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Lokales Abriss an der Könneritzstraße: „Das war keine Perle der Ostmoderne“
Dresden Lokales Abriss an der Könneritzstraße: „Das war keine Perle der Ostmoderne“
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12:00 21.06.2019
„Ich bin dann mal weg“: Das gelb-blaue ABB-Gebäude an der Könneritzstraße ist mitsamt dem Flachbau abgerissen. Quelle: Jürgen-M. Schulter
Dresden

„Gott, was für eine Blamage“, habe er gedacht, sagt Volker Frieske. Mit ohrenbetäubendem Lärm fraß sich der Bagger in das erste Fundament. Nichts. Beim zweiten das gleiche Ergebnis. Bei Nummer drei auch. „Mit der Erinnerung ist das so eine Sache“, sagt der 78-Jährige lächelnd und schaut auf die Zeitkapsel. Sie wurde beim zweiten Versuch vom Baggerführer gefunden. Im sechsten Fundament.

„Ich war überrascht“, erklärt Projektleiterin Delia Kraaß. „Da war jemand am Telefon und sagte, er wisse, wo die Zeitkapsel des ABB-Gebäudes liegt.“ Ob sie interessiert sei, fragte der Anrufer. „Aber natürlich“, erklärte ihm Kraaß. „Wann hat man schon mal die Gelegenheit, die Erbauer eines Gebäudes zu treffen, das man abreißt?“

Hier wurde die Fassade abgerissen. Mittlerweile ist das ganze Gebäude dem Erdboden gleich gemacht. Quelle: Mike Schiller

Frieske hat auch als Projektleiter gearbeitet. Und hat den riesigen Bürokomplex an der Könneritzstraße errichtet. Nach Plänen des Architekten Dieter Schödel. Schödel ist heute 84. „Außen sollte das Gebäude Betonplatten und Holzverbundfenster erhalten“, erinnert er sich. „Dann haben wir aber doch eine Vorhangfassade genehmigt bekommen.“ Das Gebäude sei in die falsche Flucht gesetzt worden. Man habe sich nicht an der Wohnbebauung an der Könneritzstraße orientieren dürfen, sondern die Neubauten Richtung Schweriner Straße verlagern müssen. „Wahrscheinlich sollte die Könneritzstraße verbreitert werden.“

„Richtig“, bestätigt Stefan Szuggat, Leiter des Stadtplanungsamtes. Es hätten Pläne für eine dritte Marienbrücke neben der Eisenbahnbrücke und der bestehenden Brücke auf dem Papier gestanden. Die hätte eine breite Zufahrt benötigt. Deshalb sei der Büroriegel versetzt errichtet worden. „Jetzt können wir das korrigieren“, so der Amtsleiter.

480 Wohnungen will die Deutsche Wohnen AG, für die die Architektin Kraaß tätig ist, auf dem Gelände des ABB-Gebäudes errichten. Als Blockrandbebauung, die sich an der bestehenden Wohnbebauung orientiert. Der Baubeginn ist für nächstes Jahr geplant.

Im Sommer heiß, im Winter eiskalt

Den dafür erforderlichen Abriss betrauern weder Schödel noch Frieske. „Das war ein reiner Zweckbau und keine Perle der Ostmoderne“, meint Frieske nüchtern. „Wir haben nach der Wende keinen Käufer für das Objekt finden können“, erklärt Manfred Kreutel, früher Produktionsdirektor beim VEB Energiebau Radebeul, der einen Großteil des Gebäudes genutzt hatte. 1990 wurde der VEB an den Konzern ABB verkauft, daher der Name ABB-Gebäude.

Nicht zeitgemäß sei das Bauwerk gewesen, so ohne Wärmedämmung. „Im Sommer war es in den oberen Etagen nicht zum Aushalten“, erinnert sich Kreutel. Doch im Winter mussten die Heizungen glühen,

Die Zeitkapsel ist auch innen nass geworden. Quelle: tbh

Am 3. Mai 1979 wurden der Grundstein gelegt und die Zeitkapsel im sechsten Fundament der Betriebskantine versenkt. Jetzt ist sie geborgen. Und was war drin? Frieske erinnert sich an „Tageszeitungen, eine handgeschriebene Geschichte des VEB Energiebau und die damaligen Münzen“. Doch: „Die Kapsel war unverlötet. Da ist beim Hochwasser 2002 Feuchtigkeit eingedrungen“. „Wir müssen den Inhalt trocknen und konservieren.“ , sagt Marko Rosteck, Sprecher der Deutsche Wohnen.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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