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Lokales In Dresden werden erste Medikamente knapp
Dresden Lokales In Dresden werden erste Medikamente knapp
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13:39 21.04.2019
„Der Wettbewerbsdruck auf die Hersteller ist seit der Einführung von Rabattverträgen erheblich gestiegen“, so Donner. Quelle: dpa
Dresden

Das Problem der wachsenden Medikamentenknappheit hat neben Belgien und Frankreich auch Deutschland erreicht. In Hannover zum Beispiel haben Apotheken und Krankenhäuser wegen der zunehmenden Engpässe bereits im Herbst 2018 Alarm geschlagen, nachdem manche Produkte über Monate nicht erhältlich waren.

Während der Impfsaison 2018/2019 war der Höhepunkt der Lieferengpässe erreicht, als bundesweit der Vierfach-Grippeimpfstoff knapp wurde. Berliner Apotheken halten sich seit über einem Jahr mit Improvisationsmanövern über Wasser. Trotz regionaler Unterschiede sind Dresdens Krankenhäuser, Ärzte und Apotheken von Lieferengpässe ebenso betroffen.

Blutdrucksenker momentan Mangelware

„Die größten Schwierigkeiten machen derzeit die Sartane, also blutdrucksenkende und gefäßerweiternde Wirkstoffe, die für die Behandlung von Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen eingesetzt werden. Bei anderen Wirkstoffen, wie Ibuprofen, hat sich die Situation aktuell stabilisiert“, weiß Göran Donner, der Vizepräsident der Sächsischen Landesapothekenkammer.

Göran Donner, Vizepräsident und Sprecher der Sächsischen Landesapothekerkammer Quelle: SLAK

Keine Entspannung der Situation

Anders als in den Apotheken in Hannover werden Patienten in Dresdens Apotheken selten weggeschickt, um sich ein neues Rezept zu besorgen. „Wir versuchen die Probleme in der Apotheke zu lösen, z. B. über eine telefonische Absprache mit der Arztpraxis, um dem Patienten zusätzliche Wege zu ersparen“, betont Donner. Lieferschwierigkeiten könnten durch Ausweichpräparate überbrückt werden, eine Entspannung der Situation sei aber nicht in Sicht.

Preisschlacht – zu wenige Arzneihersteller – wachsender Bedarf

Als Gründe für die Engpässe nennt Donner neben dem zunehmenden weltweiten Bedarf an Arzneimitteln und der Verbesserung der sozialen Netze auch die sogenannten Rabattverträge. Dabei handeln Krankenkassen mit Pharmafirmen Rabattverträge für einzelne Wirkstoffe aus, um bei den sinkenden Preisen mithalten zu können und verlagern ihre Produktion nach China und Indien.

Hinzu komme noch die Konzentration der Wirkstoffproduktion durch die Globalisierung. „Für verschiedene Wirkstoffe gibt es nur noch wenige Hersteller, vor allem Asien spielt hier eine bedeutende Rolle. Treten aber bei dem Hersteller Störungen auf, kommt es zu Engpässen“, erklärt Donner.

Mehr Hersteller in Europa

Mögliche Lösungsansätze für das Problem hat Mathias Grau, stellvertretender Vorsitzender des Apothekenverbands Niedersachsen, bereits vorgelegt. Zum einen könnten mehr Hersteller-Alternativen in Deutschland Abhilfe schaffen, zum anderen Engpässe durch ein Frühwarnsystem rechtzeitig erkannt werden.

Donner hält beide Ansätze für sinnvoll. „Es muss dafür gesorgt werden, dass Wirkstoffe von mehreren Firmen in Europa hergestellt werden“, so Donner, „und der Aufbau eines Registers ist etwas positives, auch wenn nur Lieferschwierigkeiten erfasst werden, deren Ursachen bereits geschehen sind.“

Notfallplan vorhanden

Sollte es in Zukunft in ganz Deutschland zu einer großen Gesundheitskrise kommen und größere Mengen eines bestimmten Medikaments gebraucht werden, sei Dresden gewappnet, meint Donner. „Es gibt einen Notfallplan. Müssten zum Beispiel Antibiotika oder Impfstoffe in Massen eingesetzt werden, wäre ein flächendeckendes Versorgungsnetz nötig und das ist in ganz Sachsen vorhanden.“

Generell sei die enge Verzahnung der Heilberufekammern mit dem Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (SMS) beispielhaft. „Wir werden außerdem auch in Zukunft alles Notwendige tun, um die Versorgung der Bevölkerung mit allen Arzneimitteln zu sichern“, betont Donner. Aktuell erarbeitet die sächsische Politik ein Gesetz, das die Vor-Ort-Apotheken stützen soll, um sich weiterhin für die wohnortnahe Versorgung stark zu machen.

Von lp

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