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Lokales Apple lädt Dresdner Student ins Silicon Valley ein
Dresden Lokales Apple lädt Dresdner Student ins Silicon Valley ein
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08:18 24.05.2019
Informatik-Student Max Härtwig hat eine eigene Umwelt-Simulation für Apple entwickelt. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

In acht Tagen steigt der Dresdner Informatik-Student Max Härtwig in den Flieger nach Kalifornien. Dort wird er sich einen großen Traum erfüllen und in das Universum des Technologie-Riesen Apple abtauchen. Er ist einer von 350 Entwicklern weltweit, die zur „Worldwide Developers Conference“ nach San José reisen.

Alles begann mit Latein

Die Chance, dorthin eingeladen zu werden, gleicht die, im Lotto zu gewinnen. In der Tat ist es zum einen möglich, die Teilnahme in der Ticketlotterie zu gewinnen. Eine andere Variante sind die 350 Stipendien. Max weiß schon einige Jahre von der Möglichkeit: „Ich habe mich nur nie getraut, mich zu bewerben“, erzählt der 22-Jährige. Verstecken muss er sich nicht: Auf dem Gymnasium Sankt Afra in Meißen besuchte er in der 7. Klasse eine AG für Informatik. Der Lehrer erklärte den Schülern damals, er wolle mit ihnen eine Welt virtuell zum Leben erwecken. „Dass man da erst vor einer leeren Seite sitzt und am Ende ein funktionierendes kleines Universum schafft, hat mich wahnsinnig fasziniert“, erinnert sich Max.

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In seiner Freizeit suchte er sich seitdem eigene kleine Projekte, um seine Programmierfähigkeiten voranzutreiben. Auch sein mittlerweile größtes Projekt fing vor rund sieben Jahren klein an: „Latein ist mir in der Schule sehr schwer gefallen. Ich habe mir immer wieder Karteikarten geschrieben. Schließlich kam mir die Idee, eine Karteikarten-App zu schreiben“, erzählt Max. Diese App wurde inzwischen über 220 000 mal heruntergeladen und wird monatlich von rund 12 000 Menschen genutzt. Jeder muss seine Karteikarten dort zwar selbst schreiben, kann diese aber immer wieder aufrufen und sich von der App abfragen lassen. Max lernt damit gerade Chinesisch. Durch freiwillige In-App-Käufe verdient er damit mittlerweile sogar ein bisschen Geld. Die App können bisher nur Apple-Nutzer herunterladen. Eine Version für das googlebasierte Betriebssystem Android steht aber ganz weit oben auf der To-Do-Liste des Informatikstudenten. Dafür muss er die App allerdings noch einmal neu schreiben und die Anweisungen in eine neue Computersprache übersetzen.

Per App die Welt retten

Die Voraussetzungen, sich für ein Stipendium zu bewerben, stimmen also. Und im März dieses Jahres hat Max sich getraut. Für die Bewerbung hatten die potenziellen Stipendiaten sechs Tage Zeit, sich eine Anwendung auszudenken, die in drei Minuten verstanden und durchgeführt werden kann. Max entschied sich für eine Mischung aus Spiel und Simulation zum Thema Umweltschutz. In „Saving the Planet“ sieht der Nutzer eine Weltkarte vor sich und im Meer tauchen immer wieder kleine Plastikflaschen auf. Zwischendrin fahren Öltanker, die auslaufen können und die Kontinente sind nur noch schwach mit Bäumen bestückt. Auch Vögel gibt es kaum. Ziel ist es, so viele Plastikflaschen und Müllberge wie möglich anzutippen und aufzusammeln, bis nach und nach Windkraftanlagen auftauchen. Auch die Bäume und Vögel werden immer mehr und spätestens nach drei Minuten hat der Spieler die Welt gerettet.

60 Stunden später schickte Max seine Bewerbung ab – zwei Stunden vor Ablauf der Zeit. Sechs Wochen später erreichte Max mitten in der Nacht die ersehnte Nachricht: Er hat es geschafft und gehört zu den 30 deutschen Stipendiaten. „Ich habe mich so gefreut und direkt die Flüge gebucht“, erzählt der Student freudestrahlend. Diese musste er übrigens selbst zahlen, Apple kommt nur für das Ticket zur Konferenz und für die Übernachtung auf. Am 1. Juni startet er in sein Abenteuer, die Konferenz selbst findet vom 3. bis zum 7. Juni statt. Für Max ist es nicht die erste USA-Reise. Nach der zehnten Klasse absolvierte er ein Highschool-Jahr in Michigan.

Ob der Student auch den gerade erst eröffneten Apple-Park von innen zu sehen bekommt, weiß er noch nicht. Aber vielleicht klappe es ja mit einem Selfie von ihm und Apple-Chef Tim Cook, witzelt er. Der 22-Jährige hat aber auch durchaus ernste Absichten: „Ich hoffe, die richtigen Kontakte knüpfen zu können, um eine Chance auf ein Praktikum bei Apple zu bekommen“, erzählt Max. Doch zunächst bleibt er in Dresden aktiv, arbeitet nebenbei bei einer kleinen Softwarefirma und hat dennoch ein großes Ziel vor Augen: „Auch wenn ich damit das Klischee eines Informatikers erfülle, aber irgendwann mal als App-Entwickler bei Google zu arbeiten, das wär’s“.

Von Lisa-Marie Leuteritz