Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Auch die Freundin des Dresdner „Meisterdiebs“ muss in Haft
Dresden Lokales Auch die Freundin des Dresdner „Meisterdiebs“ muss in Haft
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:30 27.02.2018
Wegen Hehlerei und Beihilfe zum Diebstahl wurde Sindy L. zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt. Quelle: dpa/Berg
Anzeige
Dresden

Wenn der Mann immer unterwegs ist, nächtelang nicht heimkommt und auf diesbezügliche Fragen nicht antwortet, könnte man auf einen Seitensprung und eine „Nebenfrau“ schließen. Das versuchte Sindy L. am Montag auch im Amtsgericht zu vermitteln. „Ich war eifersüchtig und dachte, er hat eine Freundin“, erzählte sie. Nur wusste sie ganz genau, was ihr Lebensgefährte nachts so trieb – Klauen, und zwar im ganz großen Stil und nur vom Feinsten.

Beide wohnten über ihre Verhältnisse

Beide standen bei seinen Raubzügen auch in Kontakt. Er schrieb ihr, wo er gerade war und was er „mitgehen lies“. Gelegentlich schickte er ihr auch Fotos von den Dingen, die er gerade stahl und fragte, ob es ihr gefiel: zum Beispiel von Designer-Lampen, die er in einem Geschäft abmontierte, oder einem Nobelbett, das er gerade abfahrbereit machte. Sie kommentierte dies dann: mit „Cool und Schicki“ oder „Bin gespannt, wie es aufgebaut aussieht.“ Da kann man von „ich habe das alles nicht gewusst“ nicht mehr reden.

Anzeige

Ganz abgesehen davon, dass ein Paar, bei dem er von Hartz IV lebt und sie nur stundenweise arbeiten geht, sich den Lebensstandard und die Wohnung der beiden keinesfalls leisten kann: Meißner Porzellan, Sattler-Leuchten – der Mercedes unter den Lampen – oder ein Designer-Bett für über 10.000 Euro. „Da war alles teuer, das war eine Edelwohnung“, sagte ein Polizeibeamter.

Sindy L. wurde selbst aktiv

aauptkommissar Jürgen Leistner mit einer vergoldeten Kalaschnikow aus der Lagerhalle Quelle: Dietrich Flechtner/Archiv

Dafür hatte ihr Lebensgefährte Christian L. gesorgt. Er war im Dezember 2017 vom Landgericht zu sechseinhalb Jahren verurteilt worden. Der 33-Jährige hatte sich über Jahre hinweg allein oder mit Kumpanen ein eigenes Warenhaus „zusammengemaust“ und sich dafür extra eine Lagerhalle auf der Meschwitzer Straße angemietet. Da gab es nichts, was es nicht gibt: Motorräder, Waffen, Münz- und Briefmarkensammlungen, Smartphones, teure elektronische Geräte, Kameras, Möbel, Pelze und Luxus-Klamotten (von Armani bis Lagerfeld), hochwertige Kosmetik sowie Kisten mit Blattgold für allein 30 000 Euro.

Nachdem er im Februar 2017 in U-Haft wanderte, wurde Sindy L. aktiv, ließ die Schlösser in der Halle austauschen, hatte damit alleinige Verfügungsgewalt, transportierte Stehlgut in die Wohnung und übergab es an andere Mittäter, die es verhökerten. „Ich habe auf seine Anweisungen gehandelt.“ Stimmt nicht ganz, die Idee mit dem Schlosswechsel hatte sie.

Sicher, ohne ihn wäre sie nicht in das kriminelle Milieu gerutscht und er hat sie bestimmt auch manipuliert, aber sie hat sich arrangiert, nicht interveniert und ganz gut damit gelebt. Wegen Hehlerei und Beihilfe zum Diebstahl wurde sie zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und acht Monaten verurteilt.

Von Monika Löffler