Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales „Ich war irritiert, dass Frauen so etwas machen“ – 37-Jährige von Amtsgericht Dresden zu Geldstrafe verurteilt
Dresden Lokales „Ich war irritiert, dass Frauen so etwas machen“ – 37-Jährige von Amtsgericht Dresden zu Geldstrafe verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
Jetzt kostenlos Testen Zur Anmeldung
20:48 18.11.2019
Symbolfoto Quelle: dpa
Anzeige
Dresden

„Ich war betrunken, ich bin halt Alkoholikerin“, dieser Satz scheint bei Mariana W. für alles als Entschuldigung herhalten zu müssen. Und wenn etwas nicht entschuldigt wird – erfindet man Geschichten. Die 37-Jährige stand am Montag wegen sexueller Belästigung, Beleidigung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch vor dem Amtsrichter.

Anklagepunkt 1: Am 19. August 2018 soll sie in einer Straßenbahn einer Lehrerin erst an den Hintern getatscht und dann kräftig reingekniffen haben. Als sich die 26-Jährige beschwerte, zeigte ihr die Angeklagte den Stinkefinger. Die Frau fand das nicht lustig und erstattete Anzeige. „Das war für mich entwürdigend. Ich war irritiert, dass Frauen so etwas machen. Als ich fragte, was das soll, wurde sie noch patzig.“

Anzeige

„Gesäß wohl etwas ungünstig beiseite geschoben“

Laut Mariana W. war das ganz anders. Sie habe, betrunken, in der vollen Bahn gesessen, während die 26-Jährige stand und ihr mit dem Po immer näher gekommen sei. „Ich habe mich bedrängt gefühlt und dann ihr Gesäß wohl etwas ungünstig beiseite geschoben. Die hat sich aufgeregt, da habe ich ihr den Finger gezeigt, weil plötzlich so ein Tumult war.“ Nett, stimmt aber nicht. Die Bahn war ziemlich leer, beide Damen saßen – die Angeklagte übrigens auf dem Fußboden an der Tür. Also konnte ihr die Frau nicht zu nah gekommen sein, vor allem nicht mit dem Hintern.

Anklagepunkt 2: Wochen später soll Mariana W., als sie einen Freund besuchen wollte, der nicht öffnete, durch dessen Tür marschiert sein und die Füllung herausgetreten haben. Sachschaden: 250 Euro. „Mario machte nicht auf und ich habe mir Sorgen gemacht. Es war nicht in Ordnung, dass ich durch die Tür gegangen bin, aber die war schon kaputt.“ Was für eine treu sorgende Seele – und das bei 2,2 Promille.

110 Tagessätze à 15 Euro.

Wer wann die Tür wirklich demoliert hatte, konnte nicht geklärt werden, obwohl Mario D.extra aus der JVA gebracht wurde, in der er derzeit „wohnt“. So wie bei ihr der Alkohol ist bei ihm Rauschgift an allem Schuld. „Keene Ahnung. Ich war of Droge, ich wees nischd.“ Dabei hatte er damals die Polizei gerufen und Strafantrag gegen seine „Kumpeline“ gestellt. Vor Gericht war er bockig, wollte nichts sagen, hatte keine Zeit, wollte wieder weg. Tja, Termine, Termine – auch im Knast. Der Anklagepunkt wurde eingestellt.

Blieb die sexuelle Belästigung – die für die Angeklagte keine war – der Stinkefinger und ein früheres Urteil wegen Körperverletzung, das in die Entscheidung einbezogen wurde. Machte unterm Strich 110 Tagessätze à 15 Euro.

Von Monika Löffler