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Lokales Angeklagter muss in Gerichtssaal getragen werden
Dresden Lokales Angeklagter muss in Gerichtssaal getragen werden
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18:24 09.10.2018
Rami A. ließ sich vom Wachpersonal in den Gerichtssaal tragen.
Rami A. ließ sich vom Wachpersonal in den Gerichtssaal tragen. Quelle: Monika Löffler
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Dresden

Es gibt unterschiedliche Varianten, wie Angeklagte den Verhandlungssaal betreten: Häftlinge aus der JVA werden in Handschellen gebracht, viele kommen freiwillig, andere werden vorgeführt. Rami A. ließ sich am Dienstag tragen. Der 33-Jährige hatte keinen Bock auf Verhandlung. Eigentlich sollte sich der Syrer wegen sexueller Nötigung vor dem Landgericht verantworten. Er soll in zehn Fällen Frauen, vor allem in der Dresdner Neustadt, sexuell belästigt und bedrängt, sie an Hauswände gedrückt und ihnen an die Genitalien gegriffen haben. Deshalb sitzt er in Untersuchungshaft.

Rami A. weigerte sich entschieden, die Haftzelle im Gericht zu verlassen und in den Saal zu laufen. Weder die Justizbeamten noch sein Verteidiger konnten ihn dazu bewegen. „Er will nicht in den Saal gehen“, erklärte sein Anwalt. „Er fängt an zu zucken und ich weiß nicht, ob er verhandlungsfähig ist.“ Ein hinzugerufener Notarzt erklärte aber, dass der Angeklagte körperlich kerngesund sei.

Was nun? Dem Angeklagten nachgeben, die Verhandlung aussetzen und warten, bis der 33-Jährige doch geruht, vielleicht irgendwann in den Saal zu gehen oder ihn dahin tragen? Das ist fast schon Erpressung. Drei Wachmänner trugen ihn dann durch die Gänge. Rami A. schaute stur gerade aus und machte deutlich, dass ihn die deutsche Justiz wenig interessiert.

Der 33-Jährige ist psychisch zwar nie aufgefallen, auch nicht in der JVA, trotzdem soll nun ein psychiatrisches Gutachten zunächst seine Verhandlungsfähigkeit klären. Zurück in den Haftkeller wurde er mit dem Bürostuhl gefahren.

Von ml