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Lokales BRN-Gutachten: Der Bunten Republik Neustadt fehlt Ordnung
Dresden Lokales BRN-Gutachten: Der Bunten Republik Neustadt fehlt Ordnung
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18:02 11.12.2018
Drei Tage im Juni beschäftigen schon jetzt Neustädter, Verwaltung und Stadträte: Über die Bunte Republik Neustadt wird mal wieder diskutiert. Quelle: Junes Semmoudi
Dresden

Wie soll es mit der Bunten Republik Neustadt weitergehen? Mit dieser Frage be­schäftigt sich ein Gutachten, das Stadt und Stadtteil vor drei Jahren beim Görlitzer Professor Matthias Munkwitz und seiner Gattin Anja Nixdorf-Munkwitz in Auftrag gaben. Für das Papier haben die Kulturmanager, wie Nixdorf-Munkwitz bei­der Profession beschreibt, Besucher und Akteure befragen lassen, um vor al­lem die Lage zu analysieren, in der die BRN steckt. Die ist bedenklich.

Ein Rückblick: 2015 hatte das Ordnungsamt ein Sicherheitskonzept beauftragt, das Lösungen für die chronischen Probleme der BRN finden sollte, allen vor­an die teils klaustrophobisch überfüllten Kreuzungen und fehlenden Rettungswege. Seither sind Aufbauten an Kreuzungen verboten und dürfen Buden an manchen Straßen nur auf einer Seite aufgestellt werden. Das ist heute Praxis, viele Neustädter aber fühlten sich damals ge­gängelt und die „Reiberei zwischen Neustadt-Akteuren und der Verwaltung führte zur Auflösung der Schwafelrunde“, wie es Ulla Wacker, Grüne-Stadtbezirksbeirätin und BRN-Büro-Betreiberin, formuliert.

BRN von 1990 kommt nicht zurück

Dass anschließend zwei Mal die BRN-Vorbereitung verkorkst wurde, hat die Sa­che nicht besser gemacht. 2016 und 2017 hakte es jeweils an den sogenannten Sondernutzungen, die Buden, Bühnen und Stände im Straßenraum ermöglichen. Bei der BRN muss mangels Gesamtveranstalter jede Sondernutzung einzeln ge­nutzt werden, bei jährlich rund 300 Anträgen ein enormer Aufwand. 2016 stockte das, weil sich Ordnungsamt und Straßen- und Tiefbauamt die Verantwortlichkeit dafür zuschoben, 2017 weil das Straßen- und Tiefbauamt mit der Zuständigkeit für die BRN trotz aller Bemühungen von Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) fremdelte. Die Akteure in der Neustadt fühlen sich sabotiert, zumal viele von ihnen Bereitschaft gezeigt hatten, Teilverantwortung im 2018 erstmals flächendeckend angewandten Inselkonzept zu übernehmen. Eine Auswertung der diesjährigen Probleme durch die Ämter wurde vom Stadtrat gefordert und wird für die nächsten Wochen erwartet, wie Stadtbezirksamtsleiter André Barth sagt.

In diese Gemengelage platzt nun das Gutachten, das das Autorenpaar mit dem Titel „Quo vadis BRN?“ überschrieben hat. Sie geben zu bedenken, dass sich so­wohl äußere Faktoren, etwa die derzeit diffuse Bedrohungslage, aber auch Charakteristika des Viertels, etwa die Zu­sam­mensetzung ihrer Bewohner – Stichwort Gentrifizierung – gegenüber den An­fangsjahren geändert haben. Bedeutet: Die BRN von Anfang der 1990er kommt nicht zurück, egal wie sehr sich das mancher Stadtteilromantiker wünscht.

Kritisch wird angemerkt, dass alle Be­teiligten in Stadtteil und Ämtern „viele un­ausgesprochene Erwartungen“ an die BRN und die jeweils anderen Akteure ha­ben, die sich teils stark unterscheiden, zwischen denen kaum vermittelt wird und die deshalb für Konflikte sorgen. Da­ran könne auch die derzeitige Struktur mit BRN-Büro als Kommunikator und In­selverantwortlichen als Teilveranstalter oh­­ne wirkliche Befugnisse nicht viel än­dern, wie Nixdorf-Munkwitz konstatiert. Das Grundproblem eines fehlenden Ge­samtveranstalters bleibt.

Das können die Beteiligten allenfalls mo­­derieren. „Fixe Rahmenbedingungen sind die Grundlage für kreatives Chaos“, sagte Nixdorf-Munkwitz bei der Vorstellung des Gutachtens im Stadtbezirksbeirat Neustadt. Bedeutet: Klare Regeln, feste Fristen, straffe und routinierte Abläufe, die alle Beteiligten vereinbaren und an die sich alle – auch gern spontane Neustädter – halten müssen.

Wirtschaftliche Bedeutung überschätzt

Nixdorf-Munkwitz sieht das als pragmatischen An­satz. Man müsse die Grenzen des Mach­baren benennen und das bestmögliche Fest anstreben. Dazu ge­­hört, dass Konflikte, auch die kleinen im Festgebiet, die sich etwa um Wildpinkler und Müll in Höfen und Gärten drehen, ordentlich moderiert werden. Im Großen heißt es, dass die Rahmenbedingungen stimmen müssen. Zum Beispiel, dass es ein brauchbares Sicherheitskonzept gibt. Auch die Einführung eines DIN-genormten Qualitätsmanagements wird gefordert. Damit könne man es schon weit bringen, begründet Nixdorf-Munkwitz.

Sehr zurückhaltend äußern sich beide Autoren zur Frage der wirtschaftlichen Be­deutung der BRN. Dazu fehlten die Da­ten, sagt der emeritierte Professor Munkwitz. Er gehe aber davon aus, dass die meisten, die zum Stadtteilfest etwas aus ihrem Fenster heraus verkaufen, das beim Verfassen der Steuererklärung „ver­gessen“. Ebenso könne nicht von 150 000 Besuchern die Rede sein. „Das sind Besuche, oft kommen ja an den drei Tagen dieselben Leute, also 50 000 Besucher, die im­mer wieder kommen“, sagt Munkwitz. Bedeutet: Die wirtschaftliche Bedeutung der BRN wird oft überschätzt.

Groß ist die Zurückhaltung auch in Sa­chen Zukunft. Verschiedene Optionen wer­den vorgeschlagen, aber nicht weiter bewertet. Darunter ist auch das Aussetzen der BRN, der 2021 schließlich mit der baubedingten Schließung des Kulturzen­trums Scheune ein wichtiger Akteur wegbreche, wie Nixdorf-Munkwitz sagt. An­dernfalls schlagen beide Autoren die Gründung einer Genossenschaft oder ei­nes Vereins vor, der als rechtliche Person als Veranstalter agiert. Das Elbhangfest wird etwa von einem Verein organisiert und auch dort gibt es Freiräume für An­wohner, die mitmachen wollen. Kenner der Materie halten es jedoch für ausgeschlossen, dass die Neustädter sich für ei­nen Verein zusammenfinden. Zu unähnlich sind sich neue Neustädter, die sich hohe Mieten im Szeneviertel leisten wollen, Studenten, die das Behausen einer Neustadt-WG als wichtige Erfahrung und Lebensphase begreifen, und Alteingesessene. Bleiben die ebenfalls vorgeschlagene Kultur-GmbH und eine Organisation durch die Verwaltung. Die Frage zur Zu­kunft der BRN wird in diesem Verständnis nicht allein im Stadtteil zu beantworten sein, sondern auch im Rathaus.

Von Uwe Hofmann

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