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Lokales Roboter erobern auch in Dresden das Handwerk
Dresden Lokales Roboter erobern auch in Dresden das Handwerk
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09:32 26.02.2020
High-Tech beim Dresdner Steinmetz Sven Schubert: Ein fünfachsiger Roboter bearbeitet Sandstein. Für einen solchen Löwenkopf braucht die Maschine nur einen Bruchteil der Arbeitszeit eines ausgebildeten Steinmetzes. In immer mehr Handwerksbetrieben kommt moderne Technik zum Einsatz. Quelle: Andre Wirsig
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Dresden

Ein Roboter mit Stichsäge? Heute möglich. Einen Tisch zusammenbauen? Geht auch. Brötchen sortieren wie in der Bäckerei und Konditorei Tschirch in Görlitz, einen Löwenkopf fräsen wie beim Dresdner Steinmetz Sven Schubert, schwere Lasten heben wie auf dem Bau oder in der Autowerkstatt – ins lange vernachlässigte Handwerk zieht moderne Robotertechnik ein.

Roboterhersteller entdecken das Handwerk

Zwar fehlen in den kleinen Firmen mit den höchst individuellen Kundenwünschen jene großen Stückzahlen, die die Anschaffung teurer Automaten für große Firmen rechtfertigen. Doch inzwischen entdecken Hersteller wie Kawasaki, Kuka, Yaskawa oder ABB auch die kleinen Firmen als Abnehmer.

Sagt zumindest Ulrich Goedecke. Er ist Abteilungsleiter Regionalbetreuung/Innovation und Technologie bei der Handwerkskammer Dresden und muss es wissen. „Das wird dann für die Hersteller interessant, wenn sich zum Beispiel 20 Unternehmen unterschiedlicher Gewerke zusammenfinden und ein Gerät nutzen wollen, das in etwa die gleichen Anforderungen haben soll. Zum Beispiel einfache Sachen wie das Heben von Lasten oder Material exakt von A nach B zu bringen.“

Roboter sollen Fachleuten helfen, sie aber nicht ersetzen

Heißt das, auch im Handwerk sollen Roboter langfristig Menschen ersetzen? Ulrich Goedecke kennt solche Fragen und stellt ein klares „Nein“ in den Raum: „Roboter sind im Handwerk kein Mittel, um Personal einzusparen“, sagt er, „sondern eins, mit dem Firmen trotz des Mangels an neuen Fachkräften wachsen können. Und um vorhandene Fachleute von stupider oder körperlich schwerer Arbeit zu entlasten.“

Vom zaghaften Start zur Flächenbewegung

Die Handwerkskammer Dresden stellt sich dem Thema bereits seit 2012 mit einer eigenen Abteilung. „Gestartet sind wir mit zwei Leuten, heute haben acht Mitarbeiter alle Hände voll zu tun“, erklärt Ulrich Goedecke und blickt auf eine Landkarte in seinem Arbeitszimmer, die das Kammergebiet darstellt: Überall stecken rote und blaue Fähnchen – besonders viele in und um Dresden. „Das sind die Betriebe, die ihre Geschäftsabläufe erfolgreich digitalisiert haben beziehungsweise moderne Technologien einsetzen“. Rund 200 seien es bereits. Bei insgesamt mehr als 22.000 Kammermitgliedern ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber die Erwartungen sind groß, dass aus dem zaghaften Start eine Flächenbewegung wird.

Handwerk im Abo? Neue Angebote dank neuer Technik

Damit das passiert, schwärmt die Truppe von Ulrich Goedecke regelmäßig aus. „Wir helfen vor Ort bei der Digitalisierung von Organisation, Kundenpflege sowie Kommunikation. Dabei bilden sich ganz neue Angebotswege heraus – zum Beispiel Kundenabos für die Wartung von Fenstern und Heizungen. Und wir führen auch vor, was sich heute an Technologie schon relativ einfach in die Betriebsabläufe integrieren lässt“. Dazu gehören unter anderem Drohnen, 3-D-Drucker und -Scanner, AR-Brillen (Augmented Reality), Roboter und Exoskelette. Die Möglichkeiten sind enorm.

Drohnen für Dachdecker

Die Drohnen zum Beispiel sind für Dachdecker interessant, weil sie Schäden vorab finden können. Oder für Fotografen. Oder die Überwachung von installierten Photovoltaikanlagen. Und selbst Kunstgießer greifen nach Bildern aus der Luft, um Skulpturen auf Dächern zu inspizieren. „Auch Baugrund-Erkundungen passen ins Bild, die wiederum Basis für 3-D-Modelle der Bauherren sein können“, erklärt Kammermanager Goedecke.

Virtual Reality im Bauhandwerk

Dreidimensionale Visualisierungstechniken VR (Virtual Reality) und AR (Augmented Reality) finden vor allem im Bauhandwerk immer öfter Anwendung. „Hier sind die Technologietreiber eher die Kunden, die das kennen und verlangen“, meint Goedecke. Er ist überzeugt, dass die Nutzung solcher virtuellen Computermodelle über kurz oder lang zum Standard beim Bauen gehört – auch weil sich über das BIM (Building Information Modeling) verschiedene Baupartner zeitgleich zusammenschalten und in die aktuell anstehende Planung einbinden lassen. Ein Bauvorhaben könne so für den Kunden dreidimensional dargestellt werden, noch ehe der erste Spatenstich erfolgt ist. Und es müsse eben nicht jeder am Bau Beteiligte immer vor Ort sein, um die nächsten Schritte zu planen.

Exoskelette für schwere Arbeit

Die Exoskelett-Anzüge, von denen die Kammer zwei Exemplare im Bestand hat, sollen helfen, körperlich anspruchsvolle Aufgaben spielend leicht zu bewältigen. Die aktive Variante, gespickt mit Sensoren und einem Motor, kostet leider 42 000 Euro und dürfte für viele Handwerker noch unerschwinglich sein. Die passive Variante, die ein oder zwei Dauerbewegungen durch Muskelkraft und Federn unterstützt, ist für ein Zehntel zu haben und findet durchaus Kaufinteressenten. Die Hersteller stehen erst am Anfang ihrer Produktion. Die Kleinserien sind so teuer, weil sie auch die künftigen Entwicklungen mitfinanzieren müssen.

Auf Baustellen oder in Autowerkstätten, wo schwere Materialien oder Räder bewegt werden müssen, können Exoskelette helfen.

Demonstrationswerkstatt geht im Sommer an den Start

Unabhängig davon, ob kleine Firmen dafür Geld ausgeben wollen oder nicht – ausprobieren will die Anzüge jeder. Das geht bislang bei Besuchen oder Veranstaltungen vor Ort, ab Jahresmitte dann in einer Demonstrationswerkstatt, die derzeit im Bildungszentrum des Handwerks entsteht. „Die Technik kaufen wir gerade ein“, sagt Ulrich Goedecke. Im Sommer können die Handwerker dann kommen und testen, ob und wie sich ein Problem mit Robotik lösen lässt.

Handwerker lösen Probleme auch mit künstlicher Intelligenz

Zukunftstechnologien und Handwerk verzahnen sich immer mehr. Auch künstliche Intelligenz gehört dazu. Für viele Firmen ist das keine Imagefrage, sondern fast immer Teil der Problemlösung. „Viele gehen damit nicht hausieren, das gehört nicht zu ihrem Selbstbild. Aber am Ende bringen sie 3-D-gedruckte Fahrradrahmen auf den Markt und vertreiben sie bis Asien und Südamerika“, sagt Ulrich Goedecke beeindruckt. Und meint, dass ein bisschen Selbstdarstellung bei der Kundenakquise durchaus nützlich sein kann. Getreu dem uralten Motto: Klappern gehört zum Handwerk.

Kammer präsentiert Kompetenzzentrum

Mit demKompetenzzentrum Robotik zeigt die Handwerkskammer Dresden, was heute möglich ist und was künftig machbar sein wird. Stetig wachsende Herausforderungen im Handwerk verlangen nach neuen Technologien. An den Grenzen der konventionellen Lösungen, setzt die Robotik an.

Bei einer Auftaktveranstaltung des neuen Kompetenzzentrums Robotik der Handwerkskammer informieren Hersteller und Handwerksbetriebe wie Robotik im Handwerk integriert werden kann und welche Anforderungen und Herausforderungen es gibt. Die Auftaktveranstaltung Kompetenzzentrum Robotik findet am Mittwoch, 26. Januar 2020, 13-18 Uhr in njumii – das Bildungszentrum des Handwerks, Am Lagerplatz 8 in 01099 Dresden statt.

Von Barbara Stock

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