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Lokales Am Alberthafen liegt Dresdens sauberste Baustelle
Dresden Lokales Am Alberthafen liegt Dresdens sauberste Baustelle
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07:17 16.02.2019
Im Spätsommer 2018 wurde die Brücke eingerüstet. Vermutlich Ende April wandern Gerüste und Planen auf die derzeit unverhüllte Brückenhälfte. Die Arbeiten werden sich bis zum Sommer 2020 ziehen. Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Es ist die wahrscheinlich sauberste Baustelle von Dresden: Unter einer luftdicht verklebten Plane sanieren Arbeiter derzeit etwa die Hälfte der Stahlfachwerkbrücke am Alberthafen. Die weiße Verhüllung lässt nichts von den schwierigen Arbeitsbedingungen darunter nach außen dringen. Arbeiter haben dort bis zum Dienstag unter Atemschutz alte Farbreste und Rost von den Stahlteilen gestrahlt. Dabei prasselte das Strahlmittel, eine Glasschlacke, die wenig Staub entwickelt, mit 120 Stundenkilometern auf Stahlstreben, Niete und Fugen. Grund für den Aufwand: Im alten Farbanstrich befindet sich Bleimennige, vom dem nach heutiger Einschätzung eine Gesundheitsgefährdung ausgeht. Nichts davon darf in die Landschaft oder gar in die Elbe gelangen. Abgestrahltes Material wird entsprechend aufgesaugt und als Sondermülle entsorgt.

So ändern sich die Zeiten. „Ich kenne ein Bild aus den 1970er Jahren, da ist das Blaue Wunder und ein Schild zu sehen ,Achtung Strahlarbeiten’ und darunter der Hinweis doch bitte auf die Augen zu achten“, sagt Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz. Der Verweis auf das Blaue Wunder ist dabei sehr treffend. Wie die Brücke am Alberthafen wurde die Loschwitzer Elbquerung von Claus Koepcke konstruiert und 1893 eröffnet – vor 126 Jahren. Die Arbeiten, die derzeit am Alberthafen stattfinden, sind für das Blaue Wunder ab dem Sommer 2020 geplant. „Mit dieser Rekonstruktion hier können wir für das Blaue Wunder lernen“, sagt Amtsleiter Koettnitz daher.

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Straßen- und Tiefbauamtsleiter Reinhard Koettnitz zeigt, wie es unter der Plane zugeht. Die Arbeiter dort haben Atemschutz an. Quelle: Dietrich Flechtner

Doch zurück zum Alberthafen und der dortigen, 2,5 Millionen Euro teuren Brückensanierung. Dort stehen nun die Arbeiten an den Stahlstreben an. Dabei ist die Verhüllung durchaus von Vorteil, müssen diese Arbeiten doch bei Plusgraden erledigt werden, damit später die Spannungen im Stahlfachwerk bei Hitzeausdehnungen nicht zu groß werden. „Die Baustelle dort lässt sich auch etwas heizen“, sagt Amtsleiter Koettnitz.

Einige der Streben der noch nie von grundauf sanierten Stahlfachwerkbrücke haben sich verzogen und müssen begradigt oder ausgetauscht werden. An anderen haben sich Niete unter dem Strahlgerät buchstäblich in Staub aufgelöst. „Ob man das so lassen kann oder ob der Niet durch eine Schraube ersetzt wird, müssen wir im jeweiligen Einzelfall prüfen – auch das ist ein Grund für die lange Bauzeit“, sagt Koettnitz. Denn frühestens zum Jahreswechsel, eher im März 2020 können Fußgänger und Radfahrer die Brücke wieder nutzen, sind bis dahin auf eine Behelfsbrücke angewiesen. Bis zum Sommer 2020 sollen im Anschluss noch Arbeiten stattfinden, die den Verkehr auf der Brücke nicht weiter stören. So müssen etwa die Kammerwände, also die Rückwände der Widerlager, neu gebaut werden.

Sind die Stahl- und Schweißarbeiten fertig, wird ein Rostschutz in vier Lagen aufgetragen. Farblich soll das Ergebnis wie das Stahlfachwerk der benachbarten Gleisbrücke aussehen, die bereits vor etwa zehn Jahren saniert wurde. Dann wechseln die Gerüste und damit auch die dicke Verhüllung auf die noch nicht sanierte Brückenhälfte, wo die Arbeiten von Neuem beginnen.

Die Detailaufnahme zeigt das Strebengewirr der Brückenkonstruktion. Zu erkennen sind die Rostschäden, die nach 126 Jahren entstanden sind. Quelle: Dietrich Flechtner

Dabei werden auch die alten Buckelbleche aufgearbeitet, die den Brückenboden bilden. Das sind gebogene Stahlplatten mit einem Loch in der Mitte, durch die das Wasser ablaufen kann. Früher wurden sie mit Füllschichten bedeckt, auf dem eine Asphaltschicht kam. Eine Bauweise, die heute nicht mehr üblich ist, weshalb man diese Platten eigentlich abbauen wollte. Weil der Denkmalschutz den Erhalt am Technischen Denkmal forderte, werden sie instand gesetzt. Später wird eine Stahlplatte draufgelegt, auf die Asphalt für die künftige Geh- und Radbahn kommt. Autos werden dort künftig nicht mehr fahren, für den Hafenbetrieb wird die Brücke nicht mehr benötigt. Weil das sogenannte kleine Blaue Wunder aber für den Elberadweg auf Altstädter Seite von Bedeutung ist, hat die Stadt die Brücke übernommen. Wegen der geringen Verkehrsbelastung geht Amtsleiter Koettnitz davon aus, dass der Stahlbau nach Sanierung wenigstens noch 70 Jahre hält.

Links und rechts von der Geh- und Fahrbahn auf der Brücke wird ein 1,30 Meter hohes Geländer installiert. Es folgen ein Spalt, der die Buckelbleche sichtbar macht und die Außengerüste, die zum denkmalgeschützten Brückenbau gehören. Diese Konstruktionsweise dürfte der ohnehin markanten Brücke einen ganz eigenen Charakter geben. Sie bleibt ein besonderer Anblick, auch wenn die letzten Hüllen gefallen sind.

Von Uwe Hofmann

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