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Lokales Aufregung um Schulbudgets in Dresden
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Aufregung in Dresden um Budgets für die Schulen

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09:00 09.06.2021
Für Bücher, Arbeitshefte und Kopien ihrer Schüler müssen in Sachsen die Kommunen aufkommen.
Für Bücher, Arbeitshefte und Kopien ihrer Schüler müssen in Sachsen die Kommunen aufkommen. Quelle: Archiv/Silke Hoffmann
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Dresden

Aufregung um die Schulbudgets für Dresdner Schulen: Die Landeshauptstadt hat rund 150 Schulen. Alle erhalten alljährlich von der Stadt ein sogenanntes Schulbudget, aus dem unter anderem Lehr- und Lernmittel wie Arbeitshefte und Schulbücher finanziert werden. Jetzt sieht es plötzlich so aus, als würde die Stadt die Mittel kürzen wollen. Das sorgt für Empörung, aber die Stadt widerspricht.

„Nach über einem Jahr Corona, Schulschließungen und Wechselunterricht kehren wir nun langsam zum Normalbetrieb zurück und blicken hoffnungsvoll auf das neue Schuljahr, in dem wir mit unseren Schülerinnen und Schülern hoffentlich wieder wie gewohnt arbeiten können. Und nun wurde uns bekannt gegeben, dass das Schulbudget für das kommende Schuljahr um 25 Prozent eingekürzt wird“, erklärt eine Lehrerin aus Dresden gegenüber den DNN.

Unverständnis wegen Überschüssen der Stadt

Sie kann das überhaupt nicht verstehen, wenn sie auf der anderen Seite sieht, dass Dresden trotz der Pandemie im vergangenen Jahr einen Überschuss von mehr als 100 Millionen Euro erwirtschaftet hat.

Die Lehrerin einer Grundschule sieht schwarz für die Zukunft und fürchtet „große Einschränkungen“ für Schüler und Lehrerschaft. Bei solch „massiven Kürzungen“ könnten keine neuen Bücher bestellt werden und für alle betroffenen Klassenstufen gebe es beispielsweise in den Fächern Englisch und Ethik keine Arbeitshefte mehr.

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Doch damit nicht genug. Die Bücher für den Deutschunterricht beispielsweise seien über zehn Jahr alt. Zwischenzeitlich habe der Verlag bereits zwei neue, nach neuesten pädagogischen und fachwissenschaftlichen Erkenntnissen erarbeitete Exemplare aufgelegt. Neue Lehrwerke seien von den Lehrern bereits ausgewählt, könnten aber nun nicht mehr angeschafft werden.

Weil Arbeitshefte nicht angeschafft werden könnten, müssten Arbeitsblätter massenhaft kopiert werden, wofür nur ein Kopierer zur Verfügung stehe.

Aufgestauter Ärger entlädt sich

Im Ärger der Lehrerin entlädt sich wohl auch viel, was sich im Lauf der Pandemie aufgestaut hat. Während der gesamten Corona-Zeit seien auch unter Verweis auf benachteiligte Kinder besonders Grundschulen möglichst lange offen gehalten worden, damit Eltern weiterhin arbeiten gehen können. „Wir als Lehrer haben uns während der gesamten Zeit der Schulschließungen bemüht, trotz nicht vorhandener – digitaler – Infrastruktur wie beispielsweise kein W-Lan in der Schule, keine Dienstcomputer, veraltete Technik, massive Mängel auf der sächsischen Lernplattform „Lernsax“ – unsere Schüler zu erreichen und ihnen Wissen zu vermitteln.“ Das es nun noch schlimmer kommen könnte, hätte niemand gedacht, meint die Lehrerin.

Bildungsbürgermeister Jan Donhauser (CDU) versucht, die Wogen zu glätten. „Wir reichen bis September zunächst 75 Prozent der Schulbudgets aus und entscheiden dann, was mit den 25 Prozent passiert“, erklärte der CDU-Politiker. Ihm ist jedoch wichtig, zu betonen, dass es sich nicht um eine Kürzung handele. „Es ist eine reine Vorsorgemaßnahme“, betonte Donhauser. Im September gebe es einen Kassensturz. Sollte es an Schulen „absolute Engpässe“ geben, könnten sich diese an das Schulverwaltungsamt wenden. Vor etwa einem Monat seien die Einrichtungen informiert worden, bislang gebe es Gespräche mit vier Schulen. Auch der Bildungsausschuss sei informiert.

Donhauser verteidigt vorsichtiges Vorgehen

Neun Millionen Euro sind in diesem und im nächsten Jahr jeweils für die Schulbudgets im Haushalt der Stadt vorgesehen. Grundsätzlich sind die Budgets an der Schülerzahl ausgerichtet, dann werden sie anhand vieler Parameter verteilt – für Lehrmittel im Unterricht gibt es an Grundschule 30 Euro pro Schüler, an Oberschulen 28 und an Gymnasien 20,50 Euro. Kleinere Beträge gibt es beispielsweise auch für Exkursionen oder Dolmetscher.

Jan Donhauser geht davon aus, dass mit den 75 Prozent schon Anschaffungen möglich sind und ohnehin keine Schule bis September 100 Prozent ihres Jahresbudgets ausgeben würde. Die 109 Millionen Haushaltsüberschuss stünden nicht allein für den Bildungsbereich zur Verfügung. Von der Kürzung bedrohte Investitionen in Millionenhöhe sollen nun bereits mit den Geldern abgesichert werden.

In der vom Stadtrat im Dezember beschlossenen Kürzungsvorlage stünden aber zudem auch 31 Millionen Euro drin, die bei laufenden Ausgaben eingespart werden sollen. Der überwiegende Teil entfalle aufgrund der Prognose zu sinkenden Kinderzahlen auf den Kita-Bereich. Eine Million soll nach gegenwärtigem Stand auch das Schulverwaltungsamt sparen. Daher werde nun mit den Schulbudgets so verfahren. Jan Donhauser: „Es ist doch besser vorsichtig zu sein, als später vor einem großen Problem zu stehen.“

Von Ingolf Pleil