Absage der Leipziger Buchmesse: Dresdner Verlag schwer getroffen
Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Absage der Leipziger Buchmesse: Dresdner Verlag schwer getroffen
Dresden Lokales Absage der Leipziger Buchmesse: Dresdner Verlag schwer getroffen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:51 12.03.2020
Matabooks; Katharina Ziegler; Foto Anja Schneider
Matabooks; Katharina Ziegler; Foto Anja Schneider Quelle: Anja Schneider
Anzeige
Dresden

Kay Hedrich saß auf gepackten Kisten. Gemeinsam mit seinem Team arbeitete er das letzte dreiviertel Jahr daran, sein Unternehmen Matabooks mit dem mittlerweile 64 Quadratmeter großen Stand auf der Leipziger Buchmesse präsentieren zu können. Zwei Monate lang haben die Gründer den Stand designt, Werbemittel entworfen, Poster und Flyer gedruckt – „Alles für die Tonne“, sagt der Chef.

Denn das Coronavirus machte dem Dresdner Verlag wie vielen anderen Unternehmen einen Strich durch die Rechnung. Die Messe ist abgesagt. Damit bricht für den kleinen Verlag Matabooks eine fest einkalkulierte Einnahmequelle weg. Unter dem Hashtag #bücherhamstern ruft er gemeinsam mit anderen Verlagen dazu auf, trotzdem Bücher zu kaufen.

Es wäre das dritte Jahr in Leipzig gewesen

Wir haben Matabooks knapp drei Wochen vor dem geplanten Start der Buchmesse besucht. Die Paletten voller Romane, Notizhefte und Kinderbücher stapelten sich in dem kleinen Loft im Dresdner Stadtteil Niedersedlitz und wurden für den anstehenden Messebesuch gepackt. Die Bücher, die sich auf mehr als 15 Paletten stapeln, wurden eigens für die Messe hergestellt. Immerhin sollten die Verlage dieses Jahr erstmals die Möglichkeit bekommen, ihre Produkte auf der Buchmesse auch verkaufen zu können, erzählt Hedrich. Es wäre das dritte Jahr in Leipzig gewesen. Angefangen hat das Unternehmen mit einem acht Quadratmeter großen Stand.

Das Dresdner Start-up sammelte via Crowdfunding Geld

Doch damals war noch einiges kleiner als heute. Um 100 Bücher vegan und nachhaltig auf Graspapier drucken zu können, sammelte Kay Hedrich damals Geld via Crowdfunding. Inzwischen rattern die Maschinen fast täglich in der dem Loft gegenüberliegenden Produktionshalle. Diese gehört der Buchbinderei Bindwerk, bei der Matabooks drucken und experimentieren darf. Alles begann in der Gründerschmiede der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden. Hedrich studierte Medienmanagement im Master und widmete sich in seiner Forschungsarbeit den Papieralternativen.

Matabooks produziert rundum nachhaltige Bücher

Graspapier war damals zwar nichts Neues, wurde aber nur für Verpackungen eingesetzt. Hedrich wollte das ändern. Nicht nur das Papier wollte er nachhaltiger gestalten, auch der Leim und die Fäden für die Bindung sollten umweltfreundlicher und vor allem vegan werden. Tatsächlich sind herkömmlich hergestellte Bücher genaugenommen nicht mal vegetarisch. In den Stoffen, mit denen die Buchdeckel geleimt werden, befinde sich meist Fischmehl, sagt Hedrich. Derzeit verwendet er für seine Matabooks-Produkte einen Kaltleim. Die Druckfarben basieren auf Leinöl und das Papier wird eben aus Gras hergestellt, welches drei bis fünfmal im Jahr geerntet werden kann. Selbst übrig gebliebene Druckbögen landen nicht im Müll, sondern werden zum Verpacken genutzt.

Einblicke in die Produktion von Matabooks

Inzwischen gibt es bei Matabooks nicht mehr nur Notizbücher, sondern auch ganze Romane und Kinderbücher. Die Lettern und Illustrationen landen auf Süßgraspapier. Das wird aus Agrarresten gewonnen, die sonst verbrannt werden würden. Im Gegensatz zu herkömmlichem Graspapier sind die Texte auf Süßgraspapier besser lesbar. Beim Thema Kinderbücher hat das Unternehmen derzeit ein besonderes Ass im Ärmel: Die Neuauflage von Gudrun Pausewangs Buch „Die Kinder in der Erde“. „Sie schrieb uns letztes Jahr an, ob wir das Buch neu veröffentlichen würden“, erinnert sich Kay Hedrich. Im Dezember, wenige Wochen vor ihrem Tod, schrieb sie noch das Vorwort. „Es sind ihre letzten geschriebenen Worte“, sagt Hedrich.

Absage der Buchmesse: „Uns hat es hart getroffen“

Aktuell wird in dem kleinen Forschungslabor an der Hüblerstraße an einem Faden für die Fadenheftung getüftelt, der ohne Kunststoff auskommt. Die Herausforderung dabei ist, die Naturfasern so zusammenzubringen, dass sie problemlos wie der Kunststoff durch die Maschinen gleiten. An Ideen für die Zukunft mangelt es dem Team von Matabooks nicht. Doch die Absage der Buchmesse holt das junge Unternehmen erstmal zurück in die Gegenwart: „Uns hat es schon hart getroffen“, sagt Kay Hedrich. Vorproduzierte Bücher müssen anderweitig verkauft werden, Kontakte mit Buchhändlern neu geknüpft und Produkte online kräftiger beworben werden.

„Wo erreicht man schon mal so viele Menschen wie auf der Buchmesse? Wir hatten Termine mit Geschäftsführern von Buchläden und Unternehmern aus dem Buchhandel. Das fällt nun alles weg“, sagt Hedrich. Trotzdem wollen er und seine Mitarbeiter nach vorn schauen. Was mit den mehreren tausend Euro Kosten passiert, auf denen sie sitzenbleiben, weiß Hedrich: „Die gibt uns keiner wieder.“

Von Lisa-Marie Leuteritz