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Lokales 6G und Gesetze für Maschinen: Dresdner Mobilfunk-Guru hat einen 100-Jahr-Plan
Dresden Lokales 6G und Gesetze für Maschinen: Dresdner Mobilfunk-Guru hat einen 100-Jahr-Plan
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08:46 29.09.2019
Professor Gerhard Fettweis will am nächsten großen Wurf arbeiten. Quelle: TUD
Dresden

Der Dresdner Mobilfunk-Experte Professor Gerhard Fettweis gibt die Leitung des Zukunftselektronik-Zentrums Cfaed ab und will sich auf neue Herausforderungen stürzen: den Mobilfunk der 6. Generation (6G) und eherne Gesetze für vernetzte Maschinen. „Wir wollen da einen 100-Jahr-Plan ausarbeiten“, kündigte er mit einem Augenzwinkern an.

So ist kein Geheimnis, dass Fettweis, der mit Kollegen den 5G-Mobilfunk maßgeblich mitentwickelt hatte, nicht so recht zufrieden mit dem 5G-Funk ist, wie er nun standardisiert wurde: Reaktionszeiten un­ter einer Millisekunde sind immer noch nicht erreicht – Live-OPs, anspruchsvolle Echtzeit-Roboter-Steuerungen und Highend-Spiele in virtuellen Realitäten sind damit nur halbherzig realisierbar. Daher schwenkt Fettweis nun schon auf die nächste Generationen ein, die er 5G++ und 6G nennt.

„Anfang von Veränderungen, die Welt ins Wanken bringen“

Noch zukunftsweisender ist der „100-Jahr-Plan“. Den will er im neuen Barkhausen-Institut an der TU Dresden als langfristige Agenda für die Entwicklung neuer Technologien ausarbeiten – als fachübergreifendes Gemeinschaftswerk von Physikern, Psychologen, Elektronik-Ingenieuren, Historikern, Funk­experten und anderen Wissenschaftlern. Womöglich könne daraus auch ein neues Exzellenz-Cluster entstehen, sinniert der auch für seine zahlreiche Firmenausgründungen bekannte Professor.

„Wir müssen uns Gedanken darum machen, wie wir mit den explosionsartig wachsenden Möglichkeiten der Vernetzung und Informationsverbreitung langfristig umgehen wollen“, erklärte Fettweis. Dies erforderte eine Art interdisziplinäre Forschungsreise, die über den bloßen Blick in den Rückspiegel und durch die Frontscheibe hinausgehe. „Denken Sie daran, wie die Renaissance, wie Gutenberg und Luther das Leben der Menschen für immer verändert haben“, sagt der Elektrotechniker. „Auch wir stehen erst am Anfang von technologischen Veränderungen, die die Welt ins Wanken bringen.“

„Wir können Dinge bauen, die alles verändern“

Beispielsweise sei es wichtig, für unbemannte Post-Drohnen, für internetfähige Kameras, Assistenzroboter und die vielen anderen „Dinge“ im hochvernetzten „Internet der Dinge“ klare Gesetze zu formulieren. Regeln wie etwa: Ich darf mich als Drohne nicht um jeden Preis in der Luft vordrängeln, bloß weil ich mein Paket für das wichtigste halte. Oder: Ich könnte das private Familienfoto zwar auf Facebook teilen, weil ich als Kamera vernetzt bin und der Hersteller das so in der Grundeinstellung wollte – aber ich darf das nicht.

Wichtig sei es aber auch, wenn Konstrukteure mit Sozial- und Geisteswissenschaftlern beizeiten darüber diskutieren, welche Erfindungen der Gesellschaft tatsächlich helfen – und welche man vielleicht auch auf später verschieben kann. „Wir als Ingenieure können Dinge bauen, die alles verändern“, warnt Fettweis. „Aber wir müssen uns auch der Frage stellen: Welche Lösungen brauchen die Menschen wirklich?“

Von Heiko Weckbrodt

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