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Lokales Was die mobilen Helfer in blauer Weste am Dresdner Hauptbahnhof machen
Dresden Lokales Was die mobilen Helfer in blauer Weste am Dresdner Hauptbahnhof machen
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16:41 13.12.2019
Heide Schille ist für die Bahnhofsmission aktiv. Sie informiert Reisende über die Gegebenheiten des Bahnhofs, zum Beispiel wo sich der Fahrstuhl zum Bahnsteig befindet. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Der Zeiger der Bahnhofsuhr springt auf 13.13 Uhr. Mit sechs Minuten Verspätung hält der Eurocity 379 von Kiel nach Prag im Dresdner Hauptbahnhof. In Sekundenschnelle füllt sich Bahnsteig 17 mit Ankommenden, die eilig Richtung Treppe streben. Zwischen ihnen steht Heide Schille.

Die zierliche Frau mit den kurzen Haaren trägt eine hellblaue Fleece-Weste, auf dem Rücken ein rundes Emblem mit weinrotem Malteserkreuz über einem schrägen gelben Band und dem Schriftzug „Bahnhofs-Mission“.

„Ohne Ehrenamtliche würde die Bahnhofsmission nicht funktionieren“

Ihre Augen suchen zwischen den Reisenden. Plötzlich eilt sie los. Eine ältere Frau naht sehr langsam, gestützt auf einen Rollator. Heide Schille geleitet sie zum Aufzug. Wie sie denn am schnellsten in die Neustadt kämen, wollen die Verwandten der Frau wissen. Die S-Bahn ist schon weg. Heide Schille empfiehlt die Straßenbahn und erklärt, wie sie zur Haltestelle kommen. Ihre Kollegin hilft derweil anderen Reisenden am Ende des Zuges.

Beide Frauen gehören zu den rund 40 Freiwilligen, die den Großteil des Personals stellen. „Ohne Ehrenamtliche würde die Bahnhofsmission nicht funktionieren“, sagt Elvira Ploß. Gerade hätten drei neue angefangen.

Sie ist eine der beiden einzigen Hauptamtlichen der Diakonie-Stadtmission, kennt sich mit Migranten aus und Jugendlichen, die vor Gericht landeten. Zuletzt hat sie das Flüchtlingsheim in der Katharinenstraße geleitet. Der zweite Hauptamtliche ist Michael Schulz, der Erfahrungen aus der Wohnungsnotfallhilfe mitbringt, die er seit Jahren leitet.

Schicht von 12.30 bis 20 Uhr

Die Freiwilligen sind Protestanten, Katholiken, Konfessionslose, Berufstätige, Senioren, ehemalige Lehrer, Krankenschwestern, Fahrdienstleiter, Studenten, Leiter einer IT-Abteilung, Sekretärin in einem großen Unternehmen, 22 der jüngste, 73 der älteste. „Menschen, die nebenher oder nach ihrem Berufsleben was anderes machen möchten“, sagt Michael Schulz. Im Schnitt einmal pro Woche sind sie im Einsatz. „Jeder bestimmt selbst, wie oft er kommen will.“ Aber nicht mehr als dreimal pro Woche.

Vier Ehrenamtliche neben einem Hauptamtlichen sind sie pro Schicht. Die beginnt um 12.30 Uhr und endet um 20 Uhr. Bislang nur von Montag bis Freitag. Für mehr reiche das Personal nicht. Zwei sind auf den Bahnsteigen unterwegs, immer, wenn Fernzüge einrollen, zwei bleiben im Stützpunkt auf der Südseite des Bahnhofs.

2400 Kontakte seit Eröffnung

Früher war das eine Fahrkartenverkaufsstelle. Ein geschwungener Tresen teilt den Raum mit hellen Wänden. Am Tisch beim Fenster sitzen vier Männer und reden lautstark in verschiedenen Sprachen miteinander. Auf der anderen Seite haben zwei Frauen Platz genommen. Pandschabi, Hindi, Arabisch, Paschto, Tschechisch, Slowakisch, Polnisch sei hier zu hören, sagt Elvira Ploß. „Die meisten aber sind Deutsche.“ Mehr als 2400 Kontakte haben sie registriert, seit am 23. August nach jahrelangen Verhandlungen endlich auch hier eine Bahnhofsmission öffnete, wie Michael Schulz sagt. Ein großer Teil suchte einfach einen Platz zum Ausruhen oder auch schnelle, unkomplizierte Hilfe.

Ein Mann mit aschgrauem zerzaustem Haar und struppigem Bart hat sich in den Daumen geschnitten. Geduldig wartet er, bis er ein Pflaster bekommt. Unruhig sei es gestern Abend gewesen im Obdachlosen-Nachtcafé, erzählt er. Dann erbittet er sich noch eins der belegten Brötchen, die auf dem Tisch stehen.

Zwei Rollatoren und ein Rollstuhl stehen für den Notfall bereit

Vor allem heißer Tee sei jetzt gefragt, sagt Elvira Ploß. Im Herbst waren es kalte Getränke. „Einmal kam ein junger Mann mit seiner Frau, der schwindlig geworden war“, erzählt Michael Schulz. „Die konnte sich bei uns auf einer Liege ausruhen, bis es ihr besser ging. Das wäre in den Läden hier wohl kaum möglich gewesen.“

Hinten in einem separaten Raum kann man an einem Holzregal ein Brett runterklappen und darauf ein Kind windeln. Im Regal des kleinen Lagerraums gegenüber der Teeküche stehen Pappkartons mit warmen Jacken, Hosen, Pullover, Mützen, Schals, Schuhen für Bedürftige. An Schlafsäcken ist nur noch einer da. Zwei Rollatoren und ein Rollstuhl stehen für den Notfall bereit. Dass es die Bahnhofsmission gibt, ist inzwischen bei Bahnpersonal, Polizisten, Kiosken und Verkaufsstellen bekannt.

Beratungsgespräche nicht möglich

Heide Schille kommt zurück. An der Tür wird sie von einer jungen Frau aufgehalten. Das sei doch hier die Bahnhofsmission? „An der Haltestelle sitzt ein Mann, dem geht es nicht gut. Einen Arzt will er nicht, hat er gesagt. Können Sie mal schauen? Ich muss schnell weiter.“

Heide Schille macht kehrt. Auf einer Bank im Wartehäuschen sitzt Peter Stübner. Seine Hand umklammert eine blaue Gehhilfe. Neuropathie habe er, sagt der 78-Jährige. Eine ganz unangenehme Krankheit. Da reiche, dass der Schuh an einer Stelle drücke, schon knickten ihm die Beine weg. Zur Kohlenstraße müsse er. Heide Schille hilft ihm in den Bus der Linie 66. Dann kehrt sie in die Zentrale zurück.

Jeder könne sich hier hinsetzen, sagt Michael Schulz. Nur ruhig müsse es bleiben. „Wenn bei einem der Alkoholpegel zu hoch ist, müssen wir ihn auch wegschicken.“ Einmal sei ein junger Drogensüchtiger hier erschienen, der tagelang nichts gegessen hatte. „Wenn sie wollen, können wir sie hier an unsere Beratungsstellen vermitteln“, sagt Michael Schulz. Beratungsgespräche seien hier nicht möglich. „Die Bahnhofsmission kann nur erster Anlaufpunkt sein.“ Sie hat übrigens gerade eine 1200-Euro-Spende erhalten.

Hauptbahnhof, Südseite, Bayrische Straße; geöffnet Montag bis Freitag, 12.30 bis 20 Uhr; einmalige Sonderöffnungszeit am Sonnabend, 21. Dezember, 9 bis 16 Uhr; Gemeinschaftsprojekt von Deutscher Bahn, Stadt, Diakonie, Caritas, evangelischen und katholischen Kirchgemeinden; verantwortlich für die Organisation ist die Diakonie-Stadtmission

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