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Lokales Aus Alltag wird Anarchie: Laurel&Hardy auf dem Theaterkahn
Dresden Lokales Aus Alltag wird Anarchie: Laurel&Hardy auf dem Theaterkahn
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06:45 22.10.2019
Fast tänzerisch geht es auch mal zu bei Stan Laurel (Felix C. Voigt, l.) und Oliver Hardy (Tom Quaas). Quelle: Foto: Carsten Nüssler
Dresden

„Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Beste, was es gibt auf der Welt“, heißt es zu Beginn des noch immer populären Kehrreims eines Marschliedes im Sechsachteltakt, das Werner Richard Heymann 1930 für den Ufa-Klassiker „Die Drei von der Tankstelle“ schrieb.

Gegensätzliche Symbiose

Dicke Freunde waren auch – selbst wenn sie sich (auf der Leinwand) immer wieder triezten, traten und ins Auge stachen – Stan Laurel und Oliver Hardy. Über den einen zu sprechen, ohne den anderen zu nennen, das geht bei diesem heute noch immer beliebten Komiker-Duo ebenso wenig, wie sich Ernie ohne Bert zu denken oder Herricht ohne Preil. Komiker-Kollege Buster Keaton (1895–1966) sagte einmal sagte über Stan Laurel: „Ich war nicht der Lustigste, Chaplin war nicht der Lustigste, dieser Mann war der Lustigste.“ Doch ohne seinen kongenialen Filmpartner Hardy war halt auch Laurel nichts. Mehr als hundert Filme dreht das symbiotisch im Gegensatz vereinte Duo zwischen 1927 und 1951 – die meisten laufen noch immer hier und da im Fernsehen und es gibt mit Sicherheit unangenehmere Dinge, als sich die ob ihrer Situationskomik und Dialogwitz bewegenden Streifen mit Stan Laurel und Oliver Hardy anzuschauen.

Tom McGrath, schottischer Dramatiker, schrieb eine 1976 uraufgeführte Komödie, in der er Stan Laurel und Oliver Hardy nach ihrem Tod in einer Vorhölle noch einmal die Höhepunkte ihrer Karriere durchleben lässt. Nun hatte das schlicht wie eingängig „Laurel & Hardy“ betitelte Werk auf dem Theaterkahn Premiere. Carsten Nüsslers Bühnenbild in dieser Inszenierung von Arne Retzlaff ist betont schlicht: Ein paar Stoffbahnen und zwei schwarze Ölfässer, die fast so viel aushalten müssen wie bei einem Konzert von Les Tambours du Bronx. In je einem Fass stecken zunächst Laurel & Hardy, wobei sie zunächst aufeinander warten wie Estragon und Wladimir auf Godot, sich aber zunächst verfehlen, was schon mal die erste Pointe ist.

Komödie mit Tiefgang

McGraths komödiantischer, aber auch durchaus Tiefgang aufweisender Bilderbogen funktioniert wie die Filme von Laurel und Hardy, in denen es keiner aufwendigen Kulissen oder hanebüchenen Storys bedurfte, sondern eine simple Leiter durchaus ausreichte, um Alltag in Anarchie umschlagen zu lassen. Felix C. Voigt verkörpert den schmächtigen Schussel Laurel, Tom Quaas den, pardon, dicken Boss und großspurigen Besserwisser Hardy, der sich zwar Mühe gibt, die Würde seiner Person zu wahren, aber letztlich scheitert. Die Maskierung funktioniert, eine gewisse physische Ähnlichkeit mit diesen Helden der Kindheit ist vorhanden, aber letztlich setzen sie nur hier und da eigene Akzente, de facto lebt der Abend vor allem davon, dass Quaas und Voigt nicht ihre eigene Kunst, sondern vorrangig die von Laurel und Hardy zeigen. Aber auch sonst schlüpfen Voigt und Quaas in die unterschiedlichsten Rollen, sind je nach Szene Medien-Mogul, Filmprozent, Ehefrau... Insbesondere Quaas’ Darstellung des Filmproduzenten Joe Rock ist schauspielerisch einfach Extraklasse.

„Ich bin gar nicht so dumm, wie du aussiehst“

An Slapstick-Einlagen ist kein Mangel, hier und wäre etwas weniger an Stolpereien und Stürzen vielleicht mehr gewesen, aber was soll’s. Freunde des Wortwitzes kommen durchaus auch auf ihre Kosten, etwa wenn der sich ewig verwundert am Kopf kratzende Träumer Stan mit treudoofem Blick seinen Kumpel wissen lässt, dass der Dialog nicht mehr zu retten sei, oder wenn der wiederum einmal versichert: „Weißt Du Stan, ich bin gar nicht so dumm, wie Du aussiehst!“ Melancholie durchweht die Inszenierung aber durchaus auch, traurige Komiker sind eben auch ein dankbares Sujet. Nein, es wird nicht unterschlagen, dass Laurel dem Alkohol zeitweise „sichtbar zugetan“ war.

Unumgänglich ist es in dem Doppelporträt eines sich mit den Tücken des Lebens herumschlagen müssenden Künstlerpaares, auch auf die Frauen im Leben von Laurel und Hardy einzugehen, wobei der Satz „Mister Laurel heiratet – und auch Mister Hardy wurde vom Unglück verfolgt“ den Tonfall vorgibt. Es setzt zahlreiche Kalauer über die Ehe, die beide gleich mehrmals eingingen (Laurel achtmal, Hardy dreimal), aber das „Mysterium der Liebe“ und die Magie der Frauen wird nicht in Frage gestellt.

Das Tüpfelchen aufs i in der aparten Inszenierung ist dann die Zugabe. Quaas und Voigt zeigen jenes gerade wegen seiner Tollpatschigkeit berühmte Tänzchen, das Laurel und Hardy in der Westernparodie „Zwei ritten nach Texas“ von 1937 vollführten. Ein schwerfällig verlagertes Körpergewicht, ein ungelenk geschwungenes Bein: Fertig ist eine komödiantische Nummer von berührendem Charme.

Oliver Hardy starb 1957 in Kalifornien. Stan Laurel hörte auch nach dessen Tod nicht auf, Sketche für gemeinsame Auftritte zu schreiben.

nächste Vorstellungen: 22. Oktober, 16., 26. & 29. November, 3. & 17. Dezember

www.theaterkahn.de

Von Christian Ruf

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