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Lokales Auftaktkonzert der „Kaisermania“ begeistert wiederholt Tausende Fans
Dresden Lokales Auftaktkonzert der „Kaisermania“ begeistert wiederholt Tausende Fans
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16:36 03.08.2019
Roland Kaiser bei der ersten Show der diesjährigen Kaisermania am Dresdner Elbufer. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

„Es ist immer ein bisschen wie nach Hause kommen“, sagt der Kaiser, als der ekstatische Willkommensjubel nach einer gefühlten Ewigkeit verklungen ist. 12.000 Fans sind am Freitag aus allen Ecken der Republik ans restlos ausverkaufte Elbufer gepilgert, um zum Auftaktkonzert der diesjährigen Kaisermania ihrem großen Idol Roland Kaiser zu huldigen.

Glücklich kann sich schätzen, wer eines der begehrten Tickets ergattern wollte, denn trotz eines saftigen Aufschlags gegenüber dem Jubiläums-Vorjahr gab es bereits eine Stunde nach dem Vorverkaufsstart keine Karten mehr. Besonders hartgesottene Anhänger des besonders in Elbflorenz heißverehrten Kultstars harrten bereits seit den Morgenstunden des großen Moments.

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Und ein bisschen hartgesotten sollte man -mit Verlaub- auch sein, will man dem Spektakel beiwohnen: bereits eine Viertelstunde nach Einlassbeginn gestaltet es sich höchst schwierig, einen Platz zu finden. Noch schwerer ist es nur, einen solchen zu verteidigen. „Liebe wird uns alle retten“ bleibt mitunter ein frommer Wunsch bei dem Hauen und Stechen, das zwischenzeitlich im Kampf um den besten Standort ausbricht. Vielleicht handelt es sich hierbei aber auch nur um einen strategisch klug ausgetüftelten Vorgeschmack auf das Mitte August anstehende Konzert von Philipp Poisel in der Jungen Garde. Die Frage „Wie soll ein Mensch das ertragen“ jedenfalls schiebt sich in den zwei Stunden vor Konzertbeginn immer wieder mal wie ein düsterer Filter über das Szenario.

Viel zu voll sei es inzwischen hier, findet auch Diana aus Bad Liebenwerda. Die 49-Jährige ist mit ihren Freundinnen und gülden glitzernden Fanshirts bereits zum dritten Mal zur Kaisermania nach Dresden gereist. „Vor drei Jahren war es wirklich mega – letztes Jahr war es eigentlich schon viel zu voll und dieses Jahr macht es fast schon keinen Spaß mehr“, fasst die resolute Blondine zusammen. Vom Feiern abhalten lassen, will sie sich aber trotzdem nicht. Dieses Vorhaben gelingt, denn „Rolle“ treibt die Stimmung im flotten silbergrauen Dreiteiler nebst Einstecktuch ab Sekunde eins an beharrlich in Richtung Zenit.

„Stark“ ist dann auch direkt der Opener, in dessen Anschluss der Kaiser seinem begeisterten Volk das Du anbietet - „das kann man schon mal machen, immerhin bin ich, egal wo ich hinkomme, immer einer der Ältesten am Platz“. „Wohin gehst du“ fragt er dann direkt auch seine neuen Duz-Freunde. Einer von ihnen sieht mit Undercut, Punkeroutfit und reich mit Tattoos, Tunneln und Piercings versehen wie das glatte Gegenteil von der klischeegeleiteten Imagination des typischen Kaiser-Fans aus – macht aber wie alle anderen nicht den Eindruck, als wolle er gerade irgendwo anders sein als hier.

Die Liebe zum Kaiser eint tatsächlich sehr frappierend diese große Vielzahl von Menschen sehr unterschiedlichen Alters und Typs. Bei der Kaisermania ist das alles „Kein Problem“, findet auch der Kaiser selbst. Am Ende geht es schließlich eh nur um das Eine - „Dich zu lieben“ und eine vor Love überschäumende Lichtshow mit roten Herzen auf der Bühne.

Auf dieser steht Roland Kaiser bereits seit 45 Jahren. Oft, so sagt er, ging es dabei um Versuchung, die Schlange im Paradies wäre bei ihm vermutlich jedoch gnadenlos abgeblitzt. Ein Apfel lockt einen Kaiser nicht hinterm Ofen vor, bekennt er freimütig und verrät, dass vor allem Schokolade seinen Widerstand bröckeln lässt. Ärgerlich, aber auch kein Drama, denn „Manchmal kann selbst der Frömmste nicht in Frieden leben“.

Friede, Freude, Eierkuchen auch auf der Bühne: Die 14-köpfige Band hat sichtlich Spaß bei der musikalischen Untermalung seiner kaiserlichen Majestät, der jedem einzelnen Bandmitglied im Verlauf des Abends namentlich dankt und Tribut zollt. Nach einer halben Stunde gibt es dann auch direkt das erste Highlight, wenn sich sowas bei einer Veranstaltung wie der Kaisermania überhaupt herausfiltern lässt: „Santa Maria“ lockt auch den verzagtesten Fan endgültig aus der Reserve und keinen hält es mehr auf den Sitzen.

Selbst so wenig progressive Lines wie „ Den Schritt zu wagen (…) vom Mädchen bis zur Frau“ werden von der euphorischen Meute stoisch gefeiert. Nun ja. Passt ja auch irgendwie zum leicht steinzeitlich anmutenden „Umdada, Umdada,uh ah“ im Refrain und tut der bombastischen Stimmung keinen Abbruch.

Kein Wunder, denn auch der Kaiser selbst ist mit unverkennbarer Spielfreude bei der Sache und schafft es tatsächlich, in jedem Moment mitzureißen. Sein fortschreitendes Alter und die überstandene Lungenerkrankung halten ihn augenscheinlich nicht davon ab, für seine Fans alles zu geben. So dreht sich zum nächsten Schunkel-Kracher „Manchmal möchte ich schon mit dir“ selbstironisch das Zahnrad der Zeit auf der Bühne. Davor blinken unzählige pinkfarbene und blaue Krönchen im sich verdunkelnden Abendhimmel. Im Publikum wird gekuschelt und geknutscht. „Mich küsst keiner“ bedauert der 67-Jährige augenzwinkernd und seine zum Teil deutlich jüngere Fangemeinde würde wohl nur zu gern etwas daran ändern. Das, so der Schlagerstar, sei eben die Einzigartigkeit von Dresden und bekennt sich dann auch freimütig zu einer „Affäre“ mit unserer Stadt.

Diese ist geflasht von „Rolle“, das Bühnenbild sieht aus, wie vom Flaschengeist Dschinni direkt aus der Lavalampe ans Elbufer gezaubert. Mit „Liebe kann uns retten“ läutet der Kaiser gegen halb zehn scheinbar das Ende der Show ein, das erweist sich jedoch als wenig überraschende Finte. „Ihr habt mich tief beeidruckt“, bedankt sich Roland Kaiser sichtlich ergriffen bei den jubelnden Fans, für die ihr Idol umgekehrt sicher auch mit „Das Beste am Leben ist“. Es folgen diverse Hits wie „Es geht schon wieder los“ und „Kurios“, bevor der Star, dem (augenscheinlich nicht nur) die Frauen vertrauen mit der Dr.-Stefan-Frank-Hymne „Alles was du willst“ dann doch einen vorläufigen Schlussstrich unter einen insgesamt runden Konzertabend zieht.

„Ich könnte noch zwei Stunden so weitermachen“, ruft der Kaiser und man glaubt es ihm auf’s Wort. Trotzdem gibt er sich nach einer unter anderem „Joanna“ gewidmeten Zugabe, einer Party, zu der Rolle ohne Maite Kelly gegangen ist und einem um sich greifenden, allumfassenden Bedauern über das Ende des Abends, dann doch um kurz nach halb elf „Schachmatt“ geschlagen. Natürlich nicht ohne das obligatorische Feuerwerk und die ausdrückliche Aufforderung, sich mehr Zeit zum Träumen, zum Lieben und zum Leben zu nehmen und einer ordentlichen Verabschiedung „Bis zum nächsten Mal“.

Das ist für weitere 36.000 Fans schon an diesem Sonnabend sowie am kommenden Freitag und Sonnabend. „Sieben Fässer Wein“ rollte der Kaiser übrigens nicht auf die Bühne – die wurden aber sicher im Verlauf des Abends auch ohne sein Zutun alle. Und so kann man von Roland Kaiser sicher halten, was man will, muss eins jedoch neidlos und mit ein bisschen Ehrfurcht anerkennen: Der Mann hat die Massen im Griff und versteht es, die Liebe und das Leben zu feiern. Darauf einen Knicks.

Von Kaddi Cutz

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