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Lokales Wie sich eine Dresdner Fahrlehrerin in einer Männerdomäne behauptet
Dresden Lokales Wie sich eine Dresdner Fahrlehrerin in einer Männerdomäne behauptet
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16:05 07.01.2020
Dagmar Kanter führt seit mehr als 24 Jahren in Dresden eine Fahrschule. Quelle: Anja Schneider
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Dresden

Im Jahr 2019 besaßen deutschlandweit rund 76,4 Prozent der Frauen einen Führerschein. Bei den Männern waren es rund 84,8 Prozent. Das ist einer im Internet veröffentlichten Statistik der Hamburger Statista GmbH zu entnehmen. Doch der Anteil an Fahrlehrerinnen in Fahrschulen ist verschwindend gering.

Dabei suchen 44,5 Prozent der Fahrschulen in Sachsen einen oder mehrere Fahrlehrer(innen). Angesichts der Tatsache, dass das Durchschnittsalter der Ausbilder in Fahrschulen laut Moving-Regionalreport 2019 sachsenweit 53,8 Jahre beträgt, wird der Bedarf nicht geringer.

Frauen sind die idealen Fahrlehrer

Frauen seien ideal für den Job, denn sie „bringen von Natur aus wichtige Eigenschaften mit, die einen guten Fahrlehrer ausmachen, wie zum Beispiel pädagogisches Geschick und Einfühlungsvermögen“, findet Jörg-Michael Satz, Präsident des Branchenverbandes International Road Safety Association e. V. „Moving“.

Er beklagt, dass in Sachsen der Frauenanteil unter den Fahrlehrern nur 8,1 Prozent betrage und damit sogar noch 1,8 Prozent unter dem deutschen Durchschnitt liege. Der Moving-Präsident hofft, dass sich das nun in den nächsten Jahren ändert. Denn „seitdem die Einstiegsbedingungen für den Fahrlehrerberuf keinen Motorrad- und Lkw-Führerschein mehr vorsehen, weil 2018 das Fahrlehrergesetz überarbeitet wurde, stellt der Beruf eine attraktive Quereinsteigermöglichkeit für viele Frauen dar“, findet er.

Spart Fahrstunden: Üben im Fahrsimulator. Das ist in einigen Dresdner Fahrschulen – auch bei Dagmar Kanter – möglich. Quelle: Anja Schneider

Das sieht Dagmar Kanter skeptisch. Die 53-jährige weiß, wovon sie spricht. Sie ist nicht nur seit nunmehr 28 Jahren Fahrlehrerin, sondern hat seit über 24 Jahren sogar eine eigene Fahrschule in der Dresdner Neustadt. Nach ihrer Erfahrung gibt es in Dresden und Umgebung nur etwa zehn Frauen, die als Fahrlehrerin arbeiten.

Und sie kennt auch den Grund. „Die Arbeitszeit ist nicht gerade familienfreundlich. Die Stoßzeiten sind zwischen 6 und 8 Uhr sowie 18 bis 23 Uhr. Auch sonnabends werden Fahrstunden gegeben. Wenn man da kleine Kinder zu Hause hat, ist es schwierig, das unter einen Hut zu bekommen.“

Zudem seien Fahrlehrer „noch vor vier, fünf Jahren mit 8 oder 9 Euro pro Stunde mies bezahlt“ worden. „Jetzt liegt der Stundenlohn hier in Dresden zwischen 11 und 18 Euro“, weiß Dagmar Kanter.

Nur sehr wenige Fahrlehrer sind Frauen. Dabei bringen Frauen viele wichtige Eigenschaften für den Beruf mit (Symbolbild). Quelle: picture alliance / dpa

Kein anerkannter Ausbildungsberuf

Sie kritisiert, „dass Fahrlehrer noch immer kein anerkannter Ausbildungsberuf ist. Man braucht sehr viel Fachwissen. Man muss nicht nur Auto fahren können, sich in der Straßenverkehrsordnung und in der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung absolut auskennen, sondern auch im Strafrecht. Zudem sind pädagogische, sozialpädagogische und manchmal sogar psychologische Fähigkeiten unabdingbar.“ Gegenwärtig ist Fahrlehrer/in eine bundesweit einheitlich geregelte berufliche Weiterbildung, die in Vollzeit mindestens ein Jahr dauert.

Traumberuf: Kfz-Schlosser

Dagmar Kanter ist Fahrlehrerin aus Berufung. „Ich wollte beruflich schon als junges Mädchen ’was mit Autos und Elektrik zu tun haben. Ich wäre gern Kfz-Schlosser geworden. Aber zu DDR-Zeiten war das undenkbar. Es gab da ohnehin sehr wenig Ausbildungsstellen und da hätte man mich als Frau garantiert nicht genommen“, blickt Dagmar Kanter zurück.

So lernte sie erstmal Koch, und zwar im Parkhotel. Schon mit 23 hatte sie ihren Küchenmeister in der Tasche. „Aber dieser Beruf hat mich absolut nicht befriedigt.“

Von der Küche auf den Bock

Nach dem Mopedführerschein im Alter von 15 Jahren und dem Pkw-Führerschein mit 18 Jahren wollte sie nun mit 24 Lkw fahren lernen. „Das war 1990. Mein Fahrlehrer dort hat mich ermutigt, Fahrlehrerin zu werden. So habe ich dann nahezu parallel zum Lkw-Führerschein meine Fahrlehrerausbildung gemacht.“

Sie sei nicht die einzige Frau gewesen, die diese Ausbildung – damals ein Fünf-Monate-Lehrgang – absolvierte. „Aber die meisten Frauen haben das nur gemacht, um in der Fahrschule ihrer Männer zu arbeiten und mal einspringen zu können, wenn Not am Mann ist. Ich kenne nur drei Frauen, die in den 1990er Jahren in Dresden wirklich als Fahrlehrerin gearbeitet haben.“ Am Anfang seien ihr die männlichen Kollegen mit Skepsis begegnet, sie habe sich beweisen müssen. Heute sei das kein Thema mehr.

Fahrlehrer ist nach wie vor kein anerkannter Ausbildungsberuf (Symbolbild). Quelle: dpa

Mutter und Tochter in einer Fahrschule

Dagmar Kanter hat die Begeisterung für ihren Beruf an ihre Tochter weitergegeben. Cindy (31) macht in der Fahrschule ihrer Mutter mit. Beide bilden auch Fahrlehrer aus. Insgesamt beschäftigt Dagmar Kanter sechs Angestellte. Vier davon sind Fahrlehrer. „Ich würde auf der Stelle noch zwei weitere Fahrlehrer einstellen“, sagt die Fahrschulbesitzerin, ohne das auf ein Geschlecht zu spezifizieren.

Kinder der Fahrschüler werden betreut

Um jungen Müttern das Absolvieren von Fahrstunden zu ermöglichen, bietet sie eine Kinderbetreuung an. Unentgeltlich. „Wir haben eine liebe Oma, die uns da unterstützt.“ Und ihre beiden Frauen im Büro hätten mit Kinderbetreuung auch Erfahrung. „Die Kinder können in der Zeit, in der Mama Autofahren lernt, bei uns nicht nur spielen und malen. Wir gehen – wenn die Eltern einverstanden sind – mit den Kids auch an die Elbe spielen oder Eisessen.“

Angsthasen-Fahrschule macht Mut

Auch für Angsthasen ist die Fahrschule an der Hoyerswerdaer Straße, die man im Internet sogar unter der Adresse angsthasen-fahrschule.de findet, Anlaufstelle. „Wir helfen Menschen, die schon viele Jahre ihren Führerschein haben, aber nie gefahren sind. Wenn der Partner stirbt, aus Krankheitsgründen nicht mehr fahren kann oder sich das Paar trennt, dann ist für den Partner guter Rat teuer. Wir helfen, den Mut zu fassen, sich wieder hinters Lenkrad zu setzen und das Fahren zu meistern“, erklärt die Fahrschulbesitzerin.

Mit psychologischer Unterstützung

Auch spezielle Ängste – Unsicherheiten bei Nachtfahrten, auf Autobahnen, beim Einparken, in dichtem Verkehr oder was auch immer – versucht die Angsthasenschule mit viel Geduld und Übung abzubauen. „Bei schwierigen Fällen haben wir die Möglichkeit, mit Psychologen zusammenzuarbeiten“, so Dagmar Kanter. So habe am Ende auch ein Autofahrer seine panische Angst, auf Autobahnen über Brücken fahren zu müssen, überwunden, erzählt die Fahrlehrerin aus ihrem Arbeitsalltag.

Bei erklärter Prüfungsangst schaut Fahrlehrerin Dagmar Kanter erst mal genauer hin, worin die eigentlich genau besteht. „Viele sagen, sie haben Prüfungsangst. Aber die Wahrheit ist, dass sie Angst haben, alleine Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.“

So wird man Fahrlehrer/in

Wer sich zum Fahrlehrer bzw. zur Fahrlehrerin ausbilden lassen möchte, muss mindestens 21 Jahre als sein und eine Fahrerlaubnis der Klasse B seit drei Jahren nachweisen. Zusätzlich muss eine Fahrerlaubnis Klasse BE (schwerere Anhänger) vorhanden sein.

Die Ausbildung beinhaltet zwei Phasen. In den ersten acht Monaten absolviert man einen Grundausbildungslehrgang in einer Fahrlehrerausbildungsstätte. Danach ist eine Fachkundeprüfung aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil abzulegen. Ebenso muss eine fahrpraktische Prüfung auf einem BE-Fahrzeug abgelegt werden. Anschließend folgt ein mindestens viermonatiges Lehrpraktikum in einer Ausbildungsfahrschule, welches mit zwei Lehrproben abschließt.

Einfühlungsvermögen, Verständnis, Fachkompetenz, Offenheit und Geduld sind wichtige Eigenschaften. Man sollte ein pädagogisches und psychologisches Grundverständnis für die Tätigkeit mitbringen und gerne mit Menschen aller Altersgruppen und aller sozialen Schichten und aus unterschiedlichen Kulturen arbeiten. Somit sind Kreativität, Freundlichkeit, pädagogisches Geschick und Organisationstalent wichtige Eigenschaften, über die ein Fahrlehrer oder eine Fahrlehrerin verfügen sollte.

Die Mehrheitder Fahrlehrerinnen-Ausbildungen wird durch den Bildungsgutschein der Agentur für Arbeit finanziert. Laut einer aktuellen MOVING Umfrage unter 200 Fahrlehrer-Anwärtern sind dies 58 Prozent. 24 Prozent finanzieren die Ausbildung über ein Meisterbafög. Ein kleiner Teil wird auch durch die Fahrschulen finanziert, ein weiterer Teil – ca. 6 Prozent der MOVING-Befragung – finanziert sich selbst.

Quelle: Branchenverband MOVING

Von Catrin Steinbach

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