Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Alle Haltestellen barrierefrei bis 2022? – Das schafft Dresden nicht
Dresden Lokales Alle Haltestellen barrierefrei bis 2022? – Das schafft Dresden nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:54 22.02.2019
So wie die Bushaltestelle Hüblerplatz sollten bis 2022 alle Stopps aussehen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Mit einem zischenden Geräusch öffnen sich die Bustüren. Jetzt ist ein großer Schritt nötig, weil sich zwischen dem Einstieg und dem Fußweg ein breiter Spalt auftut. Für die jungen Leute, die an der Haltestelle Maxim-Gorki-Straße auf den Bus der Linie 64 gewartet haben, ist das kein Problem. Leichtfüßig hüpfen sie in den Bus, die junge Mutter kippt den Kinderwagen an und folgt ihnen. Ältere Menschen und Rollstuhlfahrer schaffen es dagegen nicht so leicht. Die Haltestelle ist nicht barrierefrei – wie derzeit noch so viele in Dresden. Das soll sich nun ändern.

Rückstand Dresdens in Sachen Barrierefreiheit aufarbeiten

Wobei das Hilfsverb „muss“ vielleicht die bessere Wortwahl wäre: Bis 2022 müssen alle Haltestellen barrierefrei sein – nicht nur in Dresden, in ganz Deutschland. Wie in vielen anderen Städten auch heißt es jedoch in der Landeshauptstadt: „Ein vollständiger barrierefreier Umbau ist bis 2022 nicht zu schaffen“, wie Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) sagt. Daran wird auch das „Sonderprogramm barrierefreie Bushaltestellen“ nichts ändern, an dem derzeit im Geschäftsbereich des Verkehrsbürgermeisters gearbeitet wird.

Ziel des Programms ist es, den Rückstand Dresdens in Sachen Barrierefreiheit aufzuarbeiten. Dabei konzentriert man sich auf Bushaltestellen, weil es dort noch die größten Probleme gibt. Dort, wo die Straßenbahn fährt, sind die Haltestellen entweder schon barrierefrei oder es gibt Pläne, das zumeist im Zuge eines Straßenausbaus zu ändern.

Separater Ausbau der Bushaltestellen nötig

Nicht so die Strecken der Buslinien. Viele verlaufen auf Straßen, die noch Jahrzehnte auf einen grundhaften Ausbau warten müssen. Deshalb ist dort ein separater Ausbau nötig. Und das in Größenordnungen: 644 nicht barrierefreie Bussteige gibt es laut einer Untersuchung, die dem Haltestellenprogramm zugrunde liegt. 129 sind eingeschränkt barrierefrei zu nutzen, etwa indem eine Rampe ausgeklappt wird. 395 Bussteige sind barrierefrei. Eine Bushaltestelle besteht in aller Regel aus zwei Steigen, einem in jeder Fahrtrichtung.

Das Diagramm zeigt die 25 Haltestellen mit den meisten Ein- und Aussteigern. Die meisten sind schon barrierefrei (blau), Tharandter Straße (4.) und Wasaplatz (15.) werden derzeit umgebaut. Quelle: DVB

Demgegenüber nimmt sich dürftig aus, was die Stadt in diesem Jahr an Ausbau plant. Demnach sollen die Bushaltestellen am Endpunkt Luga und am Gasthof Cunnersdorf barrierefrei umgestaltet werden. Man muss allerdings auch anfügen, dass derzeit mit der neuen Zentralhaltestelle Kesselsdorfer Straße und dem Wasaplatz wichtige Haltestellen umgebaut, an denen Straßenbahnen und Busse halten. Ist das Bushaltestellenprogramm beschlossen, soll die Sache mehr Fahrt aufnehmen.

160 Bussteige fallen in höchste Kategorie

Im Programm werden die Bussteige in unterschiedliche Prioritäten eingeteilt. Reichlich 160 fallen in die höchste Kategorie und sollen, so das Ansinnen, bis 2022 ausgebaut werden, wie Hannes Lieberoth sagt. Er ist als Sachgebietsleiter Angebotsplanung bei den Dresdner Verkehrsbetrieben auch für die Infrastrukturplanung verantwortlich und hat an der Einstufung der Haltestellen mitgearbeitet. „Die höchste Priorität haben Haltestellen bekommen, an denen viele Fahrgäste ein- und aussteigen“, sagt er.

Zweites wichtiges Kriterium sei die Nähe von Einrichtungen wie Schulen, Kaufhäusern, Altenheimen oder Krankenhäusern gewesen, weil die Wege dorthin zuerst barrierefrei sein müssen. So ist zum Beispiel der Ausbau der Haltestelle Dorfhainer Straße mit 1800 Ein- und Aussteigern im nächsten Jahr vorgesehen. Dagegen gibt es beispielsweise am St. Marien-Krankenhaus in Klotzsche zwar keine große Nachfrage, aber aufgrund der Nähe zum Krankenhaus einen gesteigerten Bedarf, erläutert Lieberoth die Abwägung.

An der Haltestelle Wittenberger Straße Quelle: Anja Schneider

Doch nicht nur die Einstufung ist schwierig. Ein Planungsvorlauf von fünf, sechs Jahren sei keine Seltenheit, sagt Lieberoth. „Es genügt meist nicht, einfach nur an der Haltestelle den Bord anzuheben“, begründet er. Wenn der Gehweg zur Haltestelle voller Stolperfallen wegen Baumwurzeln oder fehlender Pflastersteine ist, wenn Mauern oder Zäune den Gehweg einengen, wenn parkende Autos, Straßenbäume oder unterirdisch verlaufende Leitungen im Weg sind, müssen sich die Planer etwas einfallen lassen. Schließlich muss ein Gehbehinderter oder Rollstuhlfahrer die ausgebaute Haltestelle auch erreichen können. Außerdem sind Mindestbreiten zu beachten, für das Aufstellen Wartender einerseits, für das Ausklappen der Rampe andererseits.

Barrierefreier Ausbau light

Denn nicht immer lässt sich die Minimalvariante für eine barrierefreie Haltestelle verwirklichen, die aus einem auf 23 Zentimeter angehobenen Bord und einem Blindenleitsystem besteht. Denn dort, wo die Strecke kurvenreich oder die Anfahrt sehr knapp ist, muss der Bord niedriger sein, damit Busse ihn überfahren können. Als barrierefrei gilt die Haltestelle dann nicht mehr, ist nur mit Rampe nutzbar.

Die Stadt erwägt zudem eine Art barrierefreien Ausbau light, den sie in Abstimmung mit den Behindertenverbänden an drei Haltestellen ausprobieren will. Wo, wie und wann genau ist noch nicht klar, teilt Verkehrsbürgermeister Schmidt-Lamontain mit. Die Verkehrsbetriebe hoffen dagegen darauf, dass so viele Haltestellen wie möglich komplett barrierefrei ausgebaut werden. Denn dort läuft der Fahrgastwechsel schneller, weil alle es einfacher haben. Ausgebaute Haltestelle helfen Fahrzeiten, vielleicht so gar einige Busse auf der Strecke einzusparen.

Unklar sind die Kosten für das Ausbauprogramm. Sie können je nach Haltestelle stark variieren, mit sechsstelligen Beträgen ist jedoch zu rechnen, wie Lieberoth sagt. Schätzungen für die Kosten für das Gesamtprogramm gibt es laut Stadt noch nicht. Immerhin aber Pläne für die Finanzierung: Geld soll aus der Stellplatzauslöse in den Ausbau fließen, zudem fördert der Freistaat derartige Projekte mit 75 Prozent.

Von Uwe Hofmann

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Der VVO möchte das S-Bahnnetz massiv ausbauen – und setzt dabei auf die Millionen vom Bund für den Kohleausstieg. Sogar eine vor 20 Jahren stillgelegte Verbindung soll reaktiviert werden.

22.02.2019

Der frühere und der aktuelle Rektor der TU Dresden sehen die Universität auf einem guten Weg. Im DNN-Interview blicken Prof. Achim Mehlhorn und Prof. Hans Müller-Steinhagen auf Vergangenheit und Zukunft. Beide verbindet eine ungewöhnliche Gemeinsamkeit.

22.02.2019
Lokales Dresden eröffnet Ausstellung - Königsufer findet Riesenresonanz

Wenn es um das Königsufer und den Neustädter Markt geht, sind die Dresdner elektrisiert. Die Stadtverwaltung eröffnete am Donnerstagabend im Kulturpalast eine Ausstellung mit den preisgekrönten Entwürfen, und der Andrang war enorm. Die Stühle reichten nicht, viele Gäste mussten stehen.

21.02.2019