Bahn zieht Volltunnel in Erwägung
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10:06 23.06.2019
Die DB Netzt will verschiedene Trassenverläufe prüfen lassen. Die Volltunnel-Variante ist schon jetzt für den finalen Vergleich gesetzt. Quelle: Grafik: DB Netz, Eylert
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Sächs. Schweiz-Osterzgeb

In einer Stunde mit dem Zug von Dresden nach Prag – was heute noch ein Wunschtraum ist, will die Deutsche Bahn in Zukunft ermöglichen. Sie plant eine zweigleisige Verbindungstrasse zwischen Heidenau und dem tschechischen Ústí nad Labem. Kernstück der Strecke soll ein mindestens 25 Kilometer langer Basistunnel durch das Erzgebirge sein, der über die Staatsgrenze verlaufen wird. Das Bahnunternehmen DB Netz hat am Freitag den aktuellen Planungsstand vorgestellt. Die DNN beantworten die wichtigsten Fragen.

Wo steht das Bauvorhaben zur Zeit?

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Das deutsch-tschechische Mammutprojekt befindet sich aktuell in der Vorplanung. Die Deutsche Bahn bereitet derzeit das sogenannte Raumordnungsverfahren vor. Diesbezüglich hat sich die DB Netz nun auf sieben mögliche Trassenkorridore für die rund 43 Kilometer lange Eisenbahnstrecke geeinigt. Die präferierten Trassenverläufe sollen im nächsten Verfahrensschritt geprüft werden.

Ist die Volltunnel-Variante der Bürgerinitiative noch im Spiel?

In die Planungen der Deutschen Bahn hatte sich 2018 die Bürgerinitiative „Basistunnel nach Prag“ aus Dohma eingeklinkt (DNN berichteten). Sie schlägt einen durchgehenden, über 40 Kilometer langen Tunnel von Heidenau bis zur tschechischen Grenze vor. Großes Plus: Die Bahn würde keine zusätzlichen Lärm ins Elbtal bringen.

Dieser Vorteil scheint auch den Beteiligten der DB Netz einzuleuchten – drei der möglichen Trassenverläufe sehen durchgehende Tunnel vor. „Die Bürgerinitiative hat uns überhaupt erst auf diese Idee gebracht“, erklärte Projektleiter Kay Müller von DB Netz. „Wir waren diesbezüglich wohl etwas betriebsblind.“

Welche nächsten Schritte sind geplant?

Ende Oktober dieses Jahres soll das Raumordnungsverfahren für die Neubaustrecke beginnen. „Die Landesdirektion Sachsen wird dann die Verträglichkeit des Projekts prüfen und die Zahl der möglichen Trassenkorridore reduzieren – auf zwei oder drei“, schätzte Müller. Er versprach: „Eine Volltunnel-Variante wird es in jedem Fall in die engere Auswahl schaffen.“

Mit dem Gutachten der Landesdirektion ist im Frühsommer 2020 zu rechnen. Anschließend kann die Bahn mit der Detailplanung beginnen. Erst wenn dieser Schritt wiederum abgeschlossen ist, trifft die DB Netz ihre finale Entscheidung bezüglich einer Vorzugsvariante für die Trasse. Voraussichtlich 2024 wird das passieren, so Müller.

Welche Herausforderungen sind noch zu meistern?

Egal, ob der Tunnel nun 25 oder doch über 40 Kilometer lang wird – so oder so wird er nach seiner Fertigstellung Deutschlands längster Eisenbahntunnel sein. Darin liegt die Einzigartigkeit des Bahnprojekts, allerdings birgt der Bau auch einige Herausforderungen: Zum einen muss im Tunnel ein Nothalt errichtet werden, zudem Notgänge zwischen den beiden Tunnelröhren.

Wegen der verschiedenen Stromsysteme im Deutschland und Tschechien muss überdies eine Schnittstelle geschaffen werden. Auch über den notwendigen Überholbahnhof bei Heidenau wird noch zu sprechen sein. Wo genau die Bahnhofsanlage errichtet werden soll, an der schnelle Züge eine Überholmöglichkeit haben, ist noch nicht geklärt.

Wie lange dauert der Streckenbau und wie teuer wird er?

Wann der Bau der Bahntrasse beginnt, ist momentan schwer vorherzusehen. „Allein der Bau des Tunnels wird mindestens zehn Jahre dauern“, sagte Müller.

Über die Baukosten will er zum jetzigen Planungsstand ungern spekulieren. Schon jetzt zeichnet sich aber ab, dass die Neubaustreck wohl zum Milliarden-Projekt wird. „Der Bau eines einzigen Tunnelmeters kostet heute rund 35 000 Euro“, so Müller.

Von Junes Semmoudi