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Lokales Ärztemangel:Telemedizin ist kein Allheilmittel
Dresden Lokales Ärztemangel:Telemedizin ist kein Allheilmittel
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15:30 28.10.2019
Das Tablet am Krankenbett ist in manchen Krankenhäusern, wie beispielsweise hier im Universitätsklinikum in Dresden, bereits ein alltäglicher Begleiter für Patienten und Mediziner. Archiv/Uwe Menschner
Kamenz

Werden wir künftig noch selbst zum Arzt gehen müssen? Und wenn ja, gibt es dann überhaupt noch einen Arzt, zu dem wir gehen können? Diese Fragen sind zwar zugegebenerweise provokant formuliert, doch keineswegs aus der Luft gegriffen. Denn: schon heute haben es neu nach Kamenz Hinzugezogene schwer, einen Hausarzt zu finden. Und bei den Fachärzten sieht es kaum besser aus.

„Die Kamenzer Hausärzte sind mit durchschnittlich 1200 potenziellen Patienten ausgelastet“, weiß auch Lorenz Harst. Der wissenschaftliche Mitarbeiter an der medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden ist maßgeblich an dem Forschungsprojekt mit dem Titel „Care4Saxony“ beteiligt, das sich mit den Möglichkeiten der Telemedizin für die Versorgung im ländlichen Raum beschäftigt. Und dabei richtet sich ein besonderer Fokus auf die Stadt Kamenz, die für das Netzwerk eine Modellregion darstellt.

Die Erstuntersuchung muss stets beim Arzt vor Ort erfolgen

Telemedizin – dieser Begriff ist in jüngster Zeit zu einem Schlagwort geworden, in das alles mögliche hineininterpretiert wird. Von Untersuchungen durch Roboter oder Diagnosen per App ist da zuweilen die Rede. Alles Quatsch. Denn: „Die Erstuntersuchung muss immer persönlich durch einen Arzt erfolgen. Das ist in Deutschland gesetzlich geregelt, und daran wird sich auch nie etwas ändern“, versichert Lorenz Harst.

Doch was danach folgt, verursacht vor allem in Bezug auf chronisch kranke Patienten einen Aufwand, der nicht immer gerechtfertigt erscheint: Regelmäßige Arztbesuche, nur um „Hallo“ zu sagen, bestimmte Werte zu messen oder um neue Medikamente zu verschreiben.

„Ein Monitoring – also eine Fernüberwachung – könnte hier beiden Seiten Entlastung bringen“, meint der junge Forscher. Über einen Chip – er muss nicht implantiert, sondern kann einfach auf die Haut aufgesetzt werden – ließen sich permanent die erforderlichen Werte erheben und über eine Datenleitung an eine Zentrale übertragen. Bei erheblichen Abweichungen gäbe es ei­nen Alarm und schnelle Hilfe, ähnlich wie beim Wählen des Notrufs.

Natürlich gäbe es auch weiterhin regelmäßige Arztbesuche, aber in deutlich längeren Abständen. Der Patient könnte sich den oftmals beschwerlichen Weg sparen, der Arzt hätte mehr Zeit für seine akuten Fälle. „Das Monitoring ist nur eine mögliche Anwendung“, erklärt Lorenz Harst. „Weitere sind die Videosprechstunde, bei der sich Arzt und Patient am Bildschirm gegenüber sitzen, oder auch die Videoanleitung für physiotherapeutische Übungen.“

Allerdings halten sich Zustimmung und Skepsis bei der einen Hälfte der Zielgruppe – nämlich bei den Patienten – derzeit noch die Waage. Dies wurde auf einem Workshop deutlich, den Lorenz Harst in der vergangenen Woche in der Kamenzer Stadtwerkstatt Bürgerwiese moderierte. Insbesondere ältere oder eben chronisch kranke Patienten hätten voraussehbar Probleme, die erforderliche Technik zu installieren und zu bedienen. Die Datenübertragung über das Internet müsse wesentlich leistungsfähiger und stabiler werden, um Pannen – die in diesem Fall fatale Folgen haben könnten – auszuschließen. Und schließlich stelle der Arztbesuch für viele Patienten auch einen wichtigen sozialen Kontakt dar. Und überhaupt: Wäre es nicht besser, dafür zu sorgen, dass ausreichend Ärzte zur Verfügung stehen?

Situation mit Ärztemangel wird sich so schnell nicht ändern

An diesem Punkt muss Lorenz Harst die Hände heben: „Das können wir als Wissenschaftler nicht leisten. Die Situation ist nun einmal so, wie sie ist, und sie wird sich in absehbarer Zeit nicht bessern. Die Rahmenbedingungen ändern – das kann nur die Politik“, sagt der Fachmann. Und auch wenn erste Weichen gestellt seien, dauere es noch Jahre, bis – wenn überhaupt – Ergebnisse sichtbar würden.

Wie also jetzt weiter? Lorenz Harst und seine Kollegen nehmen die Anregungen und Einwände mit und werden sie in ihr Konzept für die Telemedizin-Modellregion Kamenz einfließen lassen. Wie sich diese tatsächlich präsentieren wird, ist noch Zukunftsmusik.

Von Uwe Menschner

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