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Lokales Altersarmut in Dresden wächst - "Senioren-Kitas" und Wohnungs-Umbau sollen bessere Bedingungen schaffen
Dresden Lokales Altersarmut in Dresden wächst - "Senioren-Kitas" und Wohnungs-Umbau sollen bessere Bedingungen schaffen
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21:22 09.09.2015

Bezogen im Jahr 2008 erst 1715 Rentner eine "Grundsicherung im Alter", waren im Jahr 2013 bereits 2039 Dresdner auf diese Altersstütze angewiesen. Bis Juli 2014 stieg die Empfängerzahl weiter auf 2131 Senioren.

"In Dresden gibt es da eine ähnliche Entwicklung wie bundesweit", räumte Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) ein. Der Anstieg lasse sich nicht allein durch demografische Trends erklären - denn nicht nur die Zahl, sondern auch der Anteil armer Rentner unter allen Senioren nimmt zu: Lag diese Quote vor sechs Jahren bei 1,54 Prozent, sind es nun 1,85 Prozent. "Es gehen jetzt mehr und mehr Dresdner in die Rente, die nach der Wende lange arbeitslos waren und nicht genug Rentenansprüche gesammelt haben", interpretierte Seidel. Er meint aber auch: "Dresden hat kein solches Armutsproblem wie andere Kommunen." Denn deutschlandweit sind laut Statistischem Bundesamt sogar drei Prozent der Rentner auf Grundsicherung angewiesen. Mitverantwortlich ist die höhere Neigung westdeutscher Frauen, ein Hausfrauendasein zu führen.

Doch auch in Dresden ist die Altersarmut kein Randphänomen mehr - und "das wird Auswirkungen auf die Stadtgesellschaft haben, auf die wir uns vorbereiten müssen", warnte Linke-Stadtrat Hans-Jürgen Muskulus. So müsse die Stadt dafür Sorge tragen, dass es für arme Rentner bezahlbaren und altersgerechten Wohnraum in Dresden gebe. Da denke er nicht nur an die offiziellen "Armen", die Grundsicherung bekommen und damit - ähnlich wie ein Hartz-IV-Empfänger - monatlich mit etwas um die 700 bis 750 Euro (inklusive Wohnzuschuss) über die Runden kommen müsse. "Wer nur 1000 Euro Rente hat, für den sind 500 Euro Miete, wie sie in Dresden häufig verlangt werden, viel Geld", betonte Muskulus.

Er schlägt modernere Wohnformen für Senioren vor, da selbst Hochbetagte immer weniger geneigt sind, die eigenen vier Wände gegen ein Heim-Zimmer zu tauschen. Zu denken sei da etwa an Senioren-WGs, wie sie einige Vereine bereits aufbauen, in denen sich Rentner untereinander, aber auch jüngere und ältere Mieter helfen, den Alltag zu bewältigen. Interessant seien auch Konzepte, die gelegentlich als "Senioren-Kitas" bezeichnet werden. Dahinter steckt eine erweiterte Form der "Tagespflege", bei der pflegebedürftige Rentner weiter in der eigenen Wohnung leben, aber frühmorgens von einem Bringdienst abgeholt, zur Physiotherapie gebracht und abends wieder nach Hause gebracht werden. Solche Konzepte könne man auf Rentner erweitern, die keine Pflegefälle sind, aber auch Interesse an sozialen Erlebnissen und seniorentypischen Angeboten haben, findet Muskulus.

Auch die Volkssolidarität betrachtet den Armutstrend mit Sorge: "Wir sehen die praktischen Auswirkungen bereits in unseren Pflegeheimen und -diensten: Da können immer mehr die Plätze nicht mehr selbst bezahlen", sagte Volkssoli-Vorstandsvorsitzende und SPD-Politikerin Eva-Maria Stange. Sie wünscht sich mehr Engagement von Stadt und Land - indem diese zum Beispiel Förderprogramme auflegen und erweitern, durch die der seniorengerechte und barrierearme Umbau von Wohnungen unterstützt wird. "Es muss ja nicht immer der recht teure barrierefreie Umbau sein", betonte Stange. "Oft helfen auch schon kleine Veränderungen wie niedrigere Schwellen oder breitere Türen, damit Senioren weiter in den eigenen vier Wänden wohnen bleiben können und nicht ins Heim müssen - das erspart den Sozialkassen dann viel höhere Ausgaben."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 20.08.2014

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