Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Attacke auf Jugendamtsleiter: Prügler muss ins Gefängnis
Dresden Lokales Attacke auf Jugendamtsleiter: Prügler muss ins Gefängnis
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:32 14.05.2019
Der Angeklagte Torsten K. beim Prozessauftakt. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung muss Dr. Torsten K. ein Jahr und fünf Monate ins Gefängnis und dem Opfer Schmerzensgeld zahlen. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Markus Maier sah keine günstigen Umstände für eine Bewährung. Der Angeklagte hatte am 27. November 2018 den Leiter des Dresdner Jugendamtes, Claus Lippmann, im Amtsgericht brutal zusammengeschlagen. Lippmann sollte als Zeuge in einem Prozess gegen den 46-Jährigen wegen Beleidigung und Nötigung aussagen.

Jugendamtsleiter in psychotherapeutischer Behandlung

Der Amtsleiter erlitt bei der Attacke eine Fraktur des linken Augenhöhlenbodens, Riss- und Schürfwunden im Gesicht und Prellungen im Rippenbereich. Der 65-Jährige musste operiert werden, lag Tage in der Klinik und war bis Ende des Jahres krank. Er hat noch heute Probleme mit dem betroffenen Auge sowie bei der Verarbeitung des Angriffs und befindet sich in psychotherapeutischer Behandlung. „Das größte Problem ist aber, dass so eine Tat erhebliche und nachteilige Auswirkungen auf die Sozialarbeit hat“, so Lippmann.

Auslöser war ein jahrelanger Streit des Angeklagten mit seiner Ex-Lebensgefährtin über das Umgangsrecht mit den beiden gemeinsamen Töchtern. In unzähligen Gerichtsverhandlungen lieferten sich die Eltern einen harten Kampf. „Es sind hochintelligente Leute, jeder für sich ist ein guter Elternteil, aber beide zusammen funktionierten nicht“, sagte eine Familienrichterin während des Prozesses.

Claus Lippmann Quelle: Monika Löffer

Wut des Angeklagten übertrug sich auf alle

Der 46-Jährige fühlte sich dabei nach eigener Aussage übergangen, ausgebremst und ungerecht behandelt und machte die Mutter für die Trennung und die „Entfremdung“ der Töchter verantwortlich. Dabei blendete er körperliche Übergriffe seinerseits auf die Frau und eine Tochter aus. Das Mädchen zog sich von ihm zurück und wollte keine gemeinsamen Aktivitäten mehr.

Seine Wut übertrug sich auf alle, die irgendwie mit dem Fall zu tun hatten, auch auf das Jugendamt. Von dem forderte er einen „Maßnahmekatalog gegen die Entfremdung“ und schickte danach eine üble E-Mail. Er bezeichnete Lippmann als „Arsch“ und drohte den Mitarbeitern einen Besuch an, „um ihnen den ganzen Hass und die Verachtung eines Vaters darzulegen“. Der Amtschef erstattete Anzeige, um seine Mitarbeiter zu schützen.

„Es wird Tote geben“

Dr. Torsten K. erhielt einen Strafbefehl, gegen den er Einspruch einlegte – und drehte dann richtig auf. Er bedrohte den Richter, der mit dem Strafbefehl, aber nichts mit dem Umgangsstreit zu tun hatte, mit dem Tode und kündigte einer Staatsanwältin gegenüber an, „es wird Tote geben“.

Als über den Strafbefehl verhandelt werden sollte, schlug der 46-Jährige vor dem Prozess Lippmann auf dem Gerichtsgang zusammen. Er hörte auch nicht auf, als der Amtschef blutend am Boden lag. Erst als ein zufälliger Gerichtsgast couragiert dazwischenging und den Angreifer in den Schwitzkasten nahm, war Schluss.

„Was wäre passiert, wenn der Mann nicht dazwischen gegangen wäre?“

„Die Tat war geplant, sie haben sie mehrfach angekündigt und nicht nur einmal zugeschlagen, sondern immer weitergeprügelt. Was wäre passiert, wenn der Mann nicht dazwischen gegangen wäre? Die Schläge auf den Kopf hätten tödlich enden können“, sagte der Richter. Besonders übel, so Maier, sei zudem, dass die Tat in einem geschützten Bereich stattfand. „Oft wollen Zeugen nicht ins Gericht kommen, weil sie Angst haben. Denen müssen wir dann sagen, dass sie erscheinen müssen. Aber wir müssen ihnen auch Sicherheit bieten und können nicht dulden, dass sie hier zusammengeschlagen werden.“

Dr. Torsten K. hatte sich in der Verhandlung, wenn auch etwas halbherzig, entschuldigt. „Es ging um meine Kinder, ich habe mir nicht anders zu helfen gewusst“, erklärte er. „Es war ein großer Fehler. Ich würde so etwas nicht wieder tun.“

Von Monika Löffler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Lokales Hilbert winkt Finanzpaket durch - Geld für die Dresdner Affen

Die Dresdner Affen können sich auf ein neues Domizil freuen. 500 000 Euro stehen für die Vorarbeiten für ein neues Orang-Utan-Haus zur Verfügung. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat mit einem Verzicht den Weg dafür frei gemacht.

14.05.2019

Die Membran fehlt noch, aber die Konstruktion steht. Am Dresdner Elbufer nimmt das neue Dach der Dresdner Filmnächte langsam, aber sicher Gestalt an.

14.05.2019

Finanziell steht der Sanierung der 65. Grundschule in Dresden-Kleinzschachwitz nichts mehr im Weg. Jetzt muss die Stadt nur noch Handwerker finden. Und dann bleibt noch ein großer Wunsch.

14.05.2019